11/10/2007

Erstes «Kowe-Denkmal» in Großhumpendorf eingeweiht

Saargemeide huldigt Rabenvogel als Gottheit – Vatikan entsetzt

Von Claude Michael Jung

« Kowe », so nennt man die Rabenvögel, deren Zuhause ausschließlich die Region an der oberen Saar ist. Die Kowe genießen hier nicht nur Kultstatus. Seit dem Mittelalter ziert der schwarze Vogel das Wappen der Grafen von Aurica. Den einst hier lebenden Tempelrittern der großen Geschlechts der Schlendriane waren die « Kowe » oder vereinfacht « Kob » sogar heilig. Tempelritter Schlendrian der Prächtige hielt sich im roten Turm der Humpenburg gleich eine ganze Schar diese klugen Vögel und zog sie bei allen wichtigen Dingen zu rate. Zogen die Templer von der oberen Saar mal wieder zu einer der beliebten Razzien in die Pfalz, so waren die « Kowe » ihre stets zuverlässigen Aufklärer der Lüfte. Einem Kuttenträger, der als Abgesandter der pfäffischen Macht in Rom, vor den Toren der Humpenburg erschien und den Templern einen Ablass andrehen wollte, erleichterten die intelligenten « Kowe » um seinen Rosenkranz. Auch ein, im Reisegepäck des Mönchleins mitgeführter goldener Kelch, sowie eine, mit Diamanten besetzten Monstranz, samt Oblade, wanderte dank dem Geschick der « Kowe », in die Schatzkammer der Saar-Templer.

Auch heute noch werden den « Kowe » wundersame Dinge nachgesagt. An der oberen Saar bezweifelt man offen, dass der Heilige Geist jemals in den Körper einer Taube eingefahren ist. « Sankt Trinitatis ist eine Missgeburt, wenn neben Gott Vater und Gott Sohnemann, nicht die « Kob » als dritte Gottheit die Heilige Dreifaltigkeit abrundet », sagen die Menschen hier mit tiefster Überzeugung. Ornithologen haben nachgewiesen dass die « Kowe » hier an den Ufern der Saar und der Blies in der kalten Jahreszeit sogar die Aufgaben des Klapperstorchs übernehmen, wenn dieser sich unter der Sonne Afrikas aufhält. « Kinder, die vom « Kowe-Service » geliefert werden, erkennt man an der kleinen Narbe auf ihrem Hinterteil, die von den Schnäbeln der weisen Vögel dort für ