3/12/2006

Humpenbanner und Halbmond über Granada

Teil II Teil I | | Teil III Teil IV

Erlebnisse auf einem Lokus in Valencia

Von Claude Michael Jung

Tempelritter Schlendrian und seine edle, goldige Schar vergnügten sich, nachdem sie die beschwerliche Pyrenäenüberquerung über die Rolandsbresche in 2000 Metern Höhe tapfer wie echte Saarritter hinter sich gebracht hatten, noch einige Wochen in Zarragossa der großen Stadt am oberen Ebro. Schon seit dem 8. Jahrhundert gehörte die Stadt zum Kalifat von Córdoba und war ein Vorposten im Kampf gegen die sogenannten christlichen Königreiche im Norden Spaniens. Im Jahr 1118 konnte das Königreich Aragón die Stadt von den Muslimen erobern und zur neuen Hauptstadt des Landes erheben. Den Tempelrittern von der Saar und ihren maurischen Freunden bot man großzügig Gastfreundschaft an, was diese auch weidlich ausnutzten. Tempelritter Schlendrian der Lustmolsch genoss das Ansehen der Bewohner Zarragozzas, die dem Bewahrer des heiligen Grals und des Notizbuchs des Heilandes, in Massen huldigten. Gerade als man dabei war Ritter Schlendrian die Schlüssel der Stadt zu übergeben und ihn zum König des oberen Ebro krönen wollte, stand der Wesir des Emirs von Granada, «Saddam el Kurbatsch» auf der Matte und drängte entschlossen zum Aufbruch.

Drei schwer beladene Schiffe standen bereit, die Gäste von Machmut el Alaaf dem Emir von Granada, flussabwärts in die Hafenstadt Tarragona am Mittelmeer zu bringen. In rascher Fahrt ging es gen Süden, denn an den Rudern der kleinen Flotte tobten sich christliche Muskelmänner aus. Allesamt waren sie als Kreuzritter in Gefangenschaft geraten und niemand wollte ein Lösegeld für sie zahlen. So erruderten sie nun Bonusmeilen um sich irgendwann freikaufen zu können. Günstige Winde trugen die kleine Flotte, nachdem das Mittelmeer erreicht war, hurtig bis nach Valencia, der weißen Stadt am blauen Meer. Valencia die Stadt der Mauren hatte bereits im 11. Jahrhundert eine funktionierende Kanalisation und Straßenbeleuchtung. Ritter Schlendrian konnte sich von der Funktion der Kanalisation selbst ein Bild machen. In der Oberstadt warf er eine Flaschenpost in eine der Rohrleitungen und schon wenige Minuten später hatte der Hafenmeister die Grußbotschaft des edlen Saarritters in Händen. Für einen Schlendrian beeindruckend waren auch die Klosettschüsseln, allesamt aus den Marmorbrüchen der Region in Handarbeit hergestellt. Ein Versuch Schlendrians, einen besonders großen Haufen darin abzulegen, den Klosklaven mit dem Abspülvorgang zu beauftragen und dann schnell hinab zur Mündung des Kanalrohrs zu einem letzten Gruß zu eilen, misslang allerdings. Der mächtige Haufen des Schlendrian gewann das Rennen. Zu hören war lediglich noch das dankbare Schmatzen eines dicken Kanalkarpfens am Ende des langen Rohrs.

Zu Beginndes 13. Jahrhunderts war Valencia für seinen einzigartigen Sklavenmarkt berühmt. Hier traf sich der Geldadel der ganzen damals bekannten Welt. Muslimen war es streng verboten die eigenen Glaubensbrüder als Sklaven zu handeln, so standen Christen, Juden und Heiden ganz oben auf der Beliebtheitsskala. So verkauften selbst Kreuzfahrer, wenn sie mal gelegentlich wieder eine christliche Stadt geplündert hatten, ihre Beute an Sklavenhändler aus Valencia. Tempelritter Schlendrian der Lustmolsch wollte sich das bunte Markttreiben keinesfalls entgehen lassen. Ein Besuch des Sklavenmarktes gehörte damals auch zu den obligatorischen Pflichten eines jeden Touristen und Ritter Schlendrian wollte auch nur mal nachsehen, ob nicht eine süße, mandeläugige Schönheit günstig zu erwerben war. Was er aber sehen und erleben musste schlug dem Fass den Boden aus. Dort stand als Sonderangebot und Ladenhüter «Großkotz von Mainz», ein bekannter Aufschneider, Trunken und Lügenbold zum Verkauf. «Großkotz von Mainz» hatte ein Schild um den Hals hängen, das ihn als Rarität der besonderen Art auswies, kaufen wollte die seltene Rarität vom Rhein jedoch niemand.

Es war das christliche Gewissen, die Nächstenliebe und das Mitleid, das den edlen Tempelritter von der oberen Saar bewog, ein wenig Kaufinteresse an der Niete aus Mainz zu zeigen. Rasch wurde man handelseinig und «Großkotz von Mainz» wanderte als Muster ohne Wert in den Besitz von Tempelritter Schlendrian. Als Gratiszugabe gab es noch ein Schwert aus damaszener Edelstahl, nebst einer Karaffe Spitzenwein vom Berg Golgatha, Jahrgang 33, dazu. Hochzufrieden setzten die Muslime aus Granada und ihre Freunde von der oberen Saar ihre Reise weiter in den Süden Andalusiens fort.

Auf der Höhe von Cabo de Gata, dem Katzenkap in der Nähe Almerias verlangte der muslimische, zusammen mit dem christlichen Meeresgott seinen Tribut und trieb das laue Lüftchen, das die Seereise bisher angenehm verlaufen ließ, bis zur Windstärke acht in die Höhe. Tausende munterer Fischlein umkreisten das stolze Schiff und erwarteten eine milde Gabe. In Dreierreihen standen Templer und Muslime Seite an Seite an der Rehling und spendierten den Fischen ihren Mageninhalt. Rot und Weißwein, köstliche Reisgerichte, mit Olivenöl angerichtete Salate, Orangen und andere Südfrüchte verließen im Eiltempo die Mägen der Seereisenden und beglückten die Fische in der Bucht von Almeria. Tempelritter Schlendrian holte das Letzte aus sich heraus und auch «Saddam el Kurbatsch», der Wesir des Emirs «Machmut el Alaaf» war mit grünem Gesicht in bester Spendierlaune. Gerade noch rechtzeitig bevor sich die Gallen der christlich maurischen Reisegesellschaft von ihren Herren lösen konnten und durch den Schlund ins Meer abwanderten, war der schützende Hafen von Almeria erreicht. Tempelritter Schlendrian beruhigte die Mannschaften der Schiffe mit dem Notizbuch von Jesus in der Hand. Hierin stand nicht nur die Formel wie man Wasser in Wein und Mehl in Kokain verwandeln konnte, sonder auch wie man zu Fuß, völlig gefahrlos über das Wasser schreiten konnte. Auch «Großkotz von Mainz» gab seinen Senf dazu. Er behauptete schon des Öfteren, trockenen Fußes das Mittelmeer in voller Rüstung bei Windstärke 12 überquert zu haben. Das aus der Lustreise der Saartempler keine Frustreise wurde, sorgte nicht nur die Sonne Andalusiens. Almeria war für die Mauren der Schlüssel zum Meer und für die Christen wurde die Stadt zum Portal des Schlaraffenlandes.

Au, den 3. Dezember 2006

GroßhumpendorfGeschichtenwww.saarlandbilder.net