vorab erschienen im link Saarecho 13/9/2006

"Club of Wine and Cheese" besucht Großhumpendorf

Noch heute existiert hier der "Clos des Templeirs"

Von Claude Michael Jung
nach einer Idee von Andreas Rockstein

Der "Club of Wine and Cheese", ein hochkarätiges Expertenteam, welches im Auftrag zahlreicher Königs und Fürstenhäuser, sowie des höheren Geldadels der Welt, die exquisitesten Weinbaugebiete der Welt als Vorkoster und Einkäufer bereist, hat in den vergangenen Tagen auch das "Dorf am Fluss", die reizvolle Saargemeinde Großhumpendorf heimgesucht und die, dort stattfindende alljährliche landwirtschaftliche Leistungsschau beehrt.

An die Vorkoster des trinkenden und schlemmenden Hochadels der Welt gewandt, sagte Bürgermeister Edgar Lump: "Mesdames et Monsieurs, Grosshumpendorf verfügt über die exzellentesten Weinlagen an der oberen Saar. Bekanntlich war die Region "Obere Saar" bis vor wenigen Jahrzehnten ein hervorragendes Weinanbaugebiet. Durch die Kriege des zwanzigsten Jahrhunderts ging leider der Weinbau in dieser lieblichen Gegend fast gänzlich verloren. Lediglich Großhumpendorf konnte seine traditionsreichen Weinberge bewahren und weiterentwickeln. Die Lage hier ist so ausgezeichnet, dass selbst kräftige Rotweine gekeltert werden können. Eine Handvoll Betriebe - vereint in der Großhumpendorfer Weinbaugenossenschaft "Schluck auf"- bebaut die Grosshumpendorfer Weinlagen. Besonders zu erwähnen ist hier die Südwestlage der Kuckuckshöhe wo der exzellente "Schwarze Schlendrian", die süffige "Templerperle" und der halluzinogene Wirkung erzeugende "Rote Kreuzritter". Die unangefochtene Spitzenlage bildet der Grand Cru "Clos des Templiers" in dem als saarländischer Spitzenwein die edle burgundische Rebsorte Pinot Noir angebaut wird, die einem Côte de Nuits kaum nachsteht. In den anderen Lagen werden ein hervorragender Riesling, Gewürztraminer und Muskateller angebaut. Eine Kuriosität bildet die Rebsorte "Sankt Blasius", genannt nach einem frommen Mönch der im Mittelalter den edlen Tempelrittern auf der Humpenburg die Beichte abgenommen hat. "Sankt Blasius" ist nach önologischen Erkenntnissen ausschließlich auf Großhumpendorfer Gemarkung anzutreffen. Die Großhumpendorfer Weine sind ausgesprochen kompakt, körperreich und verfügen über eine lange Lagerfähigkeit".

Neben dem Weinanbau gibt es in Großhumpendorf auch eine traditionsreiche Käseproduktion. Gemäß eines alten Großhumpendorfer Brauches werden alle Käsesorten aus der Direktmilch von wahnsinnig glücklichen Kühen, Schafen und Ziegen erstellt, die ausschließlich auf Großhumpendorfer Gemarkung weiden. Dies garantiert das allerhöchste Qualitätsniveau. Die Palette reicht von Frischkäse über rotfärbenden Käse (vergleichbar dem Elsässer Münsterkääs) bis hin zu Hartkäsen. Alle Käsesorten werden in der traditionsreichen Großhumpendorfer "Fromagerie de la haute Sarre" unter strengster Aufsicht der Landwirtschaftskammer des Saarlandes, sowie unter den Augen des Grußhumpendorfer Pastors Friedensreich Selighauer hergestellt und tragen das Label "Appellation Fromage de Großhumpendorf - Grand Cru" .

Urkundlich nachweisbar ist dass Großhumpendorfer Käse und Weine seit dem 14.Jahrhundert über die Saar in alle Welt verschifft wurden, womit die Produkte ihren Weg bis hin zum Mongolischen Khanenhof fanden. Im Großhumpendorfer Heimatmuseum finden wir sogar ein Dankschreiben des türkischen Sultans Suleiman des Glücklichen, der dem Fromage de Großhumpendorf das Wunder zuschreibt, dass er über 120 stramme Söhne zeugen konnte. Martin Luther hat den Großhumpendorfer Käse während er auf der Wartburg bei Eisenach verweilte ebenso genossen, wie zig Erzbischöfe, Kardinäle und Päpste, die den Fromage de Großhumpendorf als eine wahre Gottesgabe einstuften.

Auch der Johannisbeerlikör (Cassis) ist eine Großhumpendorfer Spezialität. Manche Kenner ziehen den "Großhumpendorfer" gar dem berühmten Cassis de Dijon vor. So lag es nahe, dass die Großhumpendorfer Gastronomie auch den "Communard" einführte, also ein Glas Rotwein mit einem Schuss Cassis. Besser gesagt, es handelt sich um einen "Cardinal", so wie die "Communards" in Burgund genannt werden, wenn sie mit einem besonders edlem Rotwein erstellt werden.

Dem "Communard" war dann auch der Abend in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen gewidmet, wo sich der "Club of Wine and Cheese", gemeinsam mit dem Großhumpendorfer Gemeinderat zu einem abschließenden Diner versammelte. Hier wies der Großhumpendorfer Chronist, Studienrat Ernst Nonsens noch darauf hin, das es die Grafen von Aurica zu Beginn des 14. Jahrhunderts gewesen seien, die die ersten Rebstöcke an den, von der Sonne verwöhnten Hängen gepflanzt haben. Darauf ist der Name "Clos des Templiers" zurücktuführen, einer exklusiv von der Domaine der Grafen von Aurica bewirtschafteten Lage, deren Weine allerdings nicht exportiert werden, sondern ausschließlich zu besonderen Anlässen, wie etwa dem Geburtstag von Bürgermeister Edgar Lump durch die Kehlen der Großhumpendorfer fließen..

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