7/3/2007

Tempelritter von der Saar bergen das «Goldene Kalb»

Moses war jedenfalls stinksauer

Von Claude Michael Jung

Während Moses mit Gott auf dem Berg Horeb über die zehn Gebote verhandelte, suchten die Israeliten ihre Goldvorräte zusammen, schmolzen sie ein und gossen daraus das «Goldene Kalb». Zum Guss einer «Goldenen Kuh» haben die Vorräte an Edelmetall damals leider nicht gereicht, jedoch es bestand Hoffnung, dass das Kalb noch wachsen werde, man musste eben nur lange genug darum herum tanzen. Moses war stinksauer auf das Rindvieh und warf das «Goldene Kalb» wutentbrannt in eine Schlucht, wo es bis ins Mittelalter hinein unter Sand und Geröll in der Wüste Sinai begraben war.

Eine Abteilung Tempelritter unter dem Kommando von Ritter Johannes dem Säufer, einem Neffen von Tempelritter Schlendrian dem Mächtigen von der Humpenburg an der oberen Saar, fand mit Hilfe des Allmächtigen das über sieben Zentner schwere Goldrind während einer Rast unter einer schattigen Akazie. Dort lagerten die edlen Templer, nachdem sie tagelang vergebens einer Fata Morgana gefolgt waren, die ihnen vorgegaukelt hatte, mitten auf dem Sinai gäbe es eine Gastwirtschaft, die saarländisches Bier im Ausschank habe.

Johannes der Säufer glaubte den entscheidenden Schluck zu viel zu sich genommen zu haben, als die Stimme Gottes ihm befahl: «Johannes erhebe deinen Hintern und grabe an der Stelle, die ich dir zeigen werde, ein Loch in die Erde». Ritter Johannes der Säufer, ein gottesfürchtiger Mann, tat wie ihm befohlen wurde. Im Stillen wünschte er jedoch Gott, um seiner Ruhe Willen, zum Teufel.

Mit bloßen Händen, der Klappspaten war noch nicht erfunden, buddelte Johannes der Säufer mit dürstender Kehle stundenlang Steine und Sand aus dem Loch des Herrn. Gott trieb den armen Templer zu Höchstleistung an, missgönnte ihm sämtliche Pausen und verlangte auch noch, dass der edle Templer ihm, im Schweiße seines Angesichts, gefälligst einen Altar aus dem geborgenen Schatz zu bauen hätte. Das schlug dem Fass den Boden aus und Johannes der Säufer drohte zum Islam überzutreten, wenn Gott nicht seine Forderungen zurückschrauben würde.

Johannes der Säufer und seine Templer traten in den Streik, denn die Ordensregeln, das «Regularium von Chablis» besagten, das alles was ein Tempelritter fand oder erbeutete, zum Schatz der Tempelritter gehörte und auf der Humpenburg an der oberen Saar eingelagert und verprasst werden musste. Gott lies es hageln und schneien, jedoch die Templer blieben beinhart und streikten sieben lange Wochen. Als dann auch noch eine Karawane mit Nachschub und Jungfrauen aus Jerusalem eintraf und die Tempelritter sich daran machten mitten in der Wüste eine ihrer gefürchteten Orgien zu feiern sah Gott seine Ohnmacht ein, er ließ es noch etwas hageln und blitzen, dann aber verschwand er und das «Goldene Kalb» war für die Nachwelt gerettet.

Fünf Jahre dauerte es bis Johannes der Säufer seinen Schatz auf der Humpenburg abliefern konnte. Überall lauerten unterwegs Gefahren für die sieben Zentner purem Gold. Räuber, Fürsten, Könige, Bischöfe und sogar der Papst versuchten sich des schweren Schatzes der Templer zu bemächtigen. In Mailand herrschte allerhöchste Gefahr für das «Goldene Kalb» der Tempelritter. Kardinal Enzo Gluckerini, er konnte seine Maitressen kaum noch bezahlen, forderte Tempelritter Johannes den Säufer zu einem Trinkgelage heraus. Der Sieger sollte das «Goldene Kalb» als Trophäe erhalten. Dem Mailänder Sterberegister ist zu entnehmen, das der Kirchenfürst das Duell nicht überlebt hat und sturzbesoffen an der Himmelspforte von Petrus zuerst mal zur Ausnüchterung geschickt werden musste.

Jahrzehnte lang war das «Goldene Kalb» der saarländischen Tempelritter im großen Rittersaal der Humpenburg aufbewahrt und verehrt worden. Dann verschwand es für Jahrhunderte unter Gerümpel und Unrat im Keller der Templerfestung. Dort überlebte es Kriege und Revolutionen. Dick mit Dreck überzogen wurde es jetzt beim Frühjahrsputz wieder aufgefunden und von seiner Patina befreit. Derzeit steht das «Goldene Rindvieh» im Amtszimmer des Großhumpendorfer Bürgermeisters Edgar Lump zwischen einem Gummibaum und dem Garderobenständer. Zwar könnte Großhumpendorf bei einem Verkauf des «Goldenen Kalbs» die Schulden des Saarlandes auf einen Streich bezahlen, jedoch daran verschwendet Bürgermeister Lump keinen einzigen Gedanken. «Falls mal wieder jemand von der Landesregierung zum Betteln vorbeikommt darf er das Kalb ruhig mal streicheln, aber das Vieh bleibt hier» meinte Edgar Lump in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen, wo das «Goldene Kalb» in diesem Jahr an den Großhumpendorfer Kulturtagen, dem Adalbertsmarkt im August, innerhalb einer Ausstellung über den Schatz der Tempelritter, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird

Au, den 7. März 2007

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