vorab erschienen im link Saarecho 14/8/2006

Das Erbe der Tempelritter im Saarland (IV)

Schlendrian auf dem Konzil von Troyes

Saarländische Humpenburg, die letzte Heimat der Tempelrittrer / Die Strapse von Frau Potifar sind heute noch zu sehen

Von Claude Michael Jung

Die genauen Umstände, die im Mittelalter zur Gründung des geheimnisvollen Ordens der Tempelritter führten, liegen noch immer in den Nebeln, welche die Humpenburg im Saarland umgeben. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass das Rittergeschlecht der Schlendriane, die damals auf der Humpenburg lebten, maßgeblich an der Ordensgründung beteiligt war. Dies belegen Schriftfragmente, die der Chronist der saarländischen Gemeinde Großhumpendorf, Studienrat Ernst Nonsens in einer alten Truhe auf dem Speicher von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen gefunden hat. Gemeinsam mit Bürgermeister Edgar Lump und dem Großhumpendorfer Pastor Friedensreich Selighauer wurde in nächtelanger Schwerstarbeit an der Auswertung und Bearbeitung der Dokumente geschuftet. Diese liegen nun der Öffentlichkeit vor.

Unumstritten war in Historikerkreisen nie, dass die Regeln, nach denen die Templer, auch als "Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel" bezeichnet, zu leben hatten, auf dem Konzil von Troyes beschlossen wurden und durch den Papst Bestätigung fanden. Eindeutig ist aber erst jetzt, dass die Ordensregeln eine saarländische Handschrift tragen und während des Konzils von Troyes im Januar 1128, von "Schlendrian dem Prächtigen" gemeinsam mit Bernhard von Clairvaux unter Zuhilfenahme dutzender Krüge Chablis, einem köstlichen Weißwein, der südlich der Stadt Troyes an den Hängen Burgunds prächtig gedeiht, verfasst wurden. Als Hüter der Ordensverfassung wurden die Schlendriane von der Saar auf ewiglich bestimmt.

Im Spätherbst, des Jahres 1127, wenige Tage nach der Großhumpendorfer Kirmes, brach "Schlendrian der Prächtige" - den Beinamen "le magnifique" trug er, da er stets in den prächtigen Gewändern seiner Gattin umher wandelte - von Burg Humpen auf, um nach Troyes zu ziehen. Begleitet wurde "Schlendrian le magnifique" von seinem Knappen Schlunz, dem Mönch Blasius von St. Wendel und von Prinz Valium, dem schläfrigen Prinzen aus dem Hochwald. Alle hatten unterwegs unterschiedliche Aufgaben, Der Knappe Schlunz musste stets Ausschau nach schönen Frauen für seinen Herrn halten und der fromme Mönch Blasius war für die "Beichte rapide" hinterher zuständig.

Dort wo Blies und Saar sich in einem gemeinsamen Bett zum Kuscheln vereinen, überquerte die kleine Schar mit Hilfe des Fährmanns Nickel das Flussbett und setzte ihre Reise in Richtung der südlichen Champagne fort. Prinz Valium war es, der die Reisenden immer wieder zu Zwangsaufenthalten veranlasste, weil der Prinz kein Auge offen halten konnte und schon tagsüber durch lautes Schnarchen unangenehm auffiel. Westlich der französischen Stadt Toul, an einer Weggabelung kurz vor St. Dizier, verfiel der Hochwälder Prinz dann in einen Tiefschlaf und begann sich vor den Augen seiner Begleiter zu versteinern. Die Gäste des Bistrot "Chez Jeanne" in der Nähe des Bahnhofs von St. Dizier erzählen noch heute, dass Prinz Valium alle sieben Jahre einmal erwacht, herzhaft zu gähnen beginnt, um sofort danach wieder für sieben weitere Jahre einzuschlafen.

Schon vor Beginn des Konzils wählten die anwesenden Ritter einen Ordensvorstand. Als Vorstandsvorsitzender wurde Bernhard von Clairvaux einstimmig gewählte. Als Geschäftsführer des Ordens wurde in Personalunion mit dem wichtigen Amt des Schatzmeisters, Schlendrian der Prächtige, sowie dessen Nachkommenschaft bestimmt. Zu Beisitzern, und Schriftführern ohne Stimmrecht wurden die Ritter Hugo von Payns, Gottfried von Sankt Avold, ein verarmter Verwandter Schlendrians, sowie die edlen Ritter Gundoma de Sarreguemines, Roland von Raschbach, alle aus dem Geschlecht der Schlendriane und etliche andere Herren im vornehmen Blechgewandt gewählt.

Das "Regularium von Chablis", die Ordensregeln der Templer legten fest, wo die Beute aus den Kreuzzügen gegen die islamistischen Terrorzellen im Heiligen Land aufbewahrt werden sollte. Hier kam natürlich nur die Humpenburg, die starke und mächtige Trutzburg an der Saar in Frage. Und so wanderten als "Souvenirs de Jerusalem" die Filzlatschen von Pontius Pilatus, der Wanderstab Abrahams, die Krippe in der das Jesuskind einst lag (es war noch Stroh drinnen) und nebenbei auch noch die Zahnbürste der Königin von Saba in die Schatzkammer der Humpenburg. Ein Flohmarkthändler aus Jerusalem schrieb damals in einem Eilbrief nach Damaskus. "Lieber Abdulla, ich habe heute wieder prächtige Geschäfte mit den Templern gemacht, alles verkauft, was du geschickt hast. Pack bitte rasch deinen Esel und bring die Schleuder, mit der einst David den ollen Goliath niedergestreckt hat, sämtliche Trompeten von Jericho und die Strapse von Frau Potifar, der schönen Versuchung, vorbei. Heute Abend muss ich noch schnell den Sperrmüll bei Ben Hurs Großtante abholen, bevor mir die Ritter aus dem Abendland alles vor der Nase wegschnappen. Salam, Dein Bruder Jussuf."

So wanderte der Reichtum des Orients zu den Schlendrianen auf die Humpenburg, wo er unbeschadet die Jahrhunderte überdauerte. Die Strapse von Frau Potifar sehen heute noch wie neu aus, bemerkte erst neulich mit kennerischem Blick der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump. Der "Schatz der Sarazenen" ist täglich von 8 bis 18 Uhr im Großhumpendorfer Heimatmuseum zu sehen. Gegen einen Obolus zur Ortsverschönerung dürfen Besucher auch die Trompeten von Jericho blasen. Sie haben allerdings nicht mehr die volle Wirkung.

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