31/7/2006

Mir sinn halt äwe e bissje rundlich

Mehr als die Hälfte der Saarländer hat Übergewicht / Doch daran kann Pastor Friedensreich Selighauer nichts Unrechtes finden

Von Claude Michael Jung

Wie das Statistische Landesamt des Saarlandes auf Basis der Ergebnisse des Mikrozensus 2005 mitteilt, waren im vergangenen Jahr 59 Prozent der erwachsenen Männer und 45 Prozent der erwachsenen Frauen im Saarland übergewichtig. Über beide Geschlechter betrachtet kommt man auf eine Quote von fast 52 Prozent. Mit diesen Zahlen liegt das Saarland im Ranking der Bundesländer um satte zwei Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Der durchschnittliche männliche Wonneproppen wiegt im Saarland 81,5 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,76 Metern Das holde Geschlecht dagegen verteilt 67,6 Kilogramm auf 1,64 Metern Körpergröße.

Dass Essen und Trinken Leib und Seele zusammen hält, gehört zum Grundwissen eines echten Saarländers. Und so freut sich der Trend zu einer barocken Figur an der Saar weiter allergrößter Beliebtheit. «Uns schmeckt's eben, egal was die anderen denken», meinte der Großhumpendorfer Pastor Friedensreich Selighauer, ein besonderes Prachtexemplar in Sachen Leibesumfang, bei Bekanntwerden der unheiligen Statistik. Pastor Friedensreich Selighauer bezweifelt allerdings die Aussagekraft der errechneten Daten. Dieser so genannte Body-Mass-Index (BMI) errechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. «So kann man einen Saarländer oder eine Saarländerin von Format nicht berechnen. Saarländer sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und somit das Maß aller Dinge.» Pastor Selighauer bezichtigte die saarländischen Statistiker der Ketzerei und des würdelosen Umgangs mit den Proportionen des großen Saarvolkes. «Der Bauch des Saarländers verkörpert seine Würde, und diese Würde ist von den Mitarbeitern des Statistischen Landesamtes in den Morast eines unanständigen Zahlenwerks gezogen worden», ereiferte sich der Großhumpendorfer Pastor in seiner Sonntagspredigt in der überfüllten Pfarrkirche Sankt Donner und Doria. In seiner mehr als einstündigen Predigt, zu der auch zahlreiche beleibte Würdenträger des gesamten Bistums erschienen waren, lobte der streitbare Pfarrer die saarländische Küche und legte besonderen Wert auf die Feststellung: «Faasekichelcha, Dibbelabbes, Geheiratete, oder Grummbeerkichelcher sind keineswegs verbotene Früchte vom Baum des Herrn. Ihr Genuß, ebenso wie der von Hoorische, Krautwickele und Lyonerpann wertet der Herr nicht als Völlerei, ebensowenig den Bierbauch, der vor Gottes Angesicht Wohlgefallen findet. Läwerknepp, Fleischkäs, oder Schwenkbrode können niemals Sünde sein, weder in dieser Ewigkeit, noch in der nächsten. Wir Saarländer sind keine Hungerhaken, keine schmalen Handtücher, keine Rippengestelle und schon gar keine Kalorienverächter, bei uns wird gess, was uff de Disch kummt.»

Dass Pastor Friedensreich Selighauer selbstverständlich auch ein Mann des Friedens und der Versöhnung ist, zeigte sich im Aufruf zur Sonntagskollekte, die im Anschluß an seine Predigt «Hauptsach gudd gess» folgte. Die Kollekte dient der Finanzierung eines mittäglichen Galadiners im Pfarrhaus, zu dem die Mitarbeiter des Statistischen Landesamtes eingeladen sind. Wie Pastor Selighauer nach dem Hochamt kundtat, soll der Bauchumfang der Saar-Statistiker durch das «Menü der saarländischen Lebensart» um einige Zentimeter erweitert werden. «Lasset die mickrigen Zahlenheinis zu mir kommen, denn ihnen wird die Kenntnis zuteil werden, dass ein Schinken ohne Speck genau so fade schmeckt, wie ihr Zahlenwerk». Amen.

Au, den 31. Juli 2006

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