24/11/2006

Intersuff 2006 in Großhumpendorf

Lieber in der dunkelsten Kneipe als am hellsten Arbeitsplatz

Von Claude Michael Jung

Immer dann, wenn in den restlichen 13.000 Gemeinden, Städte und Kreise Deutschlands, kubikmeterweise Glühwein auf den Weihnachtsmärkten hinter die Binde gekippt wird, findet in Großhumpendorf an der oberen Saar die alljährlich wiederkehrende internationale Trinkermesse, die weltbekannte «Intersuff» statt. Auch in diesem Jahr wird die «Intersuff 2006», die erneut unter dem Motto «Lieber in der dunkelsten Kneipe als am hellsten Arbeitsplatz» steht, am ersten Adventsonntag unter gewaltigen Getöse durch die große Schlendriansglocke im Turm der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria, pünktlich nach dem Hochamt eingeläutet werden. Sodann wird der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump den ersten Korken knallen lassen und mit den zahlreichen Ehrengästen aus aller Welt einen Messerundgang machen.

Wie in jedem Jahr werden die Großhumpendorfer Biere und Weine wieder die unangefochtenen Messeverkaufsschlager werden. Schließlich hatte ein "Clos des Templiers" bei einer internationalen Blindverkostung europäischer Weingurus selbst den so hochberühmten "Romanee Conti" geschlagen, immerhin die Nummer Eins in Burgund. Während ein Cabernet-Sauvignon von der "Kuckuckshöhe", gleichfalls wie der "Clos des Templiers" im Alleinbesitz der Domaine "Comte de Aurica", der Grafen von Auersmacher den so hochbegehrten Chateau Petrus aus Bordeaux um Längen geschlagen hatte. Und was den Riesling aus Grosshumpendorfer Lagen betrifft, hat auch selbst der Scharzhofberger von Wiltingen an der unteren Saar das Nachsehen. Aufgrund dieser hervorragenden Tropfen haben natürlich zahlreiche international operierende Fuselkonzerne, die auch im Weingeschäft ihr Unwesen treiben, verzweifelte und dreiste Übernahmeversuche gestartet. Jedoch der Großhumpendorfer Weinbauernverband, angeführt von seinem Präsidenten "Michel Comte de Aurica" hat sämtliche Versuche dieser international operierenden Heuschrecken und Rebläuse, obwohl deren Gebote teilweise in Milliarden-Höhe lagen, eine derbe Abfuhr erteilt. Der Großhumpendorfer Bier und Wein-Genius, gepaart mit einem guten Schuss unverbrüchlichem Lokalpatriotismus haben sich zu keinem Zeitpunkt von Papiergeld, Aktien und anderem großkapitalistischem Gedöhnse beeindrucken lassen. "Mer mache, mer trinke, unn mer verkaafe unser Wein und Bier selbschd", lautet die Devise und dabei soll es bleiben bis in Ewigkeit.

Die Patenschaft für die «Intersuff 2006» hat in diesem Jahr die andalusische Hafenstadt Almeria übernommen, die auch für das kulturelle Programm zuständig ist. Mehr als 250 Jugendliche aus der gesamten Provinz Almeria bieten an allen Messetagen eine der dort hochbeliebten «Botellones» zum sehen, staunen und mitmachen den Messebesuchern am Großhumpendorfer Baggersee an. «Botellones» sind öffentliche Besäufnisse, bei denen die trinkende Jugend Spaniens dokumentiert, dass sie dem Alkohol den Kampf angesagt hat und die Geisel der Menschheit bis auf den letzten Tropfen zu vernichten gedenkt. Auch der saarländische Trinkerbund wird das kulturelle Programm der diesjährigen «Intersuff» bereichern. Im Festsaal von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen wird der Sängerkreis des Saar-Trinkerbundes ein internationales Trinkerliederpottpurie zur Aufführung bringen. Musikalisch begleitet werden die singenden Schluckspechte dabei vom Musikverein «Volles Rohr Großhumpendorf» unter der Leitung seines Dirigenten Dr. Hubert Engerling.

