3/3/2007

«Nix wie Huddel unn Zores»

Schlemmerbachs Schicksal besiegelt


so soll es einmal aussehen: Amphiteater in Schlemmerbach (im Hintergrund die Kuckuckshöhe)

Von Claude Michael Jung

Schon seit Monaten kann der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump keine Nacht mehr durchschlafen. Es ist nicht das sägende Geräusch, das seine geliebte Ehefrau «La Rabiata» alle Nächte von sich gibt, sondern das Hesse Gutachten das Edgar Lump den wohlverdienten Schlaf raubt. Laut Hesse Gutachten sollen im Saarland einige Landkreise begradigt werden und Großhumpendorf die unbedeutenden Nachbargemeinden Bad Bücklingen, Schwindelwald und vor allem die Gemeinde Schlemmerbach, mit der Großhumpendorf schon seit der Antike verfeindet ist, quasi als Abfallprodukt der Flurbereinigung zugeschlagen werden.

Mit den Neufundländern, wie die «New Territories» im offiziellen Großhumpendorfer Sprachgebrauch genannt werden, ist man sich im Großen und Ganzen bereits handelseinig. So haben Bad Bücklingen und Schwindelwald die Kapitulationsbedingungen bereits akzeptiert und Edgar Lump als alleinigen regierenden Bürgermeister «for ever» offiziell anerkannt. Huddel unn Zores aber gibt es wie immer mit den hoch verschuldeten Schlemmerbacher Erbfeinden. Eine Übernahme deren Schulden kommt für Großhumpendorf nicht in Frage, selbst dann nicht, wenn der Schlemmerbacher Bürgermeister Hermann Atzel, ein verschrobener Sozi, auf Knien herbei gerutscht käme und um Aufnahme in die Großhumpendorfer Gemeinschaft flehen würde. Auch einer Zusage der saarländischen Landesregierung, Schlemmerbach vor einer Übernahme zu entschulden traut, wohl zu recht, niemand in Großhumpendorf.

Nun scheint sich jedoch eine akzeptable Lösung aus Großhumpendorfer Sicht anzubahnen und die ist Trollo, dem etwas zu groß geratenen Mischlingshund des Großhumpendorfer Pastors Friedensreich Selighauer zu verdanken. Der gute Trollo hat bei der Verfolgung eines Schlemmerbacher Joggers auf der Demarkationslinie beider Gemeinden, hinter einer Brombeerhecke den Eingang zu einer Höhle entdeckt und dabei das Großhumpendorfer Suchkommando, das den feindlichen Jogger festnehmen sollte, auf die Spur unermesslicher Schätze aus der Antike gebracht. Studienrat Ernst Nonsens notierte in seine Großhumpendorfer Chronik: «Ganz Schlemmerbach ist auf den Ruinen des größten Römertheaters nördlich der Alpen erbaut. Der seit Jahrhunderten anhaltende Huddel unn Zores mit den Schlemmerbachern ist beendet. Schlemmerbach wird abgerissen und das römische Theater samt Zitadelle, Bäderanlage und Marktplatz wird restauriert.»

Während Bürgermeister Lump im Rathaus schwer damit beschäftigt ist, Fördergelder der EU, der UNESCO, des Bundes und des Saar-Totos locker zu machen, sowie private Sponsoren aufzutreiben, feiert die Archäologie in Großhumpendorf derzeit eine weitere Blüte. Ein erstes Expertenkommando unter Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss, dem Hüter der Großhumpendorfer Schätze, ist es gelungen, eine sieben Meter hohe Statue der römischen Glücksgöttin Fortuna freizulegen. Oberstleutnant von Bockschuss war es auch der unter Applaus angeregt hat, die alte römische Spielstätte nach der kompletten Restaurierung wieder in Betrieb zu nehmen und zur feierlichen Premiere den Schlemmerbacher Bürgermeister Hermann Atzel (SPD) in der Arena als Gladiator kämpfen zu lassen. Von Bockschuss will sich persönlich als Gegner zur Verfügung stellen und mit dem Schwert von Tempelritter Schlendrian dem Mächtigen in der Hand, Hermann Atzel von der Krankheit der Sozialdemokratie erlösen.

Zur Zeit ist das halbe Saarland unterwegs nach Großhumpendorf. Bergleute treiben einen Stollen voran, der bereits zu ersten Rissen am Schlemmerbacher Rathaus geführt hat. Auch die Schlemmerbacher Dorfkneipe «Zum letzten Hemd» wurde in Mitleidenschaft gezogen. «Dort ist wohl der letzte Schluck hinter die Binde gegossen worden», stellte Bürgermeister Edgar Lump sachkundig fest und bewunderte dabei die unter dem Schlemmerbacher Rathaus ausgebuddelten Götterfiguren. So hat ein Praktikant eine etwa 20 Zentimeter lange Bronzefigur ausgegraben, die Lump auf das erste Jahrhundert nach Christus datiert. Die Figur stellt den bärtigen Serapis dar, ursprünglich ein ägyptischer Gott, aber auch die römische Elite hat ihm nach Lumps Angaben schwer gehuldigt. Auch wurde eine Statue der ägyptischen Göttin Isis unter dem Schlemmerbacher Transformatorenhäuschen zu Tage gefördert und die gesamte Stromversorgung der Gemeinde dabei unbeabsichtigt lahm gelegt.

Zwar liegt noch keine offizielle Abrissgenehmigung für Schlemmerbach vor, doch Studienrat Ernst Nonsens sagte gegenüber dem Lokalfernsehen: «Macht nix wir fangen trotzdem schon mal an». Die Bundesregierung hat unterdessen signalisiert, die Schlemmerbacher Einwohner nach Ostdeutschland umzusiedeln und aus den Überschüssen der Bundesanstalt für Arbeit zu entschädigen. «Damit können wir prima leben», war gestern Abend am Stammtisch von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen zu hören.

Au, den 3. März 2007

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