14/2/2008

Kirchenfürst klärt Mysterium der Großhumpendorfer Wasserlache auf

Isidoro Kardinal Promillo in freudiger Erwartung der kommenden Dinge
Fotomontage: Andreas Rockstein

Dorfkater Baldrian wusste längst Bescheid

Von Claude Michael Jung

Eigentlich wollte Erzbischof Anro, den Papst Benedikt XVI. als apostolischen Visitator an die obere Saar in die Christengemeinde Sankt Donner und Doria, gesandt hat, nur einige Tage in der uralten Tempelritterkommune verbringen. Solange nur, bis das geheimnisvolle Vorleben des Großhumpendorfer Pastors Friedensreich Selighauer brutals möglich aufgeklärt war und vor dem Heiligen Vater in Rom ausgebreitet werden konnte. Jetzt hat es jedoch den Anschein, als wollte der hohe Kirchenfürst seinen Lebensabend an der oberen Saar verbringen, vermutet jedenfalls Bürgermeister Edgar Lump. Gegenüber dem Dorfchronisten, Studienrat Ernst Nonses, sagte Lump: „Ich glaube den verdammten Himmelskutscher kriegen wir nie wieder los”.

In der Tat, es hat nur wenige Tage gedauert bis der Erzbischof voll in die Gemeinde integriert war. Es waren vor allem die langen Abenden am Stammtisch, oder an der langen Theke in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen, welche die Integration, ja man kann getrost behaupten, die Assimilation des Kirchenfürsten mit dem Menschenschlag an der oberen Saar, beschleunigt hat. Beatrice Décolleté, der engen Vertrauten des Kommunechefs Edgar Lump ist bereits aufgefallen, dass dem apostolischen Visitator, gerade noch rechtzeitig zu Beginn der Fastenzeit ein kleiner, jedoch durchaus beachtlicher Bierbauch herangewachsen ist. Beatrice Décolleté nannte die Wampe des Erzbischofs ehrfurchtsvoll eine „Heilige Turbo-Erhebung”.

Dass der fromme Erzbischof ausgerechnet das Geheimnis der Großhumpendorfer Wasserlache schon nach wenigen Wochen seines Aufenthaltes in der Templergemeinde aufgeklärt hat, ist dem Großhumpendorfer Gemeinderat allerdings nicht so besonders recht, ja eher schon ein wenig peinlich.

Jahrzehntelang war die große Wasserlache, direkt neben der Schlendrianslinde, die seit Jahrhunderten schon auf dem Rätschplatz, dem großen Versammlungsort und Festplatz der Gemeinde zu Ehren von Tempelritter Schlendrian dem Mächtigen steht, tagein und tagaus zu bewundern. Selbst in den langen und trockenen Sommermonaten stand die geheimnisvolle Wasserlache am Fuß der Schlendrianslinde. Der große Baum aber verriet das Geheimnis des kleinen Sees zu seinen Füßen jedoch niemanden. Auch Dorfkater Baldrian, der in den Sommermonaten meist in den Ästen der Schlendrianslinde nächtigt, wahrte das große Geheimnis streng.

Bereits seit Jahren kursieren Legenden über die geheimnisvolle, nie versiegen wollende Wasserlache. Die streng zölibatär lebende Grundschullehrerin Fräulein Zickig sprach bereits von einem Mirakel, einem Wunder und hatte etwas voreilig bei Pastor Friedensreich Selighauer beantragt, das Wasser der Dauerpfütze als Heil und Weihwasser zu verwenden. Auch wurden seit längerem schon von Bürgermeister Edgar Lump, Studienrat Ernst Nonsens und Pastor Selighauer, Wallfahrer beobachtet, die zur Wasserlache an der Schlendrianslinde pilgerten und dort Kerzen anzündeten. Einem dieser Pilger soll dabei eine weiße Frau, nur bekleidet mit einem knappen Nachthemd, erschienen sein und ihn aufgefordert haben eine Münze in der Wasserlache zu versenken. Angeblich sollte der Pilger danach drei Wünsche frei haben, so die Legende. Seither befreit Gemeindeamtmann Franz Klamm den Grund der großen Lache allmorgentlich von der schweren Bürde ihrer Münzen aus aller Welt, mir bloßen Händen wie das Großhumpendorfer Rathaus bestätigt.

