30/7/2006

«No Blood for Grummbeersupp»

Schlendrian sendet Grußbotschaft und Einladung zur Kirmes an Sultan Saladin

Von Claude Michael Jung

Die Nachricht von der Eroberung Palästinas durch Sultan Saladin löste in Europa extreme Bestürzung aus. Papst Urban war so bestürzt, das ihn der Schlag traf und mit Gregor VIII ein neuer Pontifex maximus an seine Stelle treten musste. Als auch Gregor nach nur zwei Monaten im Pontifikat an einer Depesche aus dem heiligen Land verstarb, übernahm sein Nachfolger Clemens III. das schwere Amt und rief zum dritten Kreuzzug auf.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa, machte sich im Mai 1189 mit dem vermutlich größten Kontingent, das jemals ein einzelner Fürst zu einem Kreuzzug beisteuerte, von Regensburg aus auf die Socken, um Saladin zum Christentum zu bekehren. Englands König Richard I. folgte etwas später, denn er wollte noch einige geruhsame Tage bei Ritter Schlendrian auf der Humpenburg im Saarland verbringen. Fast hätte Richard Löwenherz den Kreuzzug ganz verpasst, denn das tägliche leeren der Humpen und die langen Verdauungsschläfchen nach den köstlichen Bratwürsten und Wildschweinkeulen ließen Englands König den päpstlichen Aufruf zur Eroberung Jerusalems fast vergessen. Später als er im Verlies auf dem Trifels in der Pfalz schmachtete, hat er oft an die schönen Tage bei seinem Freund Schlendrian auf der Humpenburg gedacht und es zutiefst bereut, nicht gleich dort geblieben zu sein.

Als Richard Löwenherz die Humpenburg schweren Herzens verließ, begleitete Ritter Schlendrian seinen Freund noch einige Kilometer, musste sich dann aber verabschieden, wegen der bevorstehenden Grummbeerernte. Für Nichtsaarländer sei erwähnt, die Grummbeer ist längst vor dem Import ihrer hässlichen Stiefschwester aus Südamerika, der Kartoffel, an der Saar heimisch gewesen. Selbst an einem der Kreuzzüge teilnehmen konnte Schlendrian nie, da er die Schätze der Tempelritter bewachen musste und überhaupt die lange, beschwerliche Reise, so ganz ohne Humpen und deren köstlichem Inhalt, das war nichts für einen Schlendrian.

Ritter Schlendrian gab Richard Löwenherz noch eine Grußbotschaft an Sultan Saladin mit auf den Weg in der er den erhabenen Herrscher des Orients zur nächsten Kirmes und zu einem großen Teller Grummbeersupp (Kartoffelsuppe) mit Quetschekuche (Zwetschgenkuchen) auf die Humpenburg einlud. Der Großhumpendorfer Dorfchronist Studienrat Ernst Nonsens verwahrt noch heute das Antwortschreiben Sultan Saladins in der Schublade seines Nachttischs. Dort steht in Schönschrift geschrieben: «O edler Schlendrian, Du Gebieter über die Saar, den Nil des Abendlandes. Nichts nehme ich so gerne an, wie Deine Einladung zu einem Teller Grummbeersupp mit Quetschekuche. Von Deiner Kirmes kursieren sagenhafte Geschichten selbst noch an Euphrat und Tigris. Für die Dauer der großen Kirmes soll Friede herrschen zwischen dem Morgen und dem Abendland. «No Blood for Grummbeersupp» soll das Leitmotiv lauten, welches unsere edlen Mägen miteinander verbinden wird. 70 Jungfrauen will ich Dir als Gastgeschenk machen, die dir eine Wonne sein werden. Gestern wurde mir von Osama Bin Gugge, meinem Kundschafter berichtet, das Euer Kaiser, der mit dem rotem Bart, im Fluss Salef in Kleinasien auf dem Weg zu mir ertrunken ist. Nun ist er in Essig konserviert, anstatt sich mit mir zum ritterlichen Zweikampf zu treffen. Grüß mir Deine holde Trulla, Bis bald, Dein Kumpel Saladin».

Die Jahre vergingen und wieder einmal knurrte Sultan Saladin der mächtige Magen. Er erinnerte sich an die Einladung Ritter Schlendrians und befahl den Aufbruch ins Land der Grummbeersupp. Schwer, mit den versprochenen 70 Schätzchen des Orients beladen, zog Saladins Karawane auf die Humpenburg im gelobten Saarland. Hin und her gerissen war der edle Schlendrian von den Gastgeschenken, nicht so sehr von den Jungfrauen, davon hatte er die Nase gestrichen voll, seit er Trulla einen Drachen zum Weib genommen hatte. Es war der angenehme Duft eines fremden Gewürzes der die Schleimhäute der edlen Ritternase zum vibrieren brachte. Liebstöckel sei der Name der Pflanze und der daraus gewonnen Extrakt nenne man im Orient Maggi, belehrte Saladin seinen saarländischen Freund.

