31/7/2006

Die tollen Ritter vom großen Humpen

Damals waren Flüche eben noch verlässlicher als heutzutage

Von Claude Michael Jung

Am 22. März 1312 löste Papst Klemens V. auf dem Konzil von Vienne den Orden der Templer auf. Am 19. März wurde der letzte Großmeister des Templerordens, Jacques de Molay, zusammen mit Geoffroy de Charnay in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sowohl der König als auch der Papst starben ein Jahr danach, wie ein Fluch Jacques de Molays – kurz vor der Verbrennung ausgestoßen – es vorhersagte. Damals waren Flüche eben noch verlässlicher als heutzutage.

Nur in Schottland und an der Saar überlebte der Templerorden, hier zunächst unter Großmeister Schlendrian dem Mächtigen. Nach dessen Tod übernahm dann Schlendrian der Heilige das Zepter der Saar-Templer. Damals musste man noch kein Wunder vollbracht haben oder gar als Märtyrer gestorben sein um heilig gesprochen zu werden. Es genügte einfach, wie im Fall Schlendrian geschehen, eine Nonne aus den Fluten der Saar vor den ertrinken gerettet zu haben und sich die Heldentat danach schriftlich bestätigen zu lassen. In der südfranzösischen Stadt Avignon, dem damaligen Papstsitz tauchte zwar in jenen denkwürdigen Tagen ein unverschämtes Pamphlet auf, in dem behauptet wurde, Schlendrian hätte überhaupt keiner frommen Klosterfrau das Leben gerettet, sonder einer Dame, die einen etwas anrüchigen Beruf ausübte. Lediglich der erste und letzte Buchstabe der Bezeichnung Nonne sei korrekt wiedergegeben, war in dem böswilligen und verleumderischen Pamphlet zu lesen.

Im Jahre 1319 gründete König Dionysius in Portugal die Ritter des Ordens der Ritterschaft Jesu Christi. Die Güter des Templerordens in Portugal wurden auf den neugestifteten Orden der «Ritter Christi» übertragen, weiterhin wurde bestimmt, dass die Ritter des Ordens der Ritterschaft Jesu Christi nach der Regel des Ritterordens von Calatrava zu leben hatten. Auf Burg Humpen im Saarland verblieb der weitaus größte Teil des Schatzes der Tempelritter, darunter der heilige Gral, von den Saartemplern als der große Humpen verehrt. Hoch über dem Saartal verspürte man auch keine Lust sich den Brüdern in Portugal anzuschließen. So wurde zu Ostern 1321 unter dem Humpenbanner ein eigenständiger saarländischer Ritterorden, «Die tollen Ritter vom großen Humpen» gegründet. Auf ihrem weißen Wappenrock und dem schlichten weißen Umhang, prangte von nun statt einem roten Kreuz, ein großer Humpen.

Die Humpenburg im Herzen Europas entwickelte sich unter den tollen Ritter vom großen Humpen zu einem kulturellen Zentrum. Hugo der Murxer lehrte hier wie kein anderer zuvor die Theorie der Handwerkskunst und Tusnelda, eine vornehmem Dame von edlem Geblüt häkelte als erste Frau der Welt im Ostturm der Humpenburg einen fast durchsichtigen Brustpanzer für Frauen. Sogar die Bauern gelangten zu Wohlstand, sie erhielten das verbriefte Recht Schnaps zu brennen und an Durchreisende zu verkaufen. Mit Oswald von Sachsen (lat. Ossi de Saxonia) kam ein weiterer großer Gelehrter und Prediger an die Humpenburg. Er lehrte die Pfälzer Nachbarn das Evangelium der Schlendriane und machte aus Grummbeerklauern aufrechte Christen. Schlendrian der Heilige war es, der mit der Kommerzialisierung des Ablasses, durch den Schwarzhandel mit Beichtbriefen, vom Bodensee bis weit in die Ardennen hinein, den Reichtum der Humpenburger Ritterschaft ins unermessliche steigerte.

Unter dem Patronat des heiligen Schlendrians wurden auch große und für die Zeit revolutionäre Reformen durchgeführt. So war es nicht mehr strafbar, den Dreck unter den Teppich zu kehren, oder die nackten Füße aus dem Fenster baumeln zu lassen, fall diese ordentlich gewaschen waren. Auch durften die dritten Zähne nicht mehr während der Mahlzeit herumgereicht werden, selbst wenn der Tischnachbar sein Gebiss gerade mal verlegt hatte. Sogar für den Tierschutz hatte Schlendrian der Heilige etwas übrig. So verbot er das angeln vom Rücken eines Pferdes und alle Katzen musste Glocken um den Hals tragen um den Vögeln ihren Besuch anzukündigen. Kurz vor seinem Tod erklärte der heilige Schlendrian noch den ersten Samstag im Monat zum Badetag für die gesamte Ritterschar der Humpenburg, ein Gesetz, das europaweit große Beachtung und selbst in Schottland Nachahmer fand.

Schlendrian der Heilige verstarb im Alter von 83 Jahren. Er überhörte die Worte seines Knappen Schluri: «O edelster der Ritter seht, dort naht ein Gewitter». Ein Blitz fuhr durch Schlendrians Helm und weiter die Rüstung hinunter bis zur dicken Zehe. Schlendrian leuchtete für einige Sekundenbruchteile strahlend hell auf und vereinigte danach seine Asche mit dem Blech seiner Rüstung. Die Schlacke Schlendrian des Heiligen wurde gemäß seinen Wunsch unter der Theke von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen in der Gemeinde Großhumpendorf beigesetzt.

Au, den 31. Juli 2006

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