31/7/2006

Friedensverhandlungen mit Schlemmerbacher Feinden?

Bürgermeister Lump tobt

Von Claude Michael Jung

Klammheimlich und hinter dem Rücken von Bürgermeister Edgar Lump hat der Großhumpendorfer Pastor Friedensreich Selighauer mit seinem protestantischen Amtskollegen Eugen Bechermann aus Schlemmerbach, Verhandlungen aufgenommen, an deren Ende ein dauerhaftes friedliches miteinander beider Gemeinden stehen soll. Schon seit Jahrhunderten sind die Schafe und Böcke beider Gemeinden miteinander verfeindet und dies soll jetzt ein Ende haben, wie beide Gemeindehirten während einer gemeinsamen Fahrradtour rund um die obere Saar beschlossen haben.

Hintergrund der kirchlichen Friedensinitiative ist das «Hesse Gutachten» wonach im Saarland einige Landkreise verschwinden sollen und Gemeindegrenzen begradigt werden müssen. Dabei soll die Gemeinde Schlemmerbach und einige andere unbedeutende menschliche Ansiedlungen Großhumpendorf zugeschlagen werden. Pastor Selighauer befürchtet in seiner Gemeinde einen Volksaufstand und das sich der Jahrhunderte lange kalte Krieg beider Kommunen in einen heißen verwandeln könnte. Dagegen sieht der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump nur eine Lösung, er verlangt die bedingungslose Kapitulation von Schlemmerbach und einen Canossagang ihres Bürgermeisters Hermann Atzel (SPD) auf die Humpenburg. Im Friedensplan Edgar Lumps, der «Pax Lump» ist weiterhin vorgesehen, das Hermann Atzel in langen Unterhosen zu erscheinen hat und Edgar Lump als regierenden Bürgermeister der neuen Großkommune anerkennen muss. Danach hat der Sozi Hermann Atzel, Edgar Lump auf die Stelle seines Körpers zu küssen, die der Lump ihm zuweist.

Auf die Auslieferung der Schlemmerbacher Gemeindekasse will Bürgermeister Lump verzichten. Der Großhumpendorfer Chronist, Studienrat Ernst Nonsens zitiert Edgar Lump mit den Worten: «Ich weis wie ein Loch aussieht, Hallenbad, Mehrzweckhalle und das neue Rathaus, alles Geldfresser. Das wird platt gemacht, wir haben den Dorfteich und den Baggersee zum baden, wenn den Halunken das nicht passt, sollen sie bleiben, wir brauchen die Pleitegeier nicht.» Von der saarländischen Landesregierung verlangt Edgar Lump vor der Einverleibung der neuen Gebiete deren totale Entschuldung, sowie die Übernahme sämtlicher Kosten, die durch die Beschaffung der neuen Ortsschilder und der Neuvermessung der Gemeindegrenzen entstehen. Auch muss, nach Lumps Meinung, das Saarland einen Solidarzuschlag zum Aufbau der Großhumpendorfer Infrastruktur zahlen. Schließlich muss eine neue Busverbindung her, die die neuen Territorien mit Großhumpendorf verbindet. Auf Anordnung Edgar Lumps und in Begleitung des Gemeindekämmerers Pfennigfuchser wurde die Großhumpendorfer Gemeindekasse vorsorglich ins benachbarte Großherzogtum Luxemburg verbracht. Ebenso werden die Transportkosten für die Evakuierungsaktion, schließlich mussten mehrere LKW für den Bargeldtransfer gechartert werden, dem saarländischen Finanzminister Peter Jacoby in Rechnung gestellt.

Geschäftiges Rumoren ist aus dem Großhumpendorfer Heimatmuseum zu hören. Hier hat der Bewahrer der Dorftradition Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss eine Mauer herausbrechen lassen, um die 8,8 cm Flak, die die Wehrmacht 1944 auf dem Rückzug hier vergessen hat, ins Freie zu bringen. Morgen früh wird das Geschütz von Bauer Güllerich an den Mähdrescher gekoppelt und auf eine Anhöhe vor die Nachbargemeinde geschleppt. Zur Abschreckung der Schlemmerbacher, wie Oberstleutnant von Bockschuss kurz und knapp meint. Der Männergesangverein Teutonia 1903 Großhumpendorf übt schon mal «Stillgestanden» vor der Kanone und singt aus voller Brust die Humpenhymne.... Heute Abend findet auf dem Rätschplatz eine große Parade, die Zeugnis von der militärischen Überlegenheit der Großhumpendorfer ablegen soll, statt. Die von Pastor Friedensreich Selighauer angemeldete Friedenskundgebung wurde von Bürgermeister Edgar Lump verboten, spöttisch meinte er zu Studienrat Ernst Nonsens: «Es kommt sowieso keiner zu dem Humbug»

Lautes Rumoren ist gleichfalls von der Humpenburg zu vernehmen. Fräulein Zickig, die streng zölibatär lebende Lehrerin der Dorfschule hat mit schlotternden Knien dem Gemeinderat am Stammtisch von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen gemeldet, das der ehemalige Herr der Burg, Tempelritter «Schlendrian der Mächtige» auferstanden sei und nach seinem Knappen und seinem Schwert gebrüllt hat. «Schlemmerbach ich komme» hat er gebrüllt und Flüche in Richtung der Feinde gesandt. Nach einem Gutachten der karnevalswissenschaftlichen Fakultät der saarländischen Sommerlochakademie ist in den nächsten 1000 Jahren eine friedliche Zusammenführung beider Saargemeinden unmöglich. Nicht mal die bedingungslose Kapitulation der Schlemmerbacher sei für die Großhumpendorfer akzeptabel, es sei denn die Großhumpendorfer würden die Schulden der Schlemmerbacher übernehmen und wären dann ebenso Pleite wie alle anderen Saargemeinden.

Au, den 31. Juli 2006

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