19/8/2006

Nicht nur Capri hat eine blaue Grotte

"Hier zu leben bedeutet das Glück aus vollen Humpen zu genießen"

Von Claude Michael Jung

"Das war kein Unwetter, das waren keine sintflutartigen Regenfälle, das war ein Segen des Himmels", so die Worte des Großhumpendorfer Pastors Friedensreich Selighauer, nachdem über der Gemeinde Großhumpendorf in der vergangenen Nacht ein Gewitter niedergegangen war und der Humpenbach sich über seine Uferböschung ergoss. Bei dem überraschenden Ausflug des Humpenbachs wurden schwere Gesteinsbrocken aus dem Schlendrianswall, der alten Grenzbefestigung gegen die Schlemmerbacher Erbfeinde, mitgerissen und haben den Eingang zu einem Naturwunder freigelegt. "Dem Humpenbach sei Dank, nun sind wir die erste Gemeinde außerhalb Capris in der es eine blaue Grotte gibt", jubelte Bürgermeister Edgar Lump beim Anblick der azurblauen Öffnung am Fuß des Humpenbergs. Unrasiert und immer noch in Pantoffeln erschien auch der Großhumpendorfer Chronist, Studienrat Ernst Nonsens am Tatort und stellte messerscharf fest, das es sich bei der blauen Grotte um den Eingang in einen, aus dem Mittelalter stammenden Stollen handelt, aus dem die Schlendriansritter schon im 11. Jahrhundert zentnerweise Azurit fördern ließen. Nach der Tatortbesichtigung, man war immer noch vom Donner gerührt, versammelte sich der Gemeinderat am Stammtisch von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen zu ersten Beratungen.

Azurit ist ein Kupfererz, das schon im Mittelalter große wirtschaftliche Bedeutung hatte. Wegen seiner edlen, tiefblauen Farbe und dem hohen Preis fand Azurit besonders in kunstvoll ausgemalten mittelalterlichen Handschriften Verwendung. Auch wurde es von der Ritterschaft der erhabenen Schlendriane zur Gewinnung jenes blauen Farbstoffes verwendet, mit dem sie die Unterwäsche ihrer Gemahlinnen in eine azurblaue erotische Herrlichkeit verwandelten. Für Rachildis Freifrau von Droste-Wütherich, die "Grande Dame" im Großhumpendorfer Gemeinderat und esoterischen Beraterin des saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller gilt Azurit als Stein der Erkenntnis und des geistigen Wachstums. Freifrau von Droste-Wütherich, nach deren Erkenntnis Azurit die Konzentrationsfähigkeit und die geistige Aufnahmebereitschaft fördert, indem es die Leistungsfähigkeit des Gehirns erhöht und die Sinneswahrnehmungen anregt, regte bei der Sitzung des hohen Rates an, die Azuritförderung wieder zu beleben und das teure Mineral der Erkenntnis allen Politikern des Universums zur Bekämpfung ihres "Bandwurms der Dummheit", rezeptfrei zur Verfügung zu stellen.

Das Gestein der Erkenntnis touristisch zu nutzen und die Politiker auf diesem und anderen Planeten einfach dumm sterben zu lassen, schlug Bürgermeister Edgar Lump, dagegen dem hohen Rat der Gemeinde als Alternative vor. Nach Lumps flotten Berechnungen, die er wie stets auf einem Bierdeckel vornahm, wird die Großhumpendorfer blaue Grotte jährlich tausende Touristen anziehen, denen man nur den Zaster geschickt aus der Tasche ziehen muss. Mit bis zu 10.000 Tagestouristen rechnet Bürgermeister Lump und bei einem Eintrittsgeld von fünf EURO lässt das täglich 50.000 EURO in der Gemeindekasse klingeln Dem stehen als Investition lediglich ein paar Nägel gegenüber, denn die benötigten Bretter für ein Kassenhäuschen will Lump wie immer in der Nachbargemeinde Schlemmerbach, im Zuge einer gemeinsamen Nachtpatrouille mit Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss organisieren.

Einem Einwurf von "La Rabiata", Lumps liebender Gattin, die sich der Reinlichkeit im Dorf verschrieben hat, nach den, durch den Massentourismus entstehenden Müllbergen, erteilte Bürgermeister Edgar Lump eine glatte Abfuhr. "Den Plastikmüll karren wir natürlich wie gewöhnlich nach Saabrigge, das ist dort in dem ganzen Dreck noch nie jemand aufgefallen und den Rest kippen wir, nach alter Sitte und Tradition in Schlemmerbach ab". Damit war das Müllproblem für Bürgermeister Lump gelöst und auch "La Rabiata" gab sich zufrieden.

An diesem Abend trägt der Großhumpendorfer Chronist, Studienrat Ernst Nonsens in sein Tagebuch den denkwürdigen Satz ein: "Großhumpendorf ist ein einzigartiges und überwältigendes Museum der Naturschönheiten, hier zu leben bedeutet, das Glück aus vollen Humpen zu genießen".

Au, den 19. August 2006

GroßhumpendorfGeschichtenwww.saarlandbilder.net