10/3/2007

Das große Delirium

Cara Bum macht Delirium auch ohne Brandwein möglich

Von Claude Michael Jung

Das die sagenumwobenen Tempelritter auf der Humpenburg an der oberen Saar bei ihren Orgien und Gelagen auch geheimnisvolle Drogen zu sich genommen haben, ist hinlänglich bewiesen. Die Saartempler waren im Besitz des Notizbuches von Jesus Christus, das zum Schatz der Tempelritter gehörte. Mit dessen Hilfe konnten sie zum Beispiel trockenen Fußes die Saar überqueren. Wasser wurde in Wein verwandelt und das Wunderwasser danach gewinnbringend und vor allem massenweise in die damals bekannte Welt verkauft. Die hohe Kunst Mehl in Kokain zu verwandeln behielten die Ritter vom Tempel Salomons jedoch für sich. Kokain zu schnupfen gehörte im Mittelalter zum grande Chic auf der Humpenburg und nicht jeder Sterbliche durfte das berauschende Mehl in sich hinein ziehen.

Auch hatte die Humpenburger Ritterschar erkannt das noch lange nicht jeder Vollrausch die gleichen Effekte und den gleichen Grad der Verwirrtheit nach sich zog. Trinkfest wie die Templer nun einmal waren wurden auch immer größere Mengen alkoholischer Getränke benötig um in die gewünschte Desorientierung zu gelangen. So experimentierte man jahrelang, leider vergebens, an einem totalen, alles übertreffenden, absoluten Rausch. Gefangene Feinde wurden bis zur Bewusstlosigkeit abgefüllt. Ein eingefangener Sachse vergas nach einem ordentlichen Rausch mit Brombeerlikör sogar seine Muttersprache und lallte nur noch bis zu seinem Lebensende. So konnte es nicht weiter gehen, ein vollkommen neues, ultimatives Getränk musste her, um endlich die Engel im Himmel singen zu hören.

Tempelritter Schlendrian, wegen seines Bierbauch auch als Schlendrian das Fass bekannt war es, der zu einem Konzil der Scharlatane und Alchimisten auf der Humpenburg aufrief. Der Aufruf fand ein gewaltiges Echo. Aus allen Himmelsrichtungen strömten die Anhänger der schwarzen, weißen, roten, karierten und gestreiften Magie auf die Humpenburg und machten sich an die Erforschung eines neuen, die Sinne berauschenden Getränks. Viel kam allerdings nicht dabei heraus und nachdem es zu mehreren Explosionen gekommen war wurde das Konzil des Vollrauschs von Tempelritter Schlendrian einfach aufgelöst.

So vergingen die Jahre und die Humpenburger Ritter wollten ihre berauschenden Exzesse schon einstellen, als der Weise Abra Bin Kadabra aus dem Morgenland den Templern an der oberen Saar seine Aufwartung machte. Abra Bin Kadabra galt an den orientalischen Höfen als absoluter Experte für den alkoholfreien Vollrausch. Eine prickelnde, aber nur leicht benebelnde Brause hatte Abra Bin Kadabra bereits für den Haarem von Sultan Ju-Suff von Damaskus kreiert und sich die flüssige Köstlichkeit unter dem Kürzel «COLA» patentieren lassen. Das braune Gesöff bestand Hauptsächlich aus gemahlenen Kaffeebohnen, Wasser und ein wenig Zucker und Unmengen davon wurden benötigt eine ordentlich Fata Morgana der Sinne zu erzeugen. Im Orient standen eben nicht die geeigneten Rohstoffe für ein rauscherzeugendes, alkoholfreies Gesöff zur Verfügung.

An der Saar waren jedoch sämtliche benötigten Rohstoffe in ausreichen Mengen vorhanden. Lediglich die richtige Zusammensetzung musste herausgefunden werden. Der Weise Abra Bin Kadabra machte sich auch sofort ans Werk um die richtige Mixtur für ein solches, sämtliche Dimensionen sprengendes Gesöff zu produzieren. Aus 60 Anteilen flüssigem Kokain, 30 Anteilen aus Steinkohle hydriertem Kohlesirup und 10 Anteilen Wasser entstand in kurzer Zeit, der erste berauschende und alkoholfreie Sprit der Welt.

Doch wer sollte den Zaubertrank als erstes kosten, wer sollte den ersten Schluck wagen? Die Lösung lag natürlich sehr nahe. Tempelritter Schlendrian lud die armen Schwestern und Brüder aus der Pfalz zu einem Konzil des immerwährenden Friedens auf die Humpenburg ein und kredenzte ihnen das neue, gut gekühlte Modegetränk. Die wenigsten überlebten den Gigarausch. Dutzende glaubten fliegen zu können und wagten den Heimflug nach Pirmasens, Landau und Neustadt. Die Stukas zerschellten jedoch schon direkt vor den Mauern der Humpenburg und die Mixtur des Supergetränks musste vollkommen neu überdacht werden. Rätselraten herrschte, ob nicht gar der Wasseranteil noch weiter gesenkt werden musste.

Nachdem die Pfalz fast menschenleer war, gelang endlich der große Durchbruch. Bauern und Handwerker aus der Eifel und dem Hunsrück waren es die den Megarausch als erste problemlos überlebten, nachdem der Weise Abra Bin Kadabra durch reinen Zufall mehr Wasseranteile in die Brause des himmlichen Glücks gegeben hatte. Die Cola arabicum (Cara-Bum) gilt somit als Urcola und ein Beweis für die tolle Zusammenarbeit der Saar-Templer mit der gesammelten Weisheit des vorderen und hinteren Orients.

Heute wird das Cara-Bum-Rezept im Tresor des Großhumpendorfer Rathauses aufbewahrt. Cara-Bum ist dem, vom amerikanischen Apotheker John Stith Pemberton erfundenen Gesöff namens Coca Cola weit überlegen. Seine berauschende Wirksamkeit steht heute leider unter Rezept und Apothekenpflicht. Bei Zweifel fragen sie einfach ihren Arzt oder Apotheker.

Au, den 10. März 2007

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