26/1/2007

Feierliche Eröffnung der Großhumpendorfer Kasematten

«Herr Lump sie sind ein Kulturpapst»

Von Claude Michael Jung

Als Ergebnis einer, als weltweit spektakulär geltenden Ausgrabung, werden ab dem 30. Januar 2007 erstmals die alten Wehranlagen der Humpenburg, dem Wahrzeichen der oberen Saar, die über Jahrhunderte unter der Erde verborgen lagen, für Besucher aus aller Welt zugänglich gemacht. Die unterirdische Wehranlagen der saarländischen Tempelritterfestung aus dem frühen Mittelalter und der Renaissance, gelten heute als Vorläufer für den Westwall und die Maginotlinie, sind aber im Gegensatz zu diesen niemals überwunden worden.

Großhumpendorf erlebte zur Eröffnung der Kasematten der Humpenburg einen bisher nicht gekannten Auftrieb an Saar-Prominenz. Der Gemeindechronist, Studienrat Ernst Nonsens sprach sogar von einer Überschwemmung und einem Prommi-Tsunami, den die liebliche Saargemeinde zu verkraften hatte. Landesvater Peter Müller (CDU) erschien blendend gekleidet in einer original Rüstung, wie sie die einstmals hier lebenden Ritter des großen Schlendriansgeschlechtes zu feierlichen Anlässen trugen. Auch das Gefolge des Ministerpräsidenten erschien mittelalterlich gekleidet. Während Kultusminister Schreier einen Hofnarren mimte, gab Saar Wirtschaftsminister Dr. Hanspeter Georgi einen Bänkelsänger zum Besten. Lediglich Oskar Lafontaine hielt sich nicht an die Anzugsordnung. Oskar war seiner Zeit wieder einmal weit voraus und betrat, gemeinsam mit seiner Gattin Christa Müller, als Napoleon Bonaparte und Kaiserin Josephine die Kasematten der Humpenburg.

Als skandalös bezeichnete der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump das Erscheinen einiger Sozialdemokraten zur Eröffnungszeremonie der unterirdischen Festungsanlage. Obwohl sie vom Großhumpendorfer Gemeinderat als unerwünschte Personen keine Einladung zu dem Großereignis erhalten hatten, mischten sich der Vorsitzende der Saar-Sozis Heiko Maas und sogar Hermann Atzel, Bürgermeister, der seit Jahrhunderten mit Großhumpendorf verfeindeten Nachbargemeinde Schlemmerbach, unter das erlauchte Publikum. Dem Fass den Boden ausgehauen hat jedoch das Erscheinen des Stadtverbandspräsidenten Michael Burkert. Bevor es jedoch zu einem größeren Eklat kommen konnte, wurde das Trio Infernale von Trollo, dem etwas zu groß geratenen Mischlingshund des Großhumpendorfer Pastors Friedensreich Selighauer, auf bewährt unauffällige Weise entfernt. Derzeit sucht die Saar SPD immer noch vergeblich nach ihren Matadoren, die es gewagt hatten Großhumpendorfer Boden zu betreten und zu schänden.

Der schwarze Tempelritter Peter Müller sprach, mit offenem Helmvisier und erhobenem Schwert in der Hand, die Humpenburg sei ein "Leuchtturm" für die saarländische Tourismuslandschaft. Der Saarpeter erwähnte Großhumpndorf in einem Atemzug mit dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte, der Villa Perl Borg und dem Europäischen Kulturpark Bliesbrück-Reinheim. An Bürgermeister Edgar Lump gewandt sagte Ministerpräsident Müller: «In den 25 Jahren ihres Wirkens hat sich Großhumpendorf zu einer Kulturmetropole gemausert. Wahrlich ich sage ihnen, Herr Lump sie sind ein Kulturpapst wie die Welt vor ihnen noch keinen gekannt und erlebt hat».

Die hochmoderne digitale Multimedia-Inszenierung der Kulturgeschichte des Mittelalters und der Renaisance ist nicht nur für die obere Saar ein Highlight. Von 2002 bis 2007 haben Land und EU die Ausgrabungen der Großhumpendorfer Kasematten mit über 2,4 Mio. Euro gefördert", sagte Bürgermeister Edgar Lump und geht davon aus, dass die Großhumpendorfer Festungsanlage den Massentourismus an die obere Saar weiter nachhaltig beleben wird. Lump fuhr fort: «Mit der Humpenburg werde der gesamte Kulturtourismus in der Region gestärkt, der von der Kelten- und Römerzeit bis hin zum 21. Jahrhundert reicht».

