20/1/2007

Die geheimen Tagebücher der Eva Braun wieder aufgefunden

Das Liebesleben des Führers, jetzt kein Buch mit sieben Siegeln mehr

Von Claude Michael Jung

Dani Levys Hitler-Satire «Mein Führer» mit dem Komiker Helge Schneider in der Titelrolle hat in Deutschland, wie sollte es auch anders sein, einen heftigen Disput über die Frage, ob man über Hitler lachen darf ausgelöst. Dem Film selbst hat dies nicht geschadet. Auf Anhieb schaffte er es an die Spitze der deutschen Kinocharts. Während ganz Deutschland in dieser Frage immer noch tief zerstritten ist, herrscht im Saarland längst Klarheit in dieser Angelegenheit. An der Saar und ihren Nebenflüssen darf über den größten Feldherrn aller Zeiten (GRÖFAZ) gelacht werden.

Wenn der schnauzbärtige Österreicher den Saarländern auch sonst nichts Gutes beschert hat, so verdanken sie ihm doch die Pfälzer Witze, die sich bis heute gehalten, ja sogar vermehrt haben. Nachdem das Saarland 1935 «Heim ins Reich» gekehrt war und die braunen Bonzen festgestellt hatten, das sie an der Saar über keinerlei Infrastruktur verfügten, ja die Neufundländer oder Saarfranzosen eher als politisch unzuverlässig einstuften, wurden die Verwaltungsposten von linientreuen Pfälzern besetzt. Das Saarland erlebte eine Pfälzer Invasion und der Pfälzer-Witz war als Kulturgut geboren.

Das ausgerechnet das Saarland noch einmal in der GRÖFAZ-Forschung Geschichte schreibt, ist dem Großhumpendorfer Chronisten, Studienrat Ernst Nonsens zu verdanken. Wie Ernst Nonsens auf Anfrage des «Hiobsboten», dem Zentralorgan der saarländischen Landesregierung mitteilt, ist er im Besitz der bisher als verschollen geglaubten geheimen Tagebücher der Eva Braun. Laut Nonsens muss die deutsche Geschichte erneut umgeschrieben werden, denn jetzt werden die intimsten Geheimnisse gelüftet, die Welt wird erfahren, wie es unter Adolfs Sofa wirklich ausgesehen hat. Studienrat Ernst Nonsens muss lediglich noch die Millionenangebote der Medien abwarten, bis er die größten Geheimnisse des Führers preisgibt.

Fest steht jedoch, das die Intimbeichte der Geliebten des Führers Fragen wie, «War dem Führer wirklich keiner gewachsen?» oder auf welche Fummel der Führer wirklich gestanden hat, oder ob überhaupt etwas gestanden hat, beantwortet werden. Beantwortet wird auch die Frage, ob Eva Braun in Wirklichkeit eine Widerstandskämpferin war und dem Führer in den Grießpudding gespuckt hat.

Unterdessen haben FBI, das Bundeskriminalamt und Scotland Yard die geheimen Tagebücher der Eva Braun vollständig gelesen und ihre Echtheit zertifiziert. Etwas irritiert war man bei Scotland Yard über das Bekenntnis von Eva Braun, dass der Führer sich stundenlang an erbeuteten französischen Wäschekatalogen ergötzt hat, diese sogar bei Lagebesprechungen mit seinen Feldmarschällen heimlich studiert hat. «Nach dem Endsieg will Adolf diese himmliche Wäsche aus Paris besorgen, für mich, oder ob er sie selbst tragen will hat er nicht verraten», ist auf Seite 476 im dritten Band zu lesen und wirft die Frage erneut auf, ob der Führer vielleicht sogar ein Transvestit war.

Widerstand gegen die Veröffentlichung der Tagebücher hat bereits der Bundesverband der Berufsempörer (BVBE) angekündigt. Vertreter der Dauerempörten forderten die Tagebücher der Eva Braun für immer unter Verschluss zu halten, oder zu verbrennen. Alt und Neonazis wollen gar wissen, das Eva Braun eine Spionin der Sowjets war und die Tagebücher von Studienrat Ernst Nonsens gefälscht wurden, nur um ihren unerschütterlichen Glauben an den Führer zu unterminieren. Weiter wurde bekannt, das mehrere TV Anstalten das Geschichtswerk als TV-Soap ihrem Publikum in 128 Folgen näher bringen wollen. Auch Gerüchte wonach Eva Braun gar nicht im Führerbunker ums Leben gekommen ist, sondern sich nach Westen abgesetzt hat und mit einem amerikanischen Major nach Kalifornien ausgewandert ist, wollen nicht verstummen. Fest steht jedenfalls, dass es Studienrat Ernst Nonsens gelungen ist die Nation nach allen Regeln der Kunst und diesmal für längere Zeit zu spalten.

Au, den 20. Januar 2007

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