14/8/2006

Adalbertsmarkt in Großhumpendorf

«Hätte ich einen so treuen Keiler, wie den dicken Adalbert gehabt, wäre Gerhard Schröder niemals Bundeskanzler geworden»

Von Claude Michael Jung

Extrem schwere Tage hat man in der Saargemeinde Großhumpendorf hinter sich gebracht, Der Adalbertsmarkt, das größte Dorffest innerhalb der saarländischen Landesgrenze hat die letzten Reserven der Großhumpendorfer gefordert. Das Dorffest das alljährlich zu Ehren des dicken Adalbert, jenes gewaltigen Keilers der im Mittelalter den französischen König Philipp den Schönen, nach dessen erfolgloser Belagerung der Humpenburg, über den Haufen gerannt hatte, so das seine französische Majestät in seiner Ahnengalerie platz nehmen musste, veranstaltet wird, fand wie immer großen Anklang in der gesamten Region.

Bereits um neun Uhr trommelte die Schlendriansglocke im Turm der Großhumpendorfer Pfarrkirche Sankt Donner und Doria die Pfarrkinder und auswärtigen Besucher derart intensiv zusammen, das sogar die Humpen in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen mit in das Geläut einstimmten. Das von Pastor Friedensreich Selighauer zelebrierte feierliche Hochamt zu Ehren Adalberts und des edlen, mächtigen Tempelritters Schlendrian wurde wegen des Besucheransturms auf zwei Großbildleinwände, die auf dem Rätschplatz zum «Public Viewing» aufgestellt waren, übertragen. In einem anschließenden Umzug wurde der ausgestopfte Adalbert, das riesige, Ehrfurcht gebietende Borstenvieh dann von der freiwilligen Feuerwehr im Triumphzug durch die Straßen und Gassen der fahnengeschmückten Gemeinde getragen.

Oskar Lafontaine, das Los hatte ihn zum Fassanstich auserkoren, lobte in seiner Feiertagsrede den dicken Adalbert als einen Vorkämpfer für die Freiheit der Saarländer und einen Helden der sozialen Gerechtigkeit, der den Schatz der Tempelritter vor dem Zugriff des französischen Königs «Phlipp le bau» gerettet hat. Etwas später, nachdem der Saar-Oskar einige Humpen mit Bürgermeister Edgar Lump und Pastor Friedensreich Selighauer gekreuzt hatte, bekannte Lafontaine: «Hätte ich einen so treuen Keiler, wie den dicken Adalbert gehabt, wäre Gerhard Schröder niemals Bundeskanzler geworden».

Landesvater Peter Müller ritt auf Alarisch, dem gescheiten Wallach von Bauer Güllerich, an der Spitze einer großen Delegation des saarländischen Landtages in das große Festzelt ein und verkündete zum wiederholten male, ohne das es jemand hören wollte: «Ich bin ein Großhumpendorfer»! Der Chef der Saargrünen Hubert Ullrich forderte zu Ehren Adalberts die Wildschweinjagd im Saarland zu verbieten und Chris Hartmann, Vormann der Saar Liberalen mahnte an, nachdem er einen Kranz mit gelben Nelken am Denkmal des dicken Adalbert niedergelegt hatte, Wildschweinbraten endlich von der Mehrwertsteuer zu befreien. Natürlich durfte auch Heiko Maaslos, der kleine Trommelmann der Rest-SPD im Land bei dem Großereignis nicht fehlen. Ihm wurde jedoch kurz nach seinem Erscheinen, eine soziale Standpauke von Pastor Friedensreich Selighauer zuteil. Gerade als Maas die soziale Politik der SPD über den grünen Klee hinaus loben wollte, ereilte ihn die furchtbare Standpauke des Gottesmannes, der darüber hinaus Heiko Maas einen Platzverweis, wegen Tragens ungebührlicher Kleidung auf dem Fest der Feste, erteilte. Maas trug zu einem blauen Freizeitanzug rote Socken, die den Vertreter des Himmels so strak erzürnten, das er die rote Karte für den Boss der Saar SPD für gerechtfertigt hielt.

Hermann Atzel, SPD-Bürgermeister der seit Jahrhunderten mit Großhumpendorf verfeindeten Nachbargemeinde Schlemmerbach, wurde das erste 0pfer des, pünktlich um 15.00 Uhr angepfiffenen Fußballduells zwischen der Dorfjugend Großhumpendorfs und den «Saupänns» der Schlemmerbacher Feinde. Ein strammer Steilpass des Großhumpndorfer Linksverteidigers Ewald Stoppel traf genau die Nasenspitze Hermann Atzels, der gerade dabei war einen großen Humpen auf der Tribüne zu leeren und ließ diesen die Engel im Himmel singen und pfeifen hören. Der Ausgang der Partie ist unbekannt, da in diesem Jahr die traditionelle Massenkeilerei der Kicker bereits wenige Minuten nach Anpfiff der zweiten Halbzeit einsetzte und noch lange nach dem Abpfiff weitergeführt wurde.

Vor «Karls Gourmet Point», der einzigen Frittenbude mit Flair im Land, auf dem Großhumpendorfer Rätschplatz war schlangestehen angesagt. Hier gab es die schwarz, rot, geilen Adalbertswürste. «Schwarz-Rot Geile» das sind leicht angebrannte rote Bockwürste mit Mayonaise und goldgelben Fritten, deren Verzehr auch an hundsgewöhnlichen Tagen ein Hochgenuss für den verwöhnten Kenner bedeutet.

Zum Auftakt des Abends wurde dann das Sandkastenspiel von Bürgermeister Edgar Lump aufgeführt und ebenfalls zum «Public Viewing» auf die beiden Großbildleinwände übertragen. Bürgermeister Lump verschob darin eigenhändig, so wie es das «Hesse Gutachten» zur Verwaltungsreform an der Saar vorsieht, die Großhumpendorfer Gemeindegrenze, indem er im Handstreich die fast bedeutungslosen Nachbarnester Bad Bücklingen und Schwindelwald eroberte. Der Großhumpendorfer Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens, der das Sandkastenspiel moderierte, erklärte dem erstaunten Publikum, das die soeben entstandene neue Gemeidedimension ausreiche um einen weiteren europäischen Kleinstaat, etwa wie Andorra, Monaco, den Vatikan, oder San Remo auszurufen. Edgar Lump könne dann Staatspräsident oder sogar Großherzog werden und gemeinsam mit Kardinal Friedensreich Selighauer den neuen Staat leiten. Nach dem großen Feuerwerk, das Großhumpendorf samt der Humpenburg hell erleuchtete, tanzten die zahlreichen Gäste im Festzelt und in der Scheune von Bauer Güllerich in den kommenden Morgen. Studienrat Ernst Nonsens vermerkte um die Mitternacht in seinem Großhumpendorfer Tagebuch:« In dieser Nacht hat sogar Schlendrian der Mächtige in seiner Gruft nicht auf Samba, Foxtrott und Walzer verzichtet».

Au, den 14. August 2006

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