Auch Oskar Lafontaine fehlte es nicht an den passenden Worten. «Die jetzt freigelegte Südwestbastion der einstigen Tempelritterfestung mit ihren Kasematten und das, sich an die Bastion anschließende Wehrsystem, waren schon im frühen Mittelalter Garant gegen das Vordringen wildgewordener sozialdemokratischer Horden», sagte Oskar de la Sarre und empfahl besonders die alten Verliese wieder für neuzeitliche Sozis herzurichten.

Ein ganz besonderer Glanz trat in die Augen Lafontaines, als er in Begleitung Edgar Lumps den Roten Turm der Humpenburg erstmals betrat. Hier schmachtete im Mittelalter neben dem unliebsamen Adel auch der Klerus, der es gewagt hatte Kritik an den Orgien der hier lebenden Templer zu äußern. Adel und Klerus waren hier vom Rhein bis an die Meuse (dt. Maas) in Ketten vereint. Und der Name Maas findet sich auch heute wieder an einer der schweren Verliestüren aus Großhumpendorfer Eichenholz. «Hier an den Kerkertüren des Roten Turms finden sich aber auch die Namen derjenigen Sozis, die hier noch einziehen werden», betonte Bürgermeister Lump und öffnete einige Verliestüren, in denen demnächst unter anderem Altkanzler Schröder und sein Münte gemeinsam einziehen sollen. Auch für den Namensgeber der Hartz-Gesetze war hier ein Plätzchen reserviert. Dieser wird den vorbereiteten Kerker, Dank eines Urteils, das im Namen des Volkes gesprochen wurde, allerdings kaum beziehen.

Informativ gestaltete sich der weitere Rundgang durch tausend Jahre Geschichte der oberen Saar. Vorbei an einer original mittelalterlichen Schießkammer aus dem 14. Jahrhundert gelangen die Besucher über einen Steg in den Burggraben und schauen hoch auf die gewaltige Südwestbastion der mittelalterlichen Trutzburg mit ihren Schießscharten. Tempelritter Schlendrian der Gebenedeite, ließ diese mächtigen Festungswerke zwischen 1363 und 1369 anlegen. Die Burgmauer erhebt sich von der Sohle des Grabens auf eine Höhe von 21 Metern. Der zum Teil aus dem Felsen herausgehauene Wehrgraben erreicht stellenweise eine Breite von über 18 Metern. Über den Graben kann man, ausgerüstet mit Schwarzlichtfackeln, die zweigeschossigen Kasematten betreten, ihre Gänge und Kammern erkunden.

Zahlreich sind die unterirdischen Zeugnisse einer späteren Umnutzung der ursprünglichen Bauten. So wurden im Burggraben Reste eines Ballhauses aus dem 16. Jahrhundert freigelegt, in dem die Grals und Humpenritter ihren Freizeitbeschäftigungen nachgingen. Besondere Aufmerksamkeit dürfte bei den künftigen Besuchern der, mit unmoralischen Wandgemälden geschmückte «Salle de Plaisier» erregen. Parteiübergreifend entfuhr den offiziellen Besucherdelegationen der kurze Satz: «O leck mich am Ar..» beim Anblick der erregenden Unmoral.

Besonders Harmonisch gestaltete sich nach der feierlichen Eröffnung der Großhumpendorfer Kasematten, der anschließende Ritterabend in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen. Landesvater Peter Müller und seine Ministerriege (alle CDU) tranken gleich mehrmals Bruder und Schwesternschaft mit dem Hause Lafontaine. Bürgermeister Edgar Lump konnte sich dieser Zeremonie durch das Vortäuschen einer Blasenschwäche allerdings geschickt entziehen. Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens vermerkt in seinen Aufzeichnungen: «Dank dem Großhumpendorfer Starkbier werden sich die neuen Brüder und Schwestern morgen zum Glück an nichts mehr erinnern können».

Au, den 26 Januar 2007

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