14/3/2007

Auch im Rotlichtmilleu müssen Energiesparbirnen eingesetzt werden

Zumindest an der oberen Saar

Von Claude Michael Jung

Seit Jahren gibt es in Großhumpendorf an der oberen Saar einen immer wiederkehrenden Streit um die Errichtung eines volkseigenen Bordells am Baggersee der roten Senkrechtstarterkommune. Selbst der regierende Feudalherrscher, Bürgermeister Edgar Lump wusste bisher keinen Rat, das geplante Projekt der Freude Realität werden zu lassen. Es war nicht nur seine Ehefrau Elfriede, genannt La Rabiata, sonder auch die Großhumpendorfer Frauengewerkschaft (GFG) an deren Spitze die Rote Zora, die frivole Nichte von Gemeindeamtmann Franz Klamm, wie ein leuchtend roter Fels in der Brandung steht und die sich immer wieder machtvoll gegen das geplante Freudenhaus gestellt hat.

Dort, wo ein Wille ist, findet sich auch stets ein Gebüsch und dort wo ein Lump Bürgermeister ist, finden sich für alle Probleme auch eine Lösung. Bei der 127 Ortsbesichtigung am Großhumpendorfer Baggersee gelang es Bürgermeister Lump die warme und wunderschöne Frühlingssonne auf seine Seite zu ziehen und diese brachte den Hormonhaushalt des gesamten Gemeinderats auf ein nie da gewesenes Niveau. Das Blut rauschte, wie die Wasserfälle des Sambesi, in die seit längerem vernachlässigten Körperteile der männlichen Ratsherren, als Bürgermeister Lump in blumenreicher Sprache laut über die Vorteile eines Gemeindeeigenen Puffs nachdachte und der Ratsbeschluss, den Worten nun auch Taten folgen zu lassen, war nur noch reine Formsache. Das christliche Lager im Gemeinderat, vertreten durch Pastor Friedensreich Selighauer, enthielt sich der Stimme, um keinerlei Ärger mit dem Bischof zu riskieren, wie gewöhnlich gut unterrichtete Kreise munkeln.

In Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen tagte danach der hohe Rat um Nägel mit Köpfen, genauer gesagt mit goldenen Köpfen für die Großhumpendorfer Gemeindekasse zu machen. Eine europaweite Ausschreibung wie es die EU für den Dienstleistungssektor verlangt kommt für Bürgermeister Edgar Lump nicht in die Tüte. «Die Eurokraten schreiben uns sonst noch die Richtlinien für die Stellungen bei der käuflichen Liebe vor und Subventionen gibt es diesem Fall auch keine», so Bürgermeister Lump. Einig ist sich der gesamte Gemeinderat auch darüber, dass keine der großen Puffketten den Zuschlag erhalten soll. Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens machte an Hand einiger, selbst erlebter Beispiele den Mitgliedern des Gemeinderats eindringlich klar, das Bordellbetreiber wie die global operierende Sexkette «Meck Fick» oder «Kentucky schreit ficken» keinerlei höhere Sexkultur, wie es sich für eine Gemeinde wie Großhumpendorf gehört, zu vermitteln wissen.

Mit dem Vorschlag Bürgermeister Lumps, seine alte Freundin aus Studientagen, Beatrice Décolleté mit der Leitung des «maison des anges» (dt. Haus der Engel) zu betrauen, brachte Bürgermeister Lump nicht nur die Großhumpendorfer Frauengewerkschaft GFG, sowie deren kämpferische Vorsitzende Zora Klamm hinter sich, sondern auch Pastor Selighauer, der sich besonders über den Namen «maison des anges» freute. Pastor Selighauer will zur Einweihung des Engelshauses sogar ein gewaltiges Hochamt in der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria in Anwesenheit der gesamten Engelschar zelebrieren. Die Rote Zora verlangte allerdings von Bürgermeister Lump, dass das «maison des anges» aus Klimaschutzgründen seine gesamte Rotlichtanlage ausschließlich mit Energiesparbirnen betreibt und sämtliche Engelchen Mitglieder der Großhumpendorfer Frauengewerkschaft werden.

Als letzte Hürde stellte sich La Rabiata, Bürgermeister Lumps liebende Gattin Elfriede dem Projekt der horizontalen Freude noch in den Weg. La Rabiata verlangte von ihrem Edgar, auf den Posten als Puffdirektor zu verzichten. Ansonsten, so gab sie öffentlich bekannt, könne der liebe Edgar seine täglichen Malzeiten im «maison des anges» einnehmen und auch dort seine Wäsche waschen. Zum Erfolg verdammt, willigte Bürgermeister Edgar Lump letztendlich in die gemeine Erpressung seiner Gattin ein. Der Kompromissvorschlag von Studienrat Ernst Nonsens fand sodann allgemeine Zustimmung. Er sieht vor als Direktorium für das «maison des anges» eine Doppelspitze einzurichten. Gemeinsam mit Beatrice Décolleté, einer erfahrenen Puffmutter aus der Lichterstadt Paris soll die Rote Zora als gleichberechtigte Direktorin fungieren. Zora Klamm gelobte sogleich keine Nutten aus Osteuropa nach Großhumpendorf zu importieren und Sorge dafür zu tragen, dass die Damen des horizontalen Dienstleistungssektors in Großhumpendorf tariflich entlohnt würden. «Urlaubs und Weihnachtsgeld, sowie ein 13tes und 14tes Monatsgehalt sind selbstverständlich», so die Rote Zora.

Baubeginn für den «VEB goldige Englein» wird bereits Anfang kommender Woche sein. Gemeinsam mit den Gebrüdern Knauber und seinem Ingenieur Hennes Knoddler will der Großhumpendorfer Heimwerkermeister Emil Bossler den, im romantischen Stiel geplanten Palast der Freude in diesem Sommer noch schlüsselfertig an die Gemeinde Großhumpendorf übergeben.

Au, den 28. März 2007

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