22/1/2007

Vom Ende der Tempelritter an der Saar

Teil II Teil I

Der Schlendrian geht, der Lump kommt

Von Claude Michael Jung

Nach der Verbannung von Tempelritter Schlendrian dem Nixnutz als Folge der Humpenburger Revolution während des dreißigjährigen Krieges vereinsamte die gesamte Region an der oberen Saar. Auf der Humpenburg zogen Fledermäuse ein und Spinnweben überzogen den gesamten Rittersaal. Unten im Humpendorf versank fast alles Leben in einem Dornröschenschlaf. Von einem demographischen Wandel und von Vergreisung war die Rede. Ähnlich wie im Vatikan war die Geburtenrate nicht messbar. Am Karfreitag des Jahres 1644 aber erschien der Magd Octavine, einer alten Jungfer, ein brennender Dornbusch aus dem eine raue Männerstimme heraus sprach: «Octavine, nimm Deine Beine in die Hand und renne sofort an die Saar. Dort am alten Angelsteg von Tempelritter Schlendrian dem Mächtigen wirst Du Dein Glück und Deine Erfüllung finden».

Von Glück und Erfüllung hatte die Stimme aus dem Dornbusch gesprochen und sofort kamen in Octavine die längst vergessen geglaubten, lüsternen Gedanken wieder hoch. Wie ein Wirbelwind rannte sie an die Saar, wartete etwa ein schwedischer Reiter dort hinter einer Hecke auf sie? Nein kein schwedischer und auch kein anderer Reiter wartete dort auf Octavine. Was sie aber am alten Angelsteg des mächtigen Tempelritters erblickte ließ ihr Herz höher schlagen. Dort mitten in der lieblichen Saar, dem großen Fluss des Abendlandes trieb ein Binsenkorb aus dem heraus ein fröhlicher Knabe Octavine anlachte. Der Binsenkorb nahm, wohl von Gottes Hand gelenkt Kurs auf den Angelsteg auf dem Octavine wie vom Donner gerührt der kommenden Dinge harrte.

Die so gebenedeite Jungfer Octavine nahm den Binsenkorb samt dem darin liegenden Knaben in ihre Arme und brauste direkt damit zu dem Mönch Berthold, der damals der Hüter der Humpendorfer Christenherde war. Dieser erkannt fachmännisch, das der Knabe im Korb nicht nur in Lumpen gewickelt war, sonder auch ein Lump im späteren Leben werden würde. Er empfahl Octavine den Binsenkorb samt Fracht wieder in die Saar zurückzugeben. Jedoch es war zu spät. Das ganze Dorf hatte schon von der überraschenden Jungfrauengeburt erfahren, das Volk strömte herbei und huldigte dem Knaben. Eggbert sollte der kleine Lump mit Vornamen heißen und auf das wohl des kleinen Eggbert wurde auch kräftig angestoßen.

Der kleine Lump wuchs zu einem prächtigen Wonneproppen heran. Schon im zarten Knabenalter zog es ihn hin zur Humpenkultur, nicht immer zur Freude seiner Erzieher und Lehrer. So musste sich Pater Berthold, als der kleine Lump einmal zu spät und mit einer Fahne zur Christenlehre erschien und er ihn mit den Worten tadelte: «Wer am Abend säuft kann am nächsten Morgen auch aufstehen», die schlagfertige Antwort: «Und wer am Abend vögelt kann am nächsten Morgen noch lange nicht fliegen!» gefallen lassen. Das große Geheimnis von Pater Berthold war gelüftet, er musste das Humpendorf mit Schimpf und Schande verlassen.

Nun war die Zeit gekommen, aus Eggbert dem Lumpenknaben sollte ein Mann werden. Er sollte den Priesterberuf erlernen, denn von Gebeten, Weihrauch und Sündenvergebung konnte man damals wie heute gut leben, Eggbert jedoch wollte ein Mann werden und kein Priester. So packte er sein Ränzel und zog in die Ferne Stadt Kalaumes zur Universität. Der Elan des jungen Lump begeisterte seine Professoren, sie brachten ihm all ihr Wissen bei. Schon nach wenigen Jahren war Eggbert Lump Magister der Blasphemie, der geheimen Pornowissenschaften und der feinen Intrige.

Jetzt zog es ihn aber in seine Saarheimat zurück. Dort vervollkommnete er seinen Wissensdurst und nicht nur den. Er baute die erste kommunale Karnickelzucht an der oberen Saar auf. Eggbert Lump erklärte das alte Dekret der Tempelritter, wonach nur Adel und Klerus im Dorfbrunnen, neben Ännchens Kneipe ein labendes Bad nehmen durften, für Null und nichtig und machte so den Weg für den Massentourismus schon im 17. Jahrhundert frei. Lump sorgte dafür, das sich die Kunde von einer Erscheinung der Jungfrau Maria auf der Humpenburg wie ein Lauffeuer über Europa verbreitete. Und obwohl ein alter Widersacher in einer Schmähschrift kundtat, nach ihrer Erscheinung sei die Jungfrau gar keine solche mehr gewesen strömten die Massen in das Dorf der großen Humpen an die obere Saar.

Wenige Wochen nach der Marienerscheinung rief Eggbert Lump sich zum Bürgermeister der Aufsteigergemeinde an der oberen Saar auf Lebenszeit aus. Par ordere du Mufti erlaubte er großzügig den Alkoholausschank an allen Tagen die mit einem "g" enden. Zwischen Eggbert Lump und dem heutigen Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump liegen Jahrhunderte, aber seit ein Lump hier Bürgermeister ist, ging es stets steil aufwärts. Aus Humpendorf wurde Großhumpendorf, die Gemeinde in der Politik und Satire eine enge Symbiose eingegangen sind und die in den großen Reiseführern der Welt als das Avallon der Saar bezeichnet wird.

Au, den 22. Januar 2007

GroßhumpendorfGeschichtenwww.saarlandbilder.net