22/2/2007

Schlendrian verschachert Festung Ehrenbreitstein an Kardinal Richelieu

«Großhumpendorfer Schutzvertrag» nach schwerem Gelage unterzeichnet

Von Claude Michael Jung

Zu Beginn des dreißigjährigen Krieges hatte «Schlendrian der Bläser», so genannt, da er stets, wenn ihn der Durst plagt zur Trompete griff, um seinen Mundschenk Flügel zu verleihen, die Humpenburg an der Saar samt Umgebung zur absolut neutralen Zone erklärt. Zahlmeister aller Kriegsparteien erschienen auf der Humpenburg, um das damals wie heute hoch beliebte und begehrte Humpenbräu für ihre dürstenden Heere zu erwerben. Durch die geschickte Neutralitätspolitik Schlendrians kam es in der Saarregion zu einem weiteren Wirtschaftswunder und «Schlendrian der Bläser» wurde sowohl im protestantischen als auch im katholischen Lager als «ehrlicher Makler» zwischen den Fronten anerkannt.

«Die Kriegführende Welt ist zu Gast bei Freunden» schrieb der bayrische Feldmarschall Johann Tilly von der Humpenburg aus an seinen Kaiser in Wien und fügte an: «Nirgendwo gedeiht die Braugerste so hervorragend, wie in der, von Gott und den Erzengeln gesegneten Humpenburger Region». In Ännchens Kneipe am Großhumpendorfer Dorfbrunnen wurde anstatt der Schwerter, die Humpen gekreuzt. Selbst der kaiserliche Generalissimus Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein erschien mit einem Stab von Vorkostern und lobte das Humpenbräu als himmlichen Trunk, der die Seele belebt.

Als «ehrlicher Makler» stand «Schlendrian der Bläser» aber auch beim französischen König Ludwig XIII. in hohem Ansehen. Der «Roi de France» suchte durch diplomatische Aktivitäten einige strategisch günstige westliche Provinzen des unter der Habsburger Fuchtel stehenden Reichs an sich zu binden, um seinem Erzfeind in Wien bei erster Gelegenheit einen kraftvollen Stiefeltritt verpassen zu können. Seine französische Majestät sandte seinen ersten Minister, Kardinal Richelieu, mit mehreren Fudern besten Burgunderweins ausgestattet an die Saar um Schlendrian als Vermittler zwischen Frankreich und dem Kurfürsten von Trier Philipp Christoph von Sötern anzurufen. Philipp von Sötern, der in dem Ruf stand, ein geschickter Diplomat und Unterhändler in juristischen Streitfällen zu sein, erwies sich jedoch gegenüber der geballten Humpenmacht als diplomatische Niete.

Zwar konnte sich der Trierer Kurfürst Philipp Christoph von Sötern noch standhaft gegen die Forderung Kardinal Richelieus nach Gebietsabtretungen wehren, selbst als seine französische Eminenz ihm mit der Exkommunizierung und der Einsetzung von Schlendrian dem Bläser als neuen Kurfürsten von Trier drohte, jedoch als der Verhandlungsort vom großen Rittersaal der Humpenburg an den Stammtisch von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen verlegt wurde, kapitulierte Philipp von Sötern vor der unwiderstehlichen Strahlkraft der Humpen. Mehrmals musste der Kurfürst aus der Großhumpendorfer Nachbarschaft sich eine längere Verhandlungspause unter dem Stammtisch in Ännchens Kneipe gönnen, letztendlich erflehte er aber den Schutz des Humpenbanners und unterzeichnete einen sogenannten Schutzvertrag mit Kardinal Richelieu. Gerüchte, die heute noch in der Trierer Gegend kursieren, wonach «Schlendrian der Bläser» die Hand des Kurfürsten bei der Unterzeichnung des Schutzvertrages geführt haben soll, werden bis dato immer noch, sowohl von der französischen Regierung als auch von Studienrat Ernst Nonsens, dem Großhumpendorfer Chronisten, als Verleumdung gebrandmarkt.

In dem als «Großhumpendorfer Schutzvertrag» in die Geschichte eingegangenen Abkommen trat Kurfürst Philipp von Sötern die am Mittelrhein vor den Koblenzer Toren gelegene Festung Ehrenbreitstein kampflos an Frankreichs König Ludwig XIII. ab. In einem Zusatzabkommen, die Geschichtsschreibung geht heute davon aus, dass die Unterzeichnung unter dem Stammtisch in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen stattfand, wanderte die, im Bitscherland gelegene Festung Philippsburg ebenfalls, ohne das ein Schuss abgefeuert werden musste ihn französische Obhut. In den folgenden Jahren drangen französische Armeen unter den Generälen Turenne und Condé von ihren neu erworbenen Brückenköpfen aus, bis tief nach Bayern und Böhmen vor. Der habsburgische Kaiser Ferdinand tobte und verfluchte Philipp von Sötern bis auf die Knochen, denn durch den «Großhumpendorfer Schutzvertrag» verlor er seinen absoluten Machtanspruch im Reich und konnte diesen auch nie wieder durchsetzen.

Kardinal Richelieu zeigte sich dankbar. Als erster Minister seines Königs führte Kardinal Richelieu in Frankreich den Schlendrianstag, einen hohen Feiertag ein, an dem in sämtliche Kathedralen vom Ärmelkanal bis ans Mittelmeer auf das Wohl von Schlendrian dem Bläser eine Messe gelesen wurde. «Schlendrian der Bläser» fand seine letzte Ruhestätte unter dem, ihm zu Ehren errichteten Triumphbogen zu Reims, nur einen Steinwurf entfernt von der weltberühmten Kathedrale, der Krönungskirche der französischen Herrscher. Seine Trompete, mit der Schlendrian seinem Mundschenk allzeit Flügel verlieh, ist in der berühmten französischen Militärakademie Saint Cyr, westlich von Versailles in einem Schrein ausgestellt.

Au, den 22. Februar 2007

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