21/10/2006

Das Johnnie Walker Memorial in Großhumpendorf

Vom tragischen Ende eines Lebemannes

Von Claude Michael Jung

"Der Tag geht, Johnnie Walker kommt", ein geflügeltes Wort, das einst in Europa zehntausende Ehemänner, die ihre Frauen allabendlich vernachlässigten in Angst und Panik versetzte. Johnnie Walker, der schottische Aristokrat und Lebemann, der Beglücker unzähliger einsamer Frauenherzen starb jedoch völlig verarmt, verwahrlost und heruntergekommen in der Seinemetropole Paris unter einer Brücke in den Armen des Clochards Pierre. Begraben wurde er, dank einer tausendfach, lautstark vorgetragenen Forderung seiner letzten Freunde, den Clochards auf dem ältesten Pariser Friedhof Père Lachaise. Hier ruht Johnnie Walker nun ganz in der Nähe von Edith Piaf und Oscar Wilde. Ein Denkmal hat ihm jedoch die Stadt Paris bis heute verweigert. Im "Dorf am Fluss", der Saargemeinde mit Herz, hat ihm jedoch fast ganz im Stillen der Großhumpendorfer Chronist, Studienrat Ernst Nonsens ein kleines Memorial in seinem Arbeitszimmer errichtet. Dort steht eine Johnnie Walker-Statue, so wie wir ihn aus seinen besten Jahren her kennen, auf dem gut bestückten Barschrank, direkt im Blickfeld von Ernst Nonsens. Dem Großhumpendorfer Chronisten Ernst Nonsens ist es auch zu verdanken, dass die Welt überhaupt etwas vom traurigen Schicksal des schottischen Edelmannes erfahren hat. Studienrat Ernst Nonsens hat die meisten Wirkungsstätten Johnnie Walkers aufgesucht und eine fast lückenlose Biographie über sein großartiges Leben und seinen tragischen Tod geschrieben.

Als Gattin eines catalanischen Reeders lebte Cassandra de la blanca Impertinenta die meiste Zeit alleine in dem großen Haus, direkt am Hafen von Barcelona. Weder der Gasmann, noch der Briefträger trugen etwas zur Befriedigung ihres einsamen Herzens bei. Don Alfonso ihr Ehemann verbrachte die meiste Zeit in seinem Büro mit seiner heißblütigen Sekretärin Stefania zu und verpulverte bei ihr sinnlos seine gesamte Manneskraft. Wieder einmal verging ein Tag ohne das Johnnie Walker an ihrer Haustür klingelte und die alleine gelassene Cassandra de la blanca Impertinenta überlegte, ob sie sich nicht mal wieder die Zeit mit einem wüsten Matrosen vertreiben sollte. Endlich im Frühling kurz vor Ostern, die Luft war klar und der Himmel seidenblau, gerade war die Sonne über dem Meer untergegangen als es dreimal an der Haustür der liebeshungrigen Cassandra klingelte. Sie glaubte eigentlich der Osterhase käme zum kuscheln vorbei, aber dann konnte sie ihr Glück kaum fassen. Da stand er vor ihr, Johnnie Walker, der Traum ihrer schlaflosen Nächte war gekommen und wie von Geisterhand löste sich ihre Kleidung von ihrer Haut. Minuten später erlebte das große Bett im Hause des sorglosen Reeders einen bis dahin noch nie gekannten stürmischen Härtetest.

