5/12/2006

Humpenbanner und Halbmond über Granada

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Granada erlebt größte Massenorgie der Welt

Von Claude Michael Jung

Die goldische Horde nannten die Mauren in Spanien den edlen Tempelritter Schlendrian den Lustmolsch und seine Gefährten, die kurz vor ihrer Ankunft in Almeria noch auf hoher See von einem Sturm kräftig durcheinandergewirbelt worden waren. Almeria, die Stadt in der die Sonne sogar ihre Ferien verbringt, bot den Tempelrittern von der oberen Saar alles was das Herz begehrte. Es waren Tage der inneren und aüßeren Entspannung. Tempelritter Schlendrian suchte Entspannung auf dem Diwan bei der wunderschönen Suleika. Die lehrte ihn die letzten Geheimnisse der arabischen Liebeskunst und Ritter Schlendrian ließ sie in ihrer Wollust gewähren. Nur einmal sagte er: "Das was Du altägyptische Liebespraxis nennst nennen wir an der Saar und drum herum, es auf französich miteinander treiben".

Das Schiksal meinte es wirklich gut mit den Saar-Templern. Lediglich "Großkotz von Mainz" ging es dreckig. Der Hafenmeister in Almeria steckte den Pfälzer noch auf dem Schiff in einen Käfig und ließ ihn nicht an Land gehen. Großkotz stank erbärmlich. Er hatte sich nicht nur während des Sturms die Hosen voll gemacht, sondern sich obendrein auch noch zig mal entgegen die Windrichtung übergeben. Eine ganze Woche lang musste "Großkotz von Mainz" abstinken. Danach wurde er zwei Tage lang in einem Wasserfass geschrubbt, um den pestillenzartigen Gestank zu vertreiben. Um den Pfälzer Stinker wieder loszuwerden setzte Tempelritter Schlendrian ihn sogar als ersten Preis bei einem Kamelrennen aus. Das Rennen wurde darauf hin prommt abgeagt.

In Almeria wusste man schon im Mittelalter wie man echte Saarländer verwöhnt. Die Kunsthandwerker der Stadt fertigten eigens für den Schlendrian eine Luxussänfte mit einer Liegefläsche von vier mal fünf Metern an. Selbst ein moderner Maybach bietet heutzutage keine so großartige Spielwiese für den Sex unterwegs. Liegend und mit seinen Gespielinnen beschäftigt erreichten Schlendrian und seine Begleiter schließlich die Vororte von Granada. Festlich mit Humpenbanner und der Halbmondfahne waren die Straßen geschmückt. Die Muslime schwenkten ihre Turbane. Kamellen wurden geworfen und zahlreiche Unterröcke landeten in der Prunksänfte des edlen Saarritters. Emir Machmut el Alaaf begrüßte den großen Ritter von der Saar mit überschwenglicher Freude und ernannte ihn auf der Stelle zum Sultan ehrenhalber. Auf den Türmen der Alhabra wehten einträchtig das Humpembanner und der Halbmond in der Abensonne nebeneinander. Bevor Sultan Schlendrian zu Bett ging verkostete er noch das Wasser der Sierra Nevada das aus dem Löwenbrunnen im Innenhof der Alhabra reichlich floss. Glaskklar war es, jedoch für einen tiefen, ausgiebigen Rülpser, wie das am heimischen Dorfbrunnen möglich war, langte es nicht. Emir Machmut el Alaaf nahm die mindere Waserqualität zur Kenntnis und forderte Schlendrian auf ,mit Hilfe des Notizbuchs des christlichen Heilandes, das Wasser des Löwenbrunnens in Wein zu verwandeln. Ohne Jesus und sein Notizbuch zu rate zu ziehen befahl Ritter Schlendrian seinen Dienenr den mitgebrachten Sack Braugerste aus der Heimat herbeizuschaffen und vor den Augen des erhabenen Emirs verwandelte sich das Wasser der Sierra Nevada im Löwenbrunnen in köstliches, schäumendes Humpenbräu. Erst als die Christen im Jahre 1492 die Stadt Granada eroberten versiegte die ewige Bierquelle, die heute noch als die Mutter aller spanischen Brauereien mit Ehrfurcht erwähnt wird.

Die Tage in Granada vergingen in einem nicht enden wollenden religiösen Disput. Eine fremde Taube hatte Emir el Alaaf auf den guten Turban geschissen und der Emir, der genau wusste, dass die Taube in der Christenwelt den heiligen Geist verkörperte, sann auf Rache. Sogar den Papst wollte der geschändete Emir entführen lassen um ihn für die Untat des heiligen Geistes zur Rechenschaft zu ziehen. Erst als Ritter Schlendrian dem erhabenen Emir glaubhaft versicherte, das gleich eine ganze Rotte dieser seltsamen heiligen Geister, dem Papst erst kürzlich bei einem Spaziergang in Rom auf die Tiara, die päpstliche Krone geschissen hätten, beruhigte sich der Emir von Granada. Als Ritter Schlendrian dem Emir von Granada auch noch erzählte, das ein Papagei im letzten Frühjahr beim Anblick des Papstes, der in voller Montur, im Ornat und mit Mitra und Hirtenstab, sowie einigen anderen kirchlichem Klunker behangen, eine Taverne betrat, gleich dreimal hintereinander alaaf alaaf alaaf gerufen hat, war der Zorn des Emirs vollends besänftigt.

Tagein, tagaus löcherte der Emir von Granada den armen Tempelritter Schlendrian mit bohrenden Religionsfragen. So wollte der begeisterte Fussballspieler und Torwart des FC. Halbmond Granada wissen, ob ein gläubiger Muslim einen aus Schweinsleder angefertigten Ball mit der Hand berühren darf, oder nur mit Handschuhen aus Rindleder ins Spiel gehen darf. Ob es in der Christenheit Sitte sei, den Schiedsrichter nach einer Fehlentscheidung hinzurichten, ob er gesteinigt, verbrannt oder durch das Schwert umkommen sollte, das alles wollte Emir el Alaaf von Tempelritter Schlendrian wissen. "Dies alles muss ein Fußballkonzil entscheiden, auf dem die Weisen aus dem Morgenland gemeinsam mit den Weisen aus dem Abendland nach allgemein gültigen Regeln suchen müssen", antwortete der "Chevalier de la Sarre" geduldig. Unter dem Patronat des großen Philosophen Emilianus von Kaltnaggisch aus dem Tross von Tempelritter Schlendrian wurden schon wenige Wochen später die ersten international gültigen Fußballregeln festgelegt. Lediglich die Abseitsregeln waren noch unerforscht und der Sklavenhandel mit Spielern wurde im Fußballregularium von Granada strengstens verboten. Ein erstes, nach diesen Regeln ausgetragenes Duell, zwischen den Templern von der oberen Saar und den Mauren aus Granada endete 3.1 für die Saarauswahl. Wie der Schiedsrichter der Partie, ein Fischhändler aus Malaga, wenig später ums Leben gekommen ist, konnte nie geklärt werden.

Dann war der große Tag gekommen, zehntausende Öllampen, der Saft war damals noch saubillig, erleuchteten die Alhambra hoch über der Stadt. Die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada verneigten sich vor Tempelritter Schlendrian, als dieser in seiner besten Sonntagsrüstung auf einem der Türme der großen Festung lustwandelte. Pünklich bei Sonnenuntergang eröffnete der erhabene Emir von Granada das Safranfest. Eine von Safran durchtränkte, goldgelbe Paella mit einem Durchmesser von 42 Metern wurde von mehr als 200 Dienerinnen aufgetragen und Ritter Schlendrians Mannen begannen sich die Finger, sowohl nach den Damen, als auch nach der köstlichen Paella zu lecken. Emir el Alaaf hatte eigens für das Safranfest das Alkoholverbot für Muslime zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang, aufgehoben. Moros y Christianos genossen die Gunst der Stunde auf Teufel komm raus.

Safran, der Name kommt aus dem Griechischen und ist von der «Göttin der Liebe» Aphrodite und ihrem Fest Aphrodisia abgeleitet, Die Pflanze der Lust kam etwa um das Jahr 900 n.Chr. nach Spanien und ist ein, im Herbst blühender Krokus. Die kräftigende, herzstärkende und aphrodisierende Wirkung des psychoaktiven Safrans war schon in der vorchristlichen Zeit bekannt und auch als Halluzinogen und Opiumersatz erfreute er sich allergrößter Beliebtheit. Der Verwandte der leider ungeniesbaren heimischen Herbstzeitlosen sorgte für das Zustandekommen der bis heute größten Massenorgie der Welt. Die, 3000 Meter hohen Berge der Sierra Nevada im Hinterland verbreiteten das Lustgestöhn und die Seufzer des vollkommenen Glücks als Echo bis nach Nordafrika und weit in das neidische christliche Spanien hinein. Ein christliches Heer das aufbrach, um die übriggebliebenen Safranreste des großen Festes zu rauben, wurde bei Murcia vom maurischen Feldherr "Selim Ben Za Faran" in eine Falle gelockt, vollständig seiner Kleider beraubt und pudelnackt in die Sklaverei verkauft.

Für Tempelritter Schlendrian und seine Gefolgschaft aber war die Zeit zum Aufbruch, zur Rückkehr an die heiß und innig geliebte Saar, gekommen. Emir Machmut el Alaaf schenkte zum Abschied den Tempelrittern noch den Mönch Severin. Der sollte eigentlich zu Reliquien filetiert werden, jedoch die Preise für christliche Einzelteile waren derart am Boden, dass sich der Aufwand nicht lohnte. Die Damenwelt Granadas brach beim Abschied in Tränen aus und selbst der erhabene Emir drückte sich eine Träne aus seinem linken Auge. Keiner der Saar-Templer ahnte welche Überraschungen und Gefahren auf der Heimreise noch auf sie warteten.

Au, den 5. Dezember 2006

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