Daneben findet im "Blauen Saal" des Großhumpendorfer Rathauses eine Vortragsreihe statt. Am Eröffnungstag gegen 16.00 Uhr referiert die Präsidentin des saarländischen Sommerlochforums, Frau Professor Dr. Jutta von Jolande über das Thema "Saufen ohne zu Kotzen - Wie ist das ohne Training möglich ?". Um 20.00 Uhr steht "Der antinationale Dämmerschoppen" auf dem Programm. Der Großhumpendorfer Chronist, Studienrat Ernst Nonsens betrinkt sich dabei gemeinsam mit 6 Bürgermeistern und Landräten aus 5 Kontinenten.

Am zweiten Messetag steht dann bereits um 10.00 Uhr Vormittags eines der brennenden Themen der Menschheit auf dem Informationsprogramm. Die Pressesprecherin des Großhumpendorfer Alpenvereins Renate Schlüpfher und Amtmann Franz Klamm informieren die Öffentlichkeit was der dürstende Mensch unternehmen kann, wenn im Büro der Schnaps ausgeht. "Das Delirium - Lust oder Martyrium?", dieser weltweit beachtete Dokumentarfilm kommt am Abend im beheizten Festzelt auf dem Großhumpendorfer Rätschplatz zur Aufführung. Die in insgesamt 63 Sprachen gelallten Texte sind mit Deutschen Untertiteln versehen.

Am Abschlusstag um 14.00 Uhr wird an der langen Theke der Wahrheit in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen, Prof. Dr Laurent Pastis von der Universität Cognac zum Thema: "Druckbetankung ohne Stress", ein etwa einstündiges Referat mit anschließender Publikumsbeschimpfung abhalten. Danach steht das große Finale auf dem Programm, Bürgermeister Edgar Lump und sein Amtskollege Rodrigo del Aquavit aus Almeria, der diesjährigen Partnerstadt der «Intersuff 2006» werden auf der Abschlusskundgebung zu einem Koma-Saufen im Namen der internationalen Völkerfreundschaft aufrufen und den ersten Schluck dazu feierlich zelebrieren.

Neben unzähligen Probierständen mit Alk-Spezialitäten aus aller Welt wird sicher auch die Trinker-Zubehör-Messe im großen Rittersaal der Humpenburg die Aufmerksamkeit der Messebesucher erregen. Dort finden sich allerlei nützliches, was das Trinkerherz höher schlagen lässt. Zu den Highlights gehören in diesem Jahr wieder die beliebten Computerspiele für Spitzentrinker. Hier sind es vor allem die Strategiespiele für die trinkende Jugend, die von Jahr zu Jahr für zweistellige Umsatzsteigerungen sorgen. So kann sich der oder die Jugendliche mit dem Glas in der linken und der Maus in der rechten Hand vom namenlosen Trunkenbold bis zu international angesehenen Premiumäufer emporarbeiten. Ebenso dürfte die CD Rom des Bundesgesundheitsministeriums auf große Resonanz stoßen. Trinkende Oldies erfahren am PC, ob künftig die Rente noch ausreicht, den täglichen Promillepegel auf hohen Niveau halten zu können. Mit Spannung wird auch der Verkaufsstart des digitalen Trinkerevangeliums «Johannes der Säufer» erwartet. «In fünf Schritten zur neuen Leber», so lautet der Titel einer DVD, die anschaulich erklärt, wie man mit ein wenig handwerklichem Geschick die eigene Leber, schneller als einen platten Autoreifen, selbst auswechseln kann. Wasserbetten mit Gegenschaukel-Mechanismus laden zum Probeliegen ein und die verbesserten Fahnentöter mit Knoblauch und Pfefferminzgeschmack sind ein weiterer Bestandteil des überwältigenden Messeangebots.

Die Pressestelle des Großhumpendorfer Rathauses weist darauf hin, das Berechtigungskarten für einen Liegeplatz in den Ausnüchterungszellen im Keller der Humpenburg an allen Infoständen für 25 EURO bereitgehalten werden. Der Großhumpendorfer Arzt, Schauspieler und Bergsteiger Dr. Hubert Engerling steht an allen Tagen mit seinem Team für einen eventuell nötige Intensivbehandlung im Großhumpendorfer Dorfbrunnen zur Verfügung. Die Messebesucher werden gebeten eine gültige Chipkarte der Krankenkasse bei sich zu tragen.

Au, den 24. November 2006

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