28/11/2006

Humpenbanner und Halbmond über Granada

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«Macht dem Schlendrian ordentlich Feuer unter den Arsch».

Von Claude Michael Jung

Im Jahr 1203 sandte der erhabene Emir von Granada einen Boten auf die Humpenburg an die obere Saar um Tempelritter Schlendrian zu dem, in der gesamten muslimischen Welt bekannten Safranfest auf die Alhambra nach Granada einzuladen. Schlendrian der Lustmolsch, so genannt weil er stets seine lüsternen Gedanken laut und offen kundtat, nahm die Einladung gerne an, da Emir Machmut el Alaaf in seiner Einladung auch erwähnte, er wolle mit ihm über drängende Religionsfragen sprechen und eventuell eine gesalzene Schmähschrift gegen Papst Innocenz III. verfassen. «Und vergiss nicht das Notizbuch von Jesus mitzubringen» schrieb Emir el Alaaf noch in einem Nachsatz.

Das Notizbuch von Jesus, das zum Schatz der Tempelritter gehörte, der auf Burg Humpen an der Saar aufbewahrt wurde, enthielt unter anderem die Formel, mit der Jesus auf der Hochzeit zu Kanaan Wasser in Wein verwandelt hat und ebenso die geheimnisvolle Beschwörungsformel Mehl in Kokain zu verwandeln. Ferner erhielt das Papyrusbüchlein die gängigsten Flüche und Verwünschungen. Schon seit das Buch Christi im Besitz der Saar-Templer war, leistete es den tapferen Rittern von der Humpenburg allerbeste Dienste. Tempelritter «Schlendrian der Gebenedeite» hatte einst mit seiner Hilfe den Trierer Bischof Hieronymus in einen Ziegenbock verwandelt und seine Eminenz drei Jahre lang auf einer sauren Wiese vor der Humpenburg das Gras abweiden lassen. «Schlendrian der Weise» hatte es gar fertiggebracht, während eines Feldzuges in die Pfalz, das gegen ihn aufgebotene Barbarenheer bei Landau in Wühlmäuse zu verwandeln und so für eine Plage gesorgt, die bis heute dort noch nicht beseitigt werden konnte.

Bereits zu Karneval 1204 waren die Planungen für einen Besuch in Granada auf der Humpenburg beendet und eine kräftige Brieftaube war unterwegs zu Emir Machmut el Alaaf, um diesen den Besuch einer saarländischen Delegation anzukündigen. Ein maurisches Empfangskomitee sollte die Humpenritter am Grab des edlen Helden Roland in Roncesvalles (franz. Roncevaux), genau an der spanischen Grenze erwarten. An Roland' s Grabstätte entstand damals eine gotische Wallfahrtskirche, nach dem Vorbild von «Notre Dame de Paris» der ein Kloster mit Pilgerherberge angeschlossen werden sollte. Da sich hier auch der wichtigste Pyrenäenübergang für die Santiagopilger befand, wollte Ritter Schlendrian in seiner überaus großen Güte anbieten, den Schankbetrieb von einem frommen Ritter der Humpenkultur führen zu lassen. Roland der große Held der Christenheit räusperte sich dreimal in seinem Grab, was von den Erbauern des Pilgerkomplexes als Zustimmung bewertet wurde und als «Wunder von Roncesvalles» in die Geschichte einging. Etwa ab dem Jahr 1209 wehte das Humpenbanner hoch über den Pyrenäen und die Humpenkultur hielt sowohl diesseits als auch jenseits der Pyrenäen glorreichen Einzug.

Tempelritter «Schlendrian der Lustmolsch» wollte jedoch aus der Reise nach Granada keine Pilgerfahrt machen, sonder das ganze Unternehmen als Lustreise mit großem Unterhaltungswert gestalten. Deswegen durfte auch nicht, wie sonst üblich, ein Mönch zur moralischen Erbauung und Erhaltung der guten und frommen Sitten die Ritterschar begleiten. Man reiste auch nicht auf den üblichen Wegen der Jakobspilger zur spanischen Grenze, sondern hielt sich etwas weiter nördlich. Der Weg führte zunächst über Nancy, Trois und Sens, nach Orleans. Es war die damals weltbekannte «Route des Bordelles», die Straße der Bordelle. Der große Philosoph des Mittelalters, Emilianus von Kaltnaggisch, der zum Tross der Saar-Templer gehörte, hatte die Route ausgearbeitet und auch später in seinem vielbeachteten «Lustführer für Fernreisende» ausführlich über den Service und die Annehmlichkeiten in den vier bis fünf Sterne-Freudenhäusern berichtet. Besonders lobend erwähnt Emilianus von Kaltnaggisch die Freudenhäuser der Loire, in Orleans, Blois, Tour und Poitiers, in denen die Humpenritter besonders liebevoll von den Damen beglückt wurden und der zünftige «Ritt auf Mademoiselle» ein besonders exquisites Erlebnis war.

Etwas schlapp erreichten die edlen «Chevaliers de la Sarre» schließlich die spanische Grenze, wo ihnen ein prächtiger Empfang durch die Abgesandten von Emir Machmut el Alaaf bereitet wurde. Der Wesir des Herrschers von Granada «Saddam el Kurbatsch» begrüßte seine «Saarfreunde» per Handschlag und pries ihre Tugenden in einer dreistündigen Rede die er vom Rücken seines Pferdes herunter an die versammelte Menge richtete. Tempelritter Schlendrian dankte ihm wortlos und überreichte dem edlen Saddam einen großen Humpen, randvoll gefüllt mit «Milch der Saar», einem Starkbier für besondere Anlässe. Gerne wurde der Wunsch Tempelritters Schlendrians, die Pyrenäen über den spektakulärsten Passübergang der Pyrenäen, die "Breche de Rolande", die "Rolandsbresche" zu überqueren, erfüllt. Eine prächtige Sänfte, deren bequemer Sitz sogar mit Holzkohle beheizt werden konnte wurde eilends herbei geschafft und Tempelritter Schlendrian hinauf zum großen Gletscher in über 2000 Meter geschafft. Als der Hintern des erhabenen Saarherrschers zu frösteln begann befahl «Saddam el Kurbatsch» seinen Dienern: «Macht dem Schlendrian ordentlich Feuer unter den Arsch». Mit gut angewärmten Hinterteil und ansonsten bei allerbester Laune erreichte Tempelritter Schlendrian staunend den eisigen Gletscher in dünner Luft. Als die beheizte Sänfte abgestellt wurde, damit Ritter Schlendrian das Prachtstück der Saar, seine Blase entleeren konnte, begann der große Gletscher zu schwitzen und zu schmelzen. Deswegen ist heute kaum noch etwas von dem großartigen Gletscher übrig geblieben.

Wenige Tage bevor die saarländisch maurische Truppe den Ebro erreichte, fingen die Reisenden noch einige versprengte Jakobspilger aus Bayern und Schwaben ein. Nach dem prunkvollen Einzug und der Parade in Zarragossa wurde die Jagdbeute an den Sklavenhändler Abd el Kebir verkauft und der daraus resultierende Gewinn in einer fulminanten Orgie verprasst.

Au, den 28. November 2006

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