9/2/2007

Seifenblase vom Airport Saarbrücken geplatzt

Neue Begräbnisstätte für Subventionen im Saarland bereits in Planung

Von Claude Michael Jung

Die alljährliche Großoffensive «Saarland picobello» geht am 9. und 10. März mal wieder saarlandweit über die Bühne. Unter dem Kommando der glorreichen Landesregierung findet in Wald und Flur die groß angelegte Putz- und Aufräumaktion, an der sich wie stets Städte und Gemeinden, die Schulen und Kindergärten, aber auch Unternehmen, Vereine und einzelne Bürgerinnen und Bürger beteiligen können, statt. Bei dem landesweiten Frühjahrsputz werden die Bachläufe und Straßengräben vom Unrat befreit und der Wald wird für die Rehlein, Hasen, Füchse und Karnickel wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt.

Dringend notwendig hätte allerdings auch die Landesregierung einen Frühjahrsputz. Hier hängen immer noch die alten Schnarschsäcke überall herum und warten auf ihre Entsorgung. Picobello ist bei dieser Landesregierung gar nichts. Jahrelang hat Wirtschaftsminister Hanspeter Schlendrian, pardon Georgi muss es ja richtigerweise heißen, im Dämmerzustand abgewartet bis sein Rheinland Pfälzischer Amtskollege Hendrik Hering den, in Winkweite zum Saarbrücker Flughafen gelegenen Airport Zweibrücken mit erheblichen Subventionsmittel aus dem Steuersäckel, aufgerüstet hat und den Zweibrücker Flughafen nun in direkter Konkurrenz zum Saarland-Airport betreiben kann.

Nichts hat im äußersten Südwestzipfel der Republik so sehr gefehlt, als zwei miteinander konkurrierende Flughäfen bei denen sich die Piloten und Fluggäste bei den Starts und Landungen gegenseitig zuwinken können. Zählt man noch die, ebenfalls in der Region gelegenen Flughäfen Hahn im Hunsrück und Luxembourg hinzu, so kann der «fliegende Südwestzipfler», was die Flughafendichte anbelangt, zufrieden sein. Die Region kann sich mit New York, Los Angeles und Paris durchaus messen.

Nun soll der Airport Saarbrücken-Ensheim nach dem Willen der CDU-Landesregierung ebenfalls kräftig aufgerüstet werden. Daher hat die Landesregierung mal eben ganz fix die Mittel im aktuellen Haushaltsansatz für den Saar-Flughafen von rund 3 000 000 EURO auf 8 000 000 EURO erhöht. Die Landesregierung werde auch das Planfeststellungsverfahren für eine Verlängerung der Landebahn vorantreiben, trompetete es aus dem Wirtschaftsministerium. Man gönnt sich ja auch sonst nichts im Schuldenturm Saarland und Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Irgendwie müssen die Steuermillionen auch ein gebührendes Grab finden, denn wenn der Steinkohlebergbau bald nicht mehr als typisches Beispiel für Subvebtionswahnsinn herhalten kann, so heißt das noch lange nicht, das nicht ein neuer Wahnsinn her muss, um den allgemeinen Sparzwang im sozialen Bereich mit seinen Schließ, Streich und Kürzungsorgien zu begründen.

Der knuffige, ehemalige Saarbrücker Sportflugplatz mit seiner zu kurz geraten Start und Landebahn, oft schon als Schönwetter-Airport verspottet, braucht um existieren zu können allerdings mehr als nur einen längere Startbahn. Die Versäumnisse der saarländischen Landesregierung sind nicht wieder wett zu machen, auch dann nicht, wenn Saar- Wirtschaftsminister Dr. Hanspeter Georgi trotzig wie ein Schuljunge verkündet: «Der Flughafen Saarbrücken stellt sich dieser Herausforderung.» und sofort danach jammerte: "Das Saarland stand immer für den Kooperationsgedanken - aber mit einem Gewinn für beide Seiten und fairen Partnern." Mir diesen Worten stellt Minister Georgi unter Beweis, das er die einfachste Grundregel des real existierenden Kapitalismus noch nicht einmal begriffen hat. Fair ist hier ein Fremdwort. Fressen oder gefressen werden, nur diese Regel lässt das System zu. Jeder BWL Student im ersten Semester hätte das dem Wirtschaftsminister mit IHK Erfahrung vermitteln können. Jetzt darf er sich nicht wundern, wenn er an den tollen Tagen als Schnarschsack mit dem Schlendriansorden am Hosenband ausgezeichnet wird.

Au, den 9. Februar 2007

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