Nun aber ist das Großhumpendorfer Mirakel, dank der schwachen Blase des apostolischen Visitators Anro, als weltliche Schwäche des Großhumpendorfer Gemeinderats brutal enttarnt worden. Mit schwer beladener, jedoch schwächelnder Blase verließ der Erzbischof lange nach Mitternacht, bereits ein wenig desorientiert, Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen. Direkt an der steinalten Schlendrianslinde übermannte ihn die Kraft des Wassers und er musste dem Druck seiner Blase Tribut zollen. Stöhnend, jedoch mit einem Stoßgebet auf den Lippen, erleichterte sich der Erzbischof zu Füßen der großen Linde. Noch war der letzte Tropfen nicht geflossen, als sich schwankende Schritte dem Baum der Erleichterung näherten. Mit leicht feuchten Beinkleidern flüchtete der Vertreter des Pontifex maximus hinter „Karls Gourmetpoint”, die Großhumpendorfer Imbissbude für den verwöhnten Gaumen.

Nach und nach wurde dann das Geheimnis des Grohumpendorfer Mirakels gelüftet. Zuerst erschien Brandmeister Rohrbruch, öffnete seine Hose und ließ mächtig Druck ab. Dann folgte nur wenige Minuten später Doktor Hubert Engerling. Sein Druck war dermaßen stark, dass der Rückschlag seines Wasserstrahls für seine nassen Füße verantwortlich zu machen war. Gemeindeamtmann Franz Klamm latschte voll in die Pfütze hinein und Studienrat Ernst Nonsens sorgte wenig später für einen raschen Anstieg des Wasserpegels. Dann erschien Pastor Friedensreich Selighauer vor dem kleinen See inmitten der Gemeinde. Pastor Selighauer dankte Gott für das genossene Bier in Ännchens Kneipe. Mit einen Amen auf den Lippen reicherte der streitbare Gemeindehirte die Wasserlache vor der Schlendrianslinde, - mit den gefilterten, - fast glasklaren Resten, - der zuvor hinter seine trockene Binde abgekippten, - schäumenden Krawallbrause, - noch um einiges an.

Den Höhepunkt des nächtlichen Wasserfestes setzte jedoch wie immer Bürgermeister Edgar Lump. Dorfkater Baldrian wäre um ein Haar von seinen bequemen Ast gestürzt, als Bürgermeister Lumps Bierfurtz wie ein Donnerhall über den nächtlichen Rätschplatz hallte. Dann prasselte, ein schier nicht enden wollender, schäumender und dampfender Wasserfall, in die gewaltig angestiegene Pfütze hernieder. Der gewaltige Sturzbach des Bürgermeisters löste sogar bei den schlafenden Vögeln hoch oben in der alten Linde Panik und blankes Entsetzten aus.

Schwer wie ein Martyrium lastet die Bürde, um das Wissen vom Großhumpendorfer Wasser-Mirakel, auf den Schultern des apostolischen Visitators Erzbischof Anro. Mit mehreren Krügen Messwein aus den Vorräten von Pastor Friedensreich Selighauer, hat sich der Erzbischof in die Krypta der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria zu Exerzitien zurückgezogen. Die geistigen Übungen brachten dem Kirchenfürsten nach sieben langen Tagen und noch viel längeren Nächten die Erkenntnis, dass Geheimnis der Großhumpendorfer Wasserlache mit niemanden, nicht einmal mit dem Heiligen Vater zu teilen.

Erzbischof Anro, vom Messwein schwer beseelt und durch die geistigen Übungen in der Krypta der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria, in höhere Sphären katapultiert, beschloss sofort nach seiner Rückkehr in die ewige Stadt, ein Wunder zu vollbringen. Gemeinsam mit seinen Amtsbrüdern in der vatikanischen Kongregation zur Anerkennung unerklärlicher Vorgänge und Erscheinungen, Isidoro Kardinal Promillo, Erzbischof Ernesto Lambrusco und Monsignore Antonio Grappa, soll auch der Vatikan zum Mirakel einer ewigen Wasserlache kommen. Ein geeigneter Ort für die Wunderlache sieht Erzbischof Anro schon vor seinem geistigen Auge. Im Nachmittagsschatten der alten Pinie von Papst Pius X, in den vatikanischen Gärten, soll die erste Wasserlache nach Großhumpendorfer Dimension entstehen. Erzbischof Anro ist sich sicher, auch in Rom geeignete Krawallbrause für einen bombationösen Blasendruck aufzutreiben. Zur Not will der Erzbischof sogar im Vatikan eine Brauerei gründen und nach deutschem Reinheitsgebot ein Treibmittel zur Überflutung der vatikanischen Gärten brauen.

Au, den 14. Februar 2008

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