vorab erschienen im link Saarecho 30/9/2006

Das Erbe der Tempelritter im Saarland (II)

Europas Manna überschüttet Großhumpendorf

Edgar Lump hält Rede vor dem Straßburger Europaparlament / "In Großhumpendorf weiss man genau, wie man Milch veredelt und Käse daraus macht"

Von Claude Michael Jung

Der wohl beste Kunde am Euter der europäischen Kuh (EK) ist die pfiffige Saargemeinde Großhumpendorf. Deren Bürgermeister Edgar Lump ist zweifelsfrei europäischer Melkmeister und immer prompt zur Stelle, wenn es darum geht, den Rahm von den Milchtrögen Europas abzuschöpfen. Zur Eröffnung der Ausstellung "Europas Tröge im Wandel der Zeit" reiste in den vergangenen Tagen auch eine starke Abordnung des Großhumpendorfer Gemeinderates mit Bürgermeister Edgar Lump an der Spitze nach Straßburg, um den dort versammelten Parlamentariern ihre Aufwartung zu machen. Der Großhumpendorfer Pastor Friedensreich Selighauer musste seine Teilnahme leider kurzfristig absagen. Laut ärztlichem Bulletin hatte ihn "Montezumas Rache" ereilt und er war gezwungen, sein Thrönchen im Pfarrhaus zu hüten.

Als oberster Repräsentant des EU Parlaments, empfing Präsident Josep Borrell Fontelles (SPE, ES), flankiert von allen seinen 14 Vizepräsidentinnen die Großhumpendorfer Delegation auf dem roten Teppich vor dem großen Hauptportal des Parlaments. Zum Absingen der Humpenhymne waren auch alle 732 Abgeordnete des größten multinationalen Parlaments der Welt vollständig angetreten. Besonders laut und innbrünstig sangen die 99 deutschen Abgeordneten die beliebte und weltweit bekannte Humpenhymne. Danach führte die deutsche Vizepräsidentin des hohen Hauses, Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann (KVEL/NGL: Konföderale Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken / Nordische Grüne Linke) die Großhumpendorfer Besuchergruppe durch die sehenswerte Ausstellung im Innenhof des Parlamentsgebäudes. Zu sehen und zu bestaunen waren hunderte Tröge, Töpfe, Bottiche, Karaffen und andere Behältnisse, in denen der Geldsegen der EU verwahrt wird. Auch mehrere Hunderte Werkzeuge zum Verteilen der üppigen Mittel waren als Exponate zum Anfassen in Reih und Glied vor den Augen der Besucher zu sehen. "Diese Gießkannen Europas haben es unserem verehrten Bürgermeister Lump besonders angetan", versicherte der Großhumpendorfer Chronist, Studienrat Ernst Nonsens, der Vizepräsidentin des EU Parlaments und wies darauf hin, dass Großhumpendorf auf Grund seiner geographischen Lage und seiner Einzigartigkeit im Herzen Europas besonders oft und intensiv aus den Gießkannen Europas begossen werden muss. Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann versprach sich dafür einzusetzen, das im kommenden Jahr das Europaparlament eine Sitzungswoche lang in Großhumpendorf tagen werde und sich vor Ort von der Strahlkraft der Humpenkultur inspirieren lasse werde.

Unter der Leitung seines Dirigenten, des Großhumpendorfer Arztes, Schauspielers und Bergsteigers Dr. Hubert Engerling spielte dann das Orchester des Musikvereins "Volles Rohr Großhumpendorf" die Europahymne zur Enthüllung des großen bronzenen Reiterstandbildes von Tempelritter Schlendrian dem Mächtigen mitten im Plenarsaal der Straßburger Europaniederlassung. Die Laudatio auf das monumentale Reiterstandbild, hielt der schottische Europaabgeordnete Sir Geoffrey, Earl of Schlendrian, der sich als direkter Nachfahre der einstmals an der Saar lebenden Tempel- und Gralsritter aus dem Schlendriansgeschlecht betrachtet. Sir Geoffrey, der 77 Earl of Schlendrian, bezeichnete Tempelritter Schlendrian den Mächtigen als einen der ersten Europäer, der es wie kein Anderer verstanden hat, den Humpen grenzüberschreitend zur Völkerverständigung einzusetzen. "Ein Humpen kennt keinerlei Sprachbarrieren, er verbindet Völker und Rassen in seinem Geist und lässt in der internationalen Humpenkultur zusammen wachsen, was zusammen gehört" betonte der 77.Earl of Schlendrian in seiner beeindruckenden Rede.