So kam es, dass zur großen Kirmes auf der Humpenburg zum ersten mal in der Menschheitsgeschichte Grummbeersupp mit Maggi in die verwöhnten Mägen der illustreren Kirmesgesellschaft wanderte. Es war wie immer eine rauschende Kirmes. Sogar die Streitrösser der Helden fraßen und soffen zusammen aus einem Trog und mit Maggi wurde fortan alles was an der Saar auf den Tisch kam gewürzt. Trulla, der Hausdrache Schlendrians sah in Maggi aber nicht nur ein köstliches Gewürz, sondern erkannte darin auch ein betörendes Parfüm, dem die Männerwelt nicht widerstehen konnte. Fortan hüllte sie sich in ganze Wolken des einzigartigen, orientalischen «Eau de Maggi».

Auf Befehl Ritter Schlendrians wurde die Kirmes um ganze drei Wochen verlängert. Sultan Saladin durfte die Humpenburg ausgiebig besichtigen und kam aus dem staunen nicht mehr heraus. Das Burgverlies, worin eigentlich die Nachbarn und andere Spitzbuben der Umgebung des edlen Saarritters schmachten sollten, diente einem ganz anderen Zweck. Dort unten, im tiefen Gewölbe lagerten kühl, in großen Eichenfässern die Biervorräte der Schlendriane. Sultan Saladin nahm eine Kostprobe nach der anderen und bereits mit einem etwas schwankendem Gang, aber immer noch bei klarem Verstand und ohne das es Allah bemerkt hatte, gestand der Herrscher des Orients ein: «Ein Humpen schäumender Gerstensaft ist jedem Becher Kamelmilch vorzuziehen».

Drei Wochen Kirmes auf der Humpenburg, das waren drei unvergessliche Wochen. Zwischendurch gingen die edlen Herren, um mal auszuspannen an die Saar zum angeln. Leider gelang es Saladin nicht, den 24 Meter langen «Berti», den größten jemals in der Saar lebenden Schwertfisch, von dem Ritter Schlendrian so eindrucksvoll zu erzählen wusste, an den Haken zu locken. Trotzdem badete er die Würmer, die der Herr der Humpenburg ihm reichte mit wachsender Begeisterung. Die Abende wurden im großen Rittersaal verbracht und nach Sonnenuntergang versammelt man sich im Burghof. Dort lies Sultan Saladin zum Tagesausklang eine Fata Morgana nach der anderen aus dem Nichts aufsteigen. Schlendrian bewunderte die Sky-Line von Bagdad und Jerusalem, das Altstadtfest von Kairo, die Pyramiden und konnte sich nicht satt sehen an den gewonnenen Schlachten die Saladin geführt hatte. Später, als Trulla, der schuppige Drachen Schlendrians schon zu Bett gegangen war, wurde das Fata Morgana-Programm etwas erotischer. Bauchtänzerinnen erschienen und die Königin von Saba tanzte nackt vor König Salomon. Sogar der Liebesakt zwischen Cäsar und Kleopatra kam zur Aufführung, obwohl nicht alles was zu sehen war, auch für Jugendliche Knappen geeignet war.

An den reich gedeckten täglichen Tafelrunden sprach man schon im Mittelalter zumeist über Frauen. Es waren keine unanständigen Gespräche, das verbot schon im Mittelalter die Nettiquette. Sultan Saladin beschrieb in blumenreicher Sprache die Schönheiten des Orients und Ritter Schlendrian schwärmte von tollen Saarfrauen in einer Sprache, die dem großen Saladin bis dahin unbekannt, jedoch leicht verständlich war. Schlendrian malte die Superkurven und Rundungen der graziösen und verführerischen Saarfrauen mit seinen Händen so eindrucksvoll in die Luft, dass die Tafelrunde von einem «O Lala» ins Andere taumelte.

Als für Sultan Saladin und sein Gefolge der Abschied nahte, die Delegation konnte wegen dringender Angelegenheiten nicht bis zu den Bockbiertagen auf der Humpenburg bleiben, wurden die Pferde schwer mit den Schätzen der Saar beladen. Ob Rittersmann oder Knappe, jeder aus dem Tross Saladins erhielt als Souvenir an die Kirmeswochen auf der Humpenburg einen Sack Grummbeere der Sorte «Elvira», die sich besonders für Grummbeersalat eignet. So wurde der Orient von den Schlendrianen von der Saar dauerhaft mit geprägt, dauerhafter als dass dies die Kreuzzüge jemals vermochten.

Au, den 30. Juli 2006

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