21/10/2006

Die Legende vom Heiligen Strohsack

"Heiliger Strohsack das war emol gudd"

Von Claude Michael Jung

Keine einzige Kirche, nicht einmal eine klitzekleine Kapelle wurde ihm geweiht. Die katholische Kirche nimmt ihn nicht einmal wahr, den Heiligen Strohsack, denn er ist nicht den Tod eines Märtyrers gestorben und es existieren auch keinerlei Reliquien von ihm. Trotzdem hat der Heilige Strohsack zu seinen Lebzeiten eine ganze Reihe wundersamer Dinge vollbracht. Geboren, oder richtiger gesagt, gestopft wurde der Heilige Strohsack auf der Nordseeinsel Helgoland von der als frivol geltenden wunderschönen Magd Chunegundis, die das ganze Glück des Fischers Malte war. Heilig gesprochen wurde er in einer spontanen Aktion von Papst Fiete II., der als Gegenpapst im 13 Jahrhundert von Helgoland aus eine große Christenherde weidete. Immer dann, wenn Papst Fiete II auf dem Heiligen Strohsack ruhte, befielen ihn die wundersamsten erotischen Träume und er sah Dinge der Fleischeslust, die im damaligen Helgoland völlig unbekannt waren. Dem Heiligen Strohsack als päpstlichem Traumspender ist es zu verdanken, dass Papst Fiete II. das Zölibat auf Helgoland und drum herum aufhob und das sechste Gebot weitgehend reformierte. Gleichgeschlechtlicher und Gruppensex mussten von nun an nicht mehr lange und breit gebeichtet werden. Selbst onanieren beim Fischfang und zu anderen Anlässen war ersatzlos aus dem Sündenkatalog gestrichen.

Nach dem Tod von Papst Fiete II. erbte ein Kaufmann aus Lübeck den Heiligen Strohsack ohne jemals zu erfahren welche Wunder in ihm steckten. Der Handelsherr furtzte pausenlos in ihn hinein und der Heilige Strohsack lag die meiste Zeit ohnmächtig herum, er fürchtete sogar nie wieder jemanden einen erotischen Traum spendieren zu können. Als der Kaufmann mal wieder laut furtzend über die Nordsee schipperte tauchte am Horizont Kapitän John Ellis, ein englischer Freibeuter auf und nahm sich des Heiligen Strohsacks an. An Bord der "golden Dog", wie das Piratenschiff hieß, bescherte der Heilige Strohsack dem Lümmel seines neuen Herrn und Meisters eine Erektion nach der anderen. Kapitän John Ellis beschloss der Männerwirtschaft auf der "golden Dog" ein Ende zu bereiten und von nun an nur noch mit den tollsten Weibern zusammen auf große Kaperfahrt zu gehen. Es hat sich allerdings schnell herausgestellt, das allzu viele tolle Schnuckelchen an Bord eines Piratenschiffes dem Schiffsfrieden nicht dienlich sind. Als Kapitän John Ellis mehrmals nicht die gewohnte Reihenfolge, in der er die Damen seiner Träume auf den Strohsack zu legen pflegte, einhielt, kam es zur Meuterei auf der "golden Dog". Kapitän Ellis wurde von seinen süßen Früchtchen über Bord geworfen und der Heilige Strohsack flog sogleich hinterher. Kapitän Ellis ertrank bei dem Manöver, der Heilige Strohsack jedoch wurde von den Wellen des atlantischen Ozeans sanft an die grüne Küste Frankreichs getrieben, wo er von dem Bauern Francis Piquet gefunden und zum Trocknen aufgehängt wurde.

Kaum war der Heilige Strohsack wieder trocken, legte Francis Piquet seine Mägde auf ihn und der heilige Sack bescherte ihm nicht nur das gesamte Glück der damals bekannten Welt, sondern obendrein noch die beste Idee seines Lebens. Er verkaufte seinen Hof, seine Kühe Esel und Pferde und schaffte sich noch etliche weitere Mägde an. Gemeinsam mit seiner Frau Jaqueline und den Mägden zog er in die Champagne und erbaute dort, an der großen Straße nach Paris das "Maison rouge", ein extraordinaires Bordell, welches heute zum Leidwesen vieler männlicher Alleinreisender leider nicht mehr existiert. "Heiliger Strohsack, hat die einen Hintern" entfuhr es einem vorbeiziehenden Reitersmann, als er von seinem Pferd aus über die große Hecke des Puffs in der Champagne blickte und die knuffigen Stoßdämpfer von Rosemarie, Julie, Antoinette, Madelaine und all der anderen Schönheiten ins Visier nehmen konnte. "Heiliger Strohsack" ertönte es Tag für Tag und der Heilige Strohsack wurde schon bald in ganz Europa zum Inbegriff für den Aha und Oho-Effekt. Im "Maison rouge" diente der Heilige Strohsack fast zwei Jahrzehnte als bequeme Unterlage für die drei französischen Stände, den Adel, den Klerus und das Bürgertum, die das Gros der Bordellgäste bildeten. Dann aber hatte er ausgedient und sollte eigentlich im Kamin des Freudenhauses in Rauch aufgehen. Madame Jaqueline, die Puffmutter aber warf den Sack der Gefühle einfach auf die Straße, wo er zu vergammeln drohte.

Es war ein vorbeiziehender Saarländer namens Emil, ein Murkser, wie man im Mittelalter, manchmal noch heute Handwerker wie den Emil bezeichnet, der Mitleid mit dem weggeworfenen alten Sack hatte und ihn an die Saar mitnahm. Er machte sich noch manche frohe Stunde auf ihm und so etliche Male entfuhr es ihm nach einem vollbrachten Orgasmus: "Heiliger Strohsack das war emol gudd". Da Emil der Handwerker aber nicht immer seine Zeche in der Spelunke, in der er zur Abendstunde meist seine sauer verdienten Groschen verlötete, zahlen konnte wanderte der Heilige Strohsack als Pfand in die Hände des Wirtes. In der Sylvesternacht des Jahres 1284 kam es zur großen Katastrophe. Eine, von einem leichtsinnigen Gast vergessene und nicht ausgeblasene Kerze brachte dem Heiligen Strohsack den unrühmlichen Abgang von dieser Welt. Zusammen mit der gesamten Spelunke ging er lichterloh in Flammen auf. Seine Asche trieb die Saar hinab und kein Grab erinnert an ihn. Trotzdem ist er unvergessen im Saarland. Erst gestern Abend konnte der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump vor einem bekannten Saarbrücker Etablissement der Freude von einem Spaziergänger, beim Anblick der leicht bekleideten Damen hören. "Heiliger Strohsack, hann die do emol Holz vor da Dier".

Au, den 11. Oktober 2006

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