10/8/2006

Großhumpendorf, das saarländische Zentrum der Denker und Schwenker

In Großhumpendorf versteht man sich als «World intelligence center»

Von Claude Michael Jung

Die SPD Saar machte sich zwar dafür stark, ein offenbar geplantes neues Werk des chinesischen Automobilkonzerns Peng-Rad-Ab nach Großhumpendorf ins Saarland zu holen. Auch beim Peng-Rad-Ab-Vorstand war man, nach der Auswertung von zig Millionen Luftbildern, die eigens ein Werkssatellit des chinesischen Autobauers von Deutschland zusammengeknipst hatte hellauf begeistert von der Saargemeinde. Die Planungen von Peng-Rad-Ab sehen vor, hier den neuen «PRA-Rumpler» zu produzieren.

Auf wenig Gegenliebe stieß der Plan allerdings bei Großhumpendorfs Bürgermeister Edgar Lump. Der fühlt sich schon seit Jahrzehnten von den Sozis verschaukelt und gegenüber dem PRA-Konzern argumentierte er, man habe bereits mit den Bossler Werken einen international angesehenen Autobauer in der Gemeinde. Am Stammtisch in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen führte Edgar Lump weiter aus, er halte den Rumpler auch gegenüber dem von Hugo Bossler vor Ort in Handarbeit gefertigten «Bossler Humpen», einem Universalfahrzeug, das sowohl als Cabriolet als auch als offener Kleinlaster mit Kettenantrieb auf der Hinterachse, sowie als Turbo-Rasenmäher genutzt werden kann, für nicht konkurrenzfähig. Auch gebe man in der Gemeinde, die für die neue Industrieansiedlung notwendig gewordene Instandsetzung der Verbindungsstraße zu der mit Großhumpendorf seit Jahrhunderten verfeindeten Gemeinde Schlemmerbach keinen Cent aus. Die in Frage kommende Verbindungsstraße ist seit Frühsommer 1944 wegen eines tiefen Bombenkraters nicht mehr passierbar und so soll es für die Zukunft auch bleiben. Mittlerweile steht der, angeblich von einer Fliegerbombe herrührende Krater auch unter Naturschutz und bietet zahlreichen Wildenten einen willkommenen Brutplatz.

In Großhumpendorf versteht man sich als «World intelligence center», seit sich nach der saarländischen Sommerlochakademie, mit der saarländischen Heißluftgesellschaft eine weitere international hoch angesehene Denkfabrik mit mehreren Hundert Mitarbeitern hier niedergelassen hat. Hier rauchen die Köpfe ganzer Beraterstäbe der hohen Politik, nicht nur während der Wahlkämpfe. Das Saar-Think Tank berät unter anderem zahlreiche Bundespolitiker in Sachen Outfit, so wurde die neue Mode von Angela Merkel hier kreiert und auch der grausige Bart des SPD Vorsitzenden Kurt Beck wurde mittel eines neuartigen Computerprogramms hier entworfen. Bundespräsident Horst Köhler lässt hier ebenso denken wie der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber. So ist unter anderem die großartige Wahlkampfrede Stoibers, mit deren Hilfe er die Ossis im letzten Bundestagswahlkampf auf die Palme getrieben hat, noch in den späten Abendstunden, ohne Überstunden geltend zu machen, am Hochaltar in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen entstanden.

«Heißluft ist unser Leben» kann man auf einem großen Transparent am Eingang des, großartig am künstlichen Wasserfall des Humpenbachs gelegenen parkähnlichen Areals der saarländischen Heißluftgesellschaft lesen. Und Heißluft wird hier auch täglich im Schichtsystem produziert. Keine Sommerlochattake ist übel genug um hier nicht ausgeheckt zu werden, das beweist unter anderem ein Dankesbrief des ersten Stehgeigers der christlich demokratischen Union, Ronald Pofalla, der sich überschwenglich für den hier ausbaldowerten Stuss in Sachen «Kinder für sozialbedürftige Eltern in die finanzielle Pflicht zu nehmen» mit den Worten. «Ihr habt mich zum Sommerlochkönig 2006 gemacht» bedankt.

Derzeit bereitet man sich bei der Saarländischen Heißluftgesellschaft auf einen eventuellen Zerfall der großen Koalition in Berlin vor. Die Großhumpendorfer Brauerei errichtet in der weiträumigen Parkanlage mehrere beheizbare Festzelte um die, für einen zünftigen Bundestagswahlkampf dringend benötigen Aushilfskräfte unter bringen zu können. «Wen auch immer die SPD dann als Ass aus dem Keller hohlen wird, wie sind bestens gerüstet», sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Saar Sommelochakademie Prof. August Tresendorf. beim Dämmerschoppen gegenüber dem Großhumpendorfer Dorfchronisten, Studienrat Ernst Nonsens.

Dank der gelungenen Ansiedelungspolitik von Bürgermeister Edgar Lump sieht Großhumpendorf in eine rosige Zukunft. «Die hohe Qualität der saarländischen Heißluft, verbunden mit dem Know-How für deren Produktion garantieren uns ausschließlich noch fette Jahre» lässt Bürgermeister Edgar Lump durch Studienrat Ernst Nonsens auf einem Bierdeckel notieren und für die Dorfchronik festhalten.

Au, den 10. August 2006

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