1/4/2007

Jeanne la Pucelle auf der Humpenburg

«Dunnerlitschen, das ist mir Eine»

Von Claude Michael Jung

Nicht einmal zwei Autostunden von Großhumpendorf entfernt, liegt westlich der Vogesen, der nicht einmal 200 Einwohner zählende französische Ort Domrémy. Hier wurde etwa im Jahr 1410 Jeannette Darc geboren. Jeanette war die Tochter des angesehenen Großbauern Jacques Darc und dessen Frau Isabelle Romée, deren Spuren sich bis zurück in ihre Jugendzeit, die sie auf der Humpenburg an der Saar verbrachte, zurückverfolgen lassen. Die saarländische Gralsritterschaft der «Tollen Ritter vom großen Humpen» unterhielt in den Mauern ihrer Trutzburg schon im 15. Jahrhundert eine höhere Töchterschule zu deren Zielen es gehörte, der weiblichen Jugend, Anstand, Gehorsam, Treue und Demut gegenüber den Fürsten und vor allem gegenüber der Kirche, sowie ihren späteren Ehemännern zu vermitteln. Isabelle Romée lernte im Internat der Humpenburg alles was eine Frau damals, oft auch noch heute, können muss. Tagsüber in der Küche stehen, zur Abendstunde dem Gemahl eine Augenweide zu sein und an Sonntagen in der Kirche für ihr Seelenheil beten, das war's auch schon. Lesen und schreiben zu erlernen, das geziemte sich für eine Frau damals nicht und war im übrigen sogar Gift für ihre Seele.

Im Herbst 1405 verließ Isabelle Romée die Humpenburger Internatsschule mit dem hoch begehrten «Diplome cuisine et maman», (Küchen und Mütterdiplom) in ihrer Schürze und heiratete den Großbauern Jacques Darc. Schon bald darauf wurde, nach ihren älteren Brüdern Jacquemin, Jean und Pierre, Töchterchen Jeannette geboren und ein weiterer Küche - Kinder - Kirche - Kreislauf (KKK) zeichnete sich ab. Im zarten Alter von 12 Jahren, also im Jahre 1422 wurde Jeanette Darc zur Lehre auf die Humpenburg gegeben. Für den Küchendienst aber war Jeanette nicht geeignet. So kochte sie ein Ei solange bis es zu einem gefährlichen Wurfgeschoss wurde und als sie Ritter Schlendrian und seinen Gästen einen Dibbelabbes zubereiten sollte, brannte dieser an und setzte die Küche lichterloh in Flammen. Jeannette hatte mal wieder, anstatt auf das Essen aufzupassen, lieber zum Fenster hinaus geschaut, wo die Knappen der Burg sich die Zeit mit Schwert und Lanze vertrieben. Ritter Schlendrian versohlte Jeanette eigenhändig den Hintern und sprach: «Das Kind taugt nicht zum Weib, steckt sie zu den Knappen in die Lehre».

Nun hatte Ritter Schlendrian wieder seine hoch geschätzte Ruhe und brauchte nicht mehr zu fürchten das Jeanette beim bruzzeln die ganze Humpenburg niederbrennen würde. Jeanette aber fühlte sich als erster weiblicher Knappe der saarländischen Gralsritterschaft pudelwohl. Mit verbundenen Augen zäumte sie ihr Pferd schneller auf als das die übrigen Knappen vermochten. Sie wurde eine Meisterin im Umgang mit dem Schwert und warf den Speer weiter als alle anderen. Als Jeanette an einem Turnier teilnehmen durfte packte sie der Eifer derart, das sie zu einem Stallbesen griff und Sir Henry von Canterbury, den himmelblauen Ritter, mit einem Schlag zu Boden streckte. Während Sir Henry von Canterbury seine Rüstung ausbeulte, wurde Jeanette als Prinzessin der Herzen gefeiert. «Dunnerlitschen, das ist mir Eine». entfuhr es Ritter Schlendrian.

Auf zwei Feldzügen in die Pfalz erlernte Jeanette die von nun an Jeanne la Pucelle (Johanna die Jungfrau) genannt wurde, das Kriegshandwerk von den edlen Saarrittern. Seite an Seite mit Ritter Schlendrian übte Jeanne la Pucelle im Sandkasten die Kunst der Belagerung und die Erstürmung feindlicher Städte und Burgen. Bereits im zarten Alter von siebzehn Jahren hatte Johanna die Jungfrau ihre Ausbildung beendet und bekam anstatt eines «Diplome cuisine et maman» eine maßgeschneiderte Rüstung nach dem «derniere crie», dem letzten Modeschrei des Mittelalters, von Ritter Schlendrian geschenkt.

Vom Erzengel Michael, später auch von der Heiligen Margarete und der Heiligen Katharina, erhielt Johanna dann den Auftrag, die von den Engländern belagerte Stadt Orléans zu befreien und den Dauphin zur Krönung nach Reims zu geleiten. Zwar hatten auch die tollen Ritter vom großen Humpen eine Einladung erhalten an der Befreiung Orléans teilzunehmen, jedoch die Einladung erreichte die Humpenburg wegen eines wilden Streiks bei der Post in Metz erst als die Stadt schon lange befreit war. Auch für eine Teilnahme am Loire-Feldzug, bei dem u.a. die siegreiche Schlacht bei Patay (18. Juni 1429 ) stattfand, war es zu spät. General Poton de Xaintrailles, einer der Oberkommandierenden der bedeutendsten Schlacht des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich, schrieb in sein Kriegstagebuch: «Ohne die solide militärische Ausbildung von Jeanne la Pucelle auf der Humpenburg, hätten wir die Engländer niemals derart verdroschen. Frankreich ist den tollen Humpenrittern zu ewigem Dank verpflichtet.»

Au, den 1. April 2007

GroßhumpendorfGeschichtenwww.saarlandbilder.net