6/8/2006

Gold der Saar für «El Cid»

«Freundchen bezähme Deinen Vorwitz»

El Cid

Von Claude Michael Jung

Es war im Jahr 1095, die «Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel», der Templerorden war noch nicht einmal gegründet, aber der Ruhm der Schlendriane auf der saarländischen Humpenburg war bereits in alle Welt gedrungen. Selbst noch auf dem Jakobsweg (span. Camino de Santiago) wie der Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela genannt wird, erzählte man sich vom sagenhaften Reichtum der Saar-Schlendriane. In den Königsstädten Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und León begann man die Humpenkultur der edlen Ritterschaft von der Humpenburg nachzuahmen. Selbst noch am Grab des heiligen Santiago sprachen die Pilger über nichts anderes, als über die im Keller der Humpenburg eingelagerten Goldschätze. «Großkotz von Mainz», ein niedriger Adeliger, Aufschneider und Lügenbold, ebenfalls auf dem Weg nach Santiago de Compostella, prahlte in einer Taverne auf dem Marktplatz von Burgos damit, das die Humpenburger Ritter lediglich die Straße kehren müssten und dort säckeweise Goldstaub zusammenfegen konnten.

Vom Goldrausch der Saarritter erfuhr damals auch ein gewisser Ruy Diaz de Vivar, ein mehr oder wenig edler Zeitgenosse, der sich gerade mit seinem König Alfons VI. in Fissematenten befand und von diesem keinerlei Kredit mehr erwarten durfte. Ruy Diaz de Vivar, der in Spanien als El Cid (der Herr) bekannt war, plante gerade einen Feldzug, zu seiner und Gottes Ehren, gegen die Mauren. Ohne Moos war jedoch auch damals nichts los, denn ein Heer zusammen zu stellen kostete schon einige Piaster und die hatte El Cid alle längst bei Wein, Weib und Gesang durchgebracht. Nach einem Becher besonders schweren Rotweins vernahm er Stimmen, die ihm befahlen. «O edler Rodrigo, ziehe zur Burg Humpen an die Saar. Dort kennt man dich noch nicht und wenn du deine Töchter mitnimmst bekommst du den ersehnten Kredit um Spanien von den Mauren und Sarazenen zu befreien».

Es war im August 1095, auf der Humpenburg feierte man gerade Mariä Himmelfahrt, als Ruy Diaz de Vivar mit großem Gefolge vor der Zugbrücke stand und Einlass in einer dringenden Angelegenheit forderte. Er solle in drei Tagen noch mal wiederkommen, richtete der Zeremonienmeister der Schlendriansritter dem Cid aus. Hungrig und durstig, aber immerhin geduldig wartete der Bittsteller aus dem Süden bis die schwere Zugbrücke heruntergelassen wurde und er dem großen Schlendrian vorgeführt wurde. Schlendrian wusste sofort, das er angepumpt werden sollte und stelle seine Ohren auf Durchzug. Jedoch der Cid ließ nicht locker und mahnte das christliche Gewissen des Burgherrn an, denn schließlich mussten die Mauren um Christi willen vertrieben werden. Schlendrian jedoch hatte, wenn es um seinen Vorteil ging zwei Gewissen, so auch ein maurisches. Mit den Mauren aus dem Süden Spaniens verbanden die Humpenburger Ritter schon über Jahrzehnte hinweg enge Wirtschaftsbeziehungen. Eine Handelsstraße verband die maurischen Königreiche Granada und Cordoba damals direkt mit der Humpenburg und alljährlich lieferten die Söhne Allahs die besten Weine, Früchte, Olivenöl, ja sogar Schinken und Kunstwerke aus Andalusien an die Ritterschaft der Humpenburg. Eine große Gewissensnot brach bei Schlendrian aus, denn in dieser Angelegenheit kamen seine beiden Gewissen zu keinem Kompromiss. Schlendrian der Fuchs brauchte Zeit und bat sich eine Woche Aufschub für die Bearbeitung der gewünschten Kriegsanleihe. Bis zum Tag der Entscheidung schickte der den Cid, samt Gefolge an die Saar zum planschen, im Stillen hoffte er jedoch, dass der Cid im großen Strom der Saarländer ersaufen würde.

Getreu seinem Leitmotiv: «Und wenn du nicht mehr weiter weist, dann gründe einen Arbeitskreis», handelte der erhabene Schlendrian. Im großen Rittersaal der Humpenburg wurde beraten, die Köpfe rauchten und die Mundschenke schenkten bis zur völligen Erschöpfung nach, so lange bis die Erleuchtung über die Ritterschaft kam. Man bot schließlich dem Cid großzügig zwei Schatztruhen, prall gefüllt mit Gold für seinen Feldzug an. Allerdings musste der Cid seine beiden Töchter zur Sicherung der Kriegsanleihe in die Obhut der Schlendriane geben und eine weitere Auflage war es, dass El Cid die beiden Schatztruhen nicht eher öffnen durfte bevor er die Pyrenäen wieder überschritten hatte, sonst würde sich das Saargold auf der Stelle in Sand verwandeln. Freudig erregt, der Körper des Cid hatte gerade jede Menge Glückshormone freigesetzt, willigte Ruy Diaz de Vivar in den Handel ein.

Tags darauf wurden die beiden schweren Schatztruhen verladen und der Cid trat die Rückreise an. Bei Saargemünd überquerte er die Saar und von Stunde zu Stunde wuchs seine Neugier. Nur einmal wollte er das Saargold sehen und bis nach Spanien war es noch weit, sehr weit sogar, an seiner Neugierde gemessen. In einem Wäldchen, nahe der ostfranzösischen Stadt Chateau Salin, am Ufer des Flüsschens Seille übermannte den Cid die Neugier und obwohl auf den Schatztruhen der dringliche Warnhinweis: «Freundchen bezähme Deinen Vorwitz» deutlich zu lesen war, griff der Cid eigenhändig zum Hammer und zerstörte die schweren Schlösser der beiden Schatztruhen. Die beiden eisenbeschlagenen Deckel knarrten als der Cid sie in die Höhe hob und das Blut wich augenblicklich aus dem Körper des großen Helden. Er schwankte und währe beinahe in den kleinen Fluss Seille gefallen. Er hatte die Warnung Schlendrians missachtet, seinen Vorwitz nicht beherrscht und das Saargold hatte sich in fein gesiebten Sand verwandelt. Der Cid war bis auf die Knochen blamiert, seine Töchter befanden sich auf der Humpenburg und ganz Spanien, sogar die Mauren lachten über den großen Helden unter dessen Augen sich das Saargold in Sand verwandelt hatte. Bis zu seinem Ende konnte er die Schmach nicht verwinden. Der Cid wurde in seiner kastilianischen Heimat in dem Kloster San Pedro de Cardeña bei Burgos bestattet; heute befindet sich das Grabmal in der gotischen Kathedrale von Burgos. Sein Schwert Tizona, ein Geschenk aus Ritter Schlendrians Arsenal ist noch heute im Armeemuseum in Madrid neben den Schatztruhen mit dem saarländischen Feingold zu besichtigen.

Au, den 6. August 2006

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