Nach der verdienten Mittagspause - die Großhumpendorfer Delegation musste auf die mitgebrachten Vorräte zurückgreifen, da die Küche im Straßburger EU-Parlament für die verwöhnten Gaumen der Großhumpendorfer Gourmets erheblich zu wünschen übrig läßt - richtete Bürgermeister Edgar Lump das Wort an die Parlamentarier. Vor vollem Haus, es fehlte nur ein dapsiger Pfälzer von der SPD, kritisierte Edgar Lump das Nomadentum des Parlaments zwischen Brüssel und Straßburg. Die jährlich hier verjubelten 200 Millionen Euro seien in Großhumpendorf besser angelegt, sagte Lump unter dem Beifall aller Fraktionen. "Die Europäer sind längst sesshaft geworden, nur ihre Parlamentarier vagabundieren wie einst die katholischen Könige Spaniens und ihr Gefolge während der Reconquista von Stadt zu Stadt. Großhumpendorf ist bereit, dem Parlament Europas als einzige Heimstatt zu dienen", so Bürgermeister Lump und fügte nach einem Tusch des Orchesters des Musikvereins "Volles Rohr Großhumpendorf" an: "Es gibt keinen besseren Ort, an dem die Füllhörner Europas sicherer aufgehoben sind als im Schutz der Humpenburg. Hier wird die Milch nicht sauer, denn nur in Großhumpendorf weiss man genau, wie man Milch veredelt und daraus Käse macht".

An Parlamentspräsident Josep Borrell Fontelles und seine 14 Vizepräsidentinnen gewandt beklagte Bürgermeister Lump die krottenschlechte Beschilderung innerhalb des Parlamentsgebäudes. "Es ist von vorgestern, wenn nur in französischer und englischer Sprache die Wegweiser zu den Fraktionsräumen und anderen Einrichtungen hier im hohen Hause Europas beschildert sind. "Ich fordere sie , meine Damen und Herren Abgeordneten auf, künftig Sorge dafür zu tragen das auch ein Besucher aus Griechenland, Estland, dem Saarland und dem Baskenland der Weg zum europäischen Lokus in seiner eigenen Heimatsprache gewiesen wird. Auch die Sprachen der kleineren Nationen Europas sind gleichberechtigt, und der Gang zum Lokus ein internationales Bedürfnis erster Ordnung", reklamierte Edgar Lump, dessen Rede immer wieder vom Tusch des Musikvereins "Volles Rohr Großhumpendorf" und dem Beifall der Vertreter Europas unterbrochen wurde. Auch die saarländischen Volksvertreter in der europäischen Hütte bekamen von Bürgermeister Lump ihr Fett weg. An sie gerichtet sagte Lump: "Lassen Sie sich ruhig mal öfter in Wahlkreisen blicken und berichten Sie Ihren Wählerinnen und Wähler was sie hier so treiben. Es genügt nicht nur alle fünf Jahre einmal Kugelschreiber und bunte Luftballons verteilen zu lassen und danach wieder in Brüssel und Straßburg auf Tauchstation zu gehen.

Eine parlamentarische La-Ola-Welle folgte dem Postulat Edgar Lumps, die Sterne der Europaflagge durch goldene Humpen zu ersetzen, mit denen sich die Völker eines größer werdenden Europas eher identifizieren könnten als durch die Sterne, die ihnen ihre Abgeordneten in Wahlkämpfen immer wieder vom Himmel holen wollten und ihren Wahlversprecher dann doch nicht nachkommen. "Lieber den Humpen in der Hand, als die Sterne auf dem Fahnenmast." Mit diesen Worten beendete Bürgermeister Edgar Lump seine Rede vor dem in Straßburg versammelten Europaparlament.

Eine Lokalzeitung berichtete, dass während der Rede Edgar Lumps kein einziger Abgeordneter eingeschlafen sei, was völlig im Gegensatz zu der ansonsten üblichen Parlamentspraxis stehe. Parlamentspräsident Josep Borrell Fontelles und seine Vizepräsidentin Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann versicherten Edgar Lump und seiner Delegation, das Europas Gießkannen auch weiterhin Großhumpendorf mit dem Manna Europas großzügig benetzten werden. Beide gaben ihr großes Ehrenwort darauf.

Au, den 30 September 2006

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