23/1/2007

«Großhumpendorf - Hier lohnt es sich zu leben»

"Wenn man in einem Paradies wie Großhumpendorf lebt, will man nie wieder weg"

Von Claude Michael Jung

Sieht man einmal von einigen unschönen Erscheinungen, wie der zur Zeit amtierenden Landesregierung ab, so muss man dem Saarland jedoch eines bescheinigen. «Hier lohnt es sich zu leben». Als flächenmäßig kleinstes Bundesland ist es überschaubar, hier kennt man sich und um zu erfahren wer gerade mal wieder Dreck am Stecken hat, braucht man an der Saar und ihren Nebenflüssen noch nicht einmal eine Zeitung. Diese moderne Art der rasenden Nachrichtenverbreitung nennt der Saarländer «rätsche», was im Rest der ansonsten traurigen Republik der trauten Einfalt etwa «tratchen» bedeutet.

Gerade aber wegen der Tatsache, dass das Saarland an seiner Fläche gemessen das kleinste Bundesland ist, salbadern seine ruchlosen Gegner und meuchelmörderischen Feinde stets und ständig davon, das die große Berliner Republik auch gerne auf seine Existenz verzichten könnte. Fläche in Quadratmetern gemessen hat aber rein gar nichts mit Größe zu tun. Saarländerinnen und Saarländer besitzen die wahre Größe, die innere Größe, ihr Charme ist mit nichts zu vergleichen, ihr Esprit ist sagenhaft, ja bombationös. Als Albrecht Dürer im Jahre 1520 auf seiner Reise in die Niederlande im saarländischen Großhumpendorf rastete, schrieb er ins goldene Buch der romantischen Saargemeinde den Satz. «Wenn man in einem Paradies wie in Großhumpendorf weilt, will man nie wieder weg». Giacomo Girolamo Casanova, der im Jahre 1766 in Großhumpendorf zur Kur weilte, war von den hier lebenden Frauen derart hin und her gerissen, das ihm der Ausspruch: "Ei gugg e mol do hin", entfuhr. Geflügelte Worte, die noch heute jeder Hebamme entfahren, wenn sie mal wieder einem Wonneproppen ans Licht der wunderschönen Saar verholfen hat.

Wer als Tourist das Saarland bereist, oder einfach nur auf der Durchreise ist, um sein sauer verdientes Schwarzgeld im benachbarte Großherzogtum Luxembourg zu besuchen, sollte keinesfalls versäumen einen Abstecher in die Gemeinde Großhumpendorf zu machen. Großhumpendorf, das ist die saarländische Gemeinde mit Herz und Schmackes. Hier leben und lieben Menschen wie Du und ich, Menschen die das Herz auf dem rechten Fleck tragen, eben leibhaftige Saarländer und Gourmets, die ihre Heimat zuweilen sogar gegen die eigene Landesregierung mit Mistgabeln, Besen und scharfer Zunge verteidigen. Das Avalon der Saar ist längst nicht so nebulös wie sein Pendant auf der britischen Insel. Großhumpendorf ist so real wie die alten Tempelritter die hier einst lebten und Geschichte schrieben. Großhumpendorf ist so real wie sein Bürgermeister Edgar Lump, der heute der rechtmäßige Nachfolger der «Tollen Ritter vom großen Humpen» ist, einem im Mittelalter gegründeten eigenständigen saarländischen Gralsritterorden.

Über die Jahrhunderte hinweg wurde saarländische Geschichte von anderen geschrieben. Römer, Preußen, Bayern und Franzosen haben sich angemaßt ein Bild von den Saarländern zu zeichnen, herausgekommen ist dabei stets ein Zerrbild. Großhumpendorf ist heute das geistige Zentrum im Herzen Europas. Deswegen ist es an der Zeit, das Saarländer nun ihre Geschichtsschreibung selbst in die Hand nehmen. Und da Großhumpendorf als einzige Saargemeinde mit Studienrat Ernst Nonsens einen hauptamtlichen Dorfchronisten hat, kann man in seinem «Großhumpendorfer Geschichtsbuch» wie in keinem anderen Standardwerk über das Saarland all das nachlesen, was der große Unterschied zwischen einem Homo Saarlandis und einem Homo Bundesrepublikanis ist.

Studienrat Ernst Nonsens hält in einer Dorfchronik all die kleinen Dinge fest, die ansonsten von niemanden wahrgenommen würden. Bereits kurz nach Sonnenaufgang weis jede Frau, jedes Kind und jeder Mann im Ort, dass der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump schon zum dritten mal in dieser Woche die gesamte Straßenbreite gebraucht hat, um nach zig Humpen seiner geliebten Krawallbrause, endlich den Weg in seine Bettfedern zu finden. Von Studienrat Ernst Nonsens erfährt die Welt, das der Großhumpendorfer Pastor Friedensreich Selighauer an der Theke in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen den Pfälzer Häuptling Kurt Beck wegen dessen zurechtgeschmierter Sturmfrisur unlängst einen "Pomadenhengst" genannt hat und als Oskar Lafontaine in einer Rede seine Gegner einmal «Hawebraddler» nannte, musste er zugeben, dass das wunderbare Wort nirgendwo so oft zu hören ist, wie im Verlauf der Großhumpendorfer Gemeinderatssitzungen, die er als Gaststar häufig besuchen darf.

Eng der saarländischen Tradition verpflichtet ist man auch an der Großhumpendorfer Grundschule. Schon im ersten Schuljahr hat Hassan, der kleine Bengel aus Bosnien hier gelernt, das seine Lehrerin eine «Hupfdohle» und eine «Xanthippe» in einer Person ist und er weis auch, das Bürgermeister Lump neue Pferde kaufen will, um den berittenen Amtmann, den «Amtsschimmel», wie der Gemeindediener hier im Sprachjargon genannt wird, noch flotter zu machen. Als auf der Konferenz der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in Prag der Planet Pluto einfach wegrationalisiert wurde, hat Pastor Selighauer diesen dreisten Eingriff in die Angelegenheiten des Himmels als üble Ketzerei in seiner Sonntagspredigt bezeichnet und seine Gemeinde aufgefordert den Pluto als Planeten der Großhumpendorfer, ebenso innig wie die Venus zu verehren. In der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria rief er seine Schafe und Böcke sogar dazu auf, ihren erstgeborenen «Panns» in Zukunft auf den Namen Pluto taufen zu lassen.

All dies und noch viel mehr ist nur aus dem «Großhumpendorfer Geschichtsbuch» von Studienrat Ernst Nonsens zu erfahren. Die handsignierte Ausgabe mit einer persönlichen Widmung des Autors ist exklusiv am Tresen der Wahrheit in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen, während der Dienststunden von Ernst Nonsens zwischen Früh und Dämmerschoppen erhältlich.

Au, den 23. januar 2007

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