Immer, wenn Johnnie Walker vom Schicksal eines einsamen Frauenherzen erfuhr, eilte er quer über den Kontinent. Am Nordkap war er ebenso zur Stelle, wie in der Ägäis, in der Bretagne, im Saarland, oder am Golf von Neapel. Er spendete Glück und Zufriedenheit und war allzeit bereit sein Bestes in den Dienst des vollkommenem Glücks zu stellen. Es blieb Johnnie Walker kaum Zeit all die wunderschönen Dankesbriefe zu lesen, denn die Einsätze der Liebe rissen niemals ab. Lediglich wenige Tage im Jahr gönnte er sich Ruhe, dann weilte er zur Kur am Großhumpendorfer Dorfbrunnen und erzählte am Abend in Ännchens Kneipe von seinen Erlebnissen. Dort erfuhr Studienrat Ernst Nonsens auch von der wilden Verfolgungsjagd quer durch die ewige Stadt Rom. Gerade als Johnnie Walker Donna Lucretia kurz vor dem sechsten Höhepunkt hatte, erschien deren Gatte auf dem Gefechtsfeld und dürstete nach Rache. Splitterfasernackt musste der Herr des Glücks aus dem offenen Fenster fliehen, jedoch der rachsüchtige Römer verfolgte ihn mit einem langen Messer in der Hand und drohte mit Entmannung. Es war eine fromme Nonne, die den schottischen Liebesgott hinter ihre Klostermauer zog und vor der beabsichtigten Bluttat rettete. Als Nonne verkleidet konnte Johnnie Walker schließlich aus Rom fliehen und dankte dem Herrn wohl zum hundertsten Mal, das er ihn aus einer misslichen Lage gerettet hat.

Sein Schicksal erfüllte sich während seines aufopferungsvollen Dienstes an der "Comtesse avec des trois Tittes", der Gräfin mit den drei Brüsten. Sie vererbte Johnnie Walker eine bis heute geheimnisvolle und unheilbare Krankheit. Sein Werkzeug begann sich zu verfärben, es wurde blau, grün, ja sogar violett. Ein eilend herbeigerufenes Kräuterweiblein versuchte das Prachtstück noch bis zuletzt mit Salbe und durch kräftige Intensivmassagen zu retten. Doch alles half nichts, das Werkzeug des Liebesglücks begann zu verdorren und fiel kurze Zeit später wie ein verwelktes Blatt einfach auf den Teppich und wurde zu Staub. Weder eine Pilgerfahrt nach Lourdes, noch ein Bad im Großhumpendorfer Dorfbrunnen vermochten den Stab des Glücks zurückzubringen. Stoßgebete wurden zu den Heiligen im Himmel gesandt, überall brannten in den Schlafzimmern Europas Kerzen, aber der verloren gegangene Zauberstab des schottischen Aristokraten wollte nicht mehr nachwachsen. Selbst die, in Handarbeit vom Großhumpendorfer Arzt, Dr. Hubert Engerling angefertigte Prothese hielt nicht das, was sie versprach, zumal Johnnie Walker das neue unverwüstliche Werkzeug des öfteren in seiner Nachttischschublade vergas, wenn er hin und wieder mal eine einsame Dame beglücken wollte.

So kam es, wie es kommen musste, Johnnie Walker verfiel in Depressionen und ergab sich schließlich dem Suff. Zu Anfang war es noch Scotsch Whisky aus seiner alten Heimat an dem er sich berauschte. Dann aber folgte nur noch Fusel und der Edelmann landete völlig heruntergekommen unter den Brücken von Paris. Zwar erlebte er noch einige Sternstunden, wenn er den Clochards von seinen Abenteuern erzählte und diese einen ordentliche roten aus Bordeaux springen ließen. Das Ende von Johnnie Walker kam völlig überraschen. In einer mondhellen Nacht, kurz bevor der eiserne Vorhang geöffnet wurde, verschied der große schottische Aristokrat und Lebemann. Seine Hand umklammerte fest eine erst halb geleerte Flasche Melissengeist, die ihm auch als Grabbeigabe für die Reise in den Himmel in den Sarg gelegt wurde. An seinem Todestag sind es besonders einsame Frauen aus Russland, Ungarn, dem Baltikum und all den anderen Staaten, die Johnnie Walker wegen der besonderen politischen Umstände nie besuchen konnte, welche sich an seinem Grab versammeln. Aber auch die beglückten Damen der westlichen Hemisphäre geben sich alljährlich an seinem Grab ein Stelldichein, um ihm dankbar die Ehre zu erweisen. Hier sind Gebete wie: "O Herr im Himmel, lass ihn fix wiederkehren" und "Herr erschaffe uns ganz flott einen neuen Johnnie Walker" immer wieder zu hören.

Au, den 21 Oktober 2006

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