12/4/2007

Humpenrecht ist Menschenrecht

Das steht jedenfalls felsenfest

Von Claude Michael Jung

Aus Anlass des morgigen Welthumpenstages hielt der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump vor der Gemeinde-Vollversammlung auf dem Rätschplatz eine seiner beliebten, mehrstündigen Reden. Die Sonne begann besonders hell zu strahlen, als Edgar Lump, vom Balkon des Großhumpendorfer Rathauses aus die Staaten der Welt dazu aufforderte, das Humpenrecht als unverbrüchlichen Bestandteil der Menschenrechte anzuerkennen. «Das Recht auf den ein oder anderen Humpen zu haben, ist in dieser Welt von höchster Bedeutung für das Leben von Menschen, ihrer Teilhabe an der Gesellschaft und für ihr Wohlergehen», betonte Lump in seiner, etwa dreieinhalbstündigen Rede, die in Intervallen immer wieder von Prost - Salut und Santé - Rufen des internationalen Publikums unterbrochen wurde. «Gründe den Welthumpentag zu feiern gibt es Tausendfach», so Edgar Lump, «aber überall dort, wo das Humpenrecht heute immer noch von Staatsterroristen unterdrückt und mit Füßen getreten wird, ist der Welthumpentag ein Tag des Kampfes».

Besonders hoch lobte Edgar Lump die Tapferkeit des Deutschen Bundesrats, der sich zum zweiten Mal innerhalb von nur wenigen Wochen gegen die frevelhaften Vorgaben der Europäischen Union mit wilder Entschlossenheit aufgelehnt hat und die Annäherung der unterschiedlichen Steuersätze auf Alkohol abgeschmettert hat. Die Gleichmacherei hätte eine Erhöhung der Biersteuer bedeutet, die in Deutschland leicht zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen geführt hätte, sagte Edgar Lump und verneigte sich tief vor allen Bundesregierungen, die der Biertrinkernation bis heute den in der EU drittniedrigsten Biersteuersatz beschert haben.

Gerechtigkeit im Angesicht des großen Humpen, wie der heilige Gral an der Saar genannt wird, zu zeigen, forderte Edgar Lump auch von der Bundesregierung. An Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Saftsäcke in der großen Koalition gewandt sagte Lump: «Im 491ten Jahr des deutschen Reinheitsgebotes, das anno 1516 vom bayerischen Herzog Wilhelm IV. verkündet wurde, können sich immer weniger Menschen in diesem Land einen Humpen leisten. Zwar brüsten sich die Politiker ständig mit dem wohl ältesten Verbraucherschutzgesetz der Welt, doch sie schaffen dabei gleichzeitig immer weniger Verbraucher». Aus Humpensicht sei Deutschland ein Schurkenstaat, der Millionen seiner Bürger vertrocknen lasse.

Im statistischen Teil seiner Rede bezifferte Edgar Lump die genaue Anzahl, der in diesem Jahr in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen geleerten Humpen und erwähnte lobend die Namen sämtlicher durstiger Kehlen in der Gemeinde. Wie aus den statistischen Unterlagen in Ännchens Kneipe hervorgeht ist auch in diesem Jahr wieder Bürgermeister Edgar Lump, gleichauf mit Pastor Friedensreich Selighauer, was die Anzahl der Humpenleerungen anbelangt, einsame Spitze in der Saar Gemeinde und es ist mit einem Kopf an Kopfrennen zu rechnen, wer am Jahresende zum Humpenkönig gekrönt wird. Leicht abgeschlagen liegt auf dem dritten Platz Brandmeister Rohrbruch, gefolgt vom Dorfchronisten, Studienrat Ernst Nonsens. Zu erwähnen ist noch, das Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss, siebenmaliger Schluckspechtmeister, diesmal völlig abgeschlagen auf den hinteren Rängen landete. Er sei völlig außer Form sagte er, will aber in den kommenden Wochen ein intensives Training aufnehmen um wieder in die Spitzengruppe zu gelangen. Absolute Spitzenwerte, wie sie einst vom großen Tempelrittergeschlecht der Schlendriane erreicht wurden, können bei den heutigen Honoratioren der Saargemeinde nicht mehr vermeldet werden. Warum das so ist, will im noch in diesem Jahr Kaplan Watzmann, der neue Lehrling von Pastor Selighauer herausfinden und in jedem Fall den Humpenrekord von Tempelritter Schlendrian dem Mächtigen aus dem 14. Jahrhundert überbieten.

Großes Lob zum Welthumpentag auch für Bauer Güllerich, der auf dem Rücken Alarischs, seines gescheiten Wallachs der Rede von Bürgermeister Edgar Lump lauschte. Wieder einmal hatte Bauer Güllerich im vergangenen Jahr einen Ernterekord zu verzeichnen. 63 Dezitonnen beste Braugerste pro Hektar hat Bauer Güllerich in eingefahren. Mal wieder mehr als genug, um den VEB Schluck, die volkseigene Großhumpendorfer Brauerei für ein Jahr lang über Wasser zu halten und die Einfuhr von fremden Humpen-Füllmaterial ins Dorf des großen Humpen zu unterbinden.

Schwer unter den verbalen Beschuss von Bürgermeister Edgar Lump kamen alle Banausen, die noch immer der Flaschenbier-Kultur huldigen. Er bezeichnete die Kronkorkenlupfer als Verräter an der heiligen Humpenkultur, die nach Lumps Meinung 40 Tage in der Wüste vor einem gefüllten Humpen fasten müssten, um ihren Kulturfrevel zu erkennen. Buße und tätige Reue forderte Lump auch von allen Dosenbierakrobaten und ungehobelten Klötzen, die ihren Gerstensaft kulturlos aus Plastikbechern hinter ihre Binde kippten. Lump verlangte das Eingreifen des Staates und Umerziehungsmaßnahmen um Deutschland vor weiterem kulturellen Kahlschlag zu bewahren.

Mit dem Humpenmarsch, gespielt vom Fanfarenzug der freiwilligen Feuerwehr, endete die Rede zum Welthumpentag von Bürgermeister Edgar Lump. Den ausgetrockneten Kehlen wurde dann unverzüglich in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen Tribut gezollt und Dorfchronist Ernst Nonsens vermerkte auf seinem Bierdeckel: «Heute wird der Lump wohl mal wieder die gesamte Straßenbreite in Anspruch nehmen und das halbe Dorf aufwecken, um ins Bett zu kommen».

Au, den 12. April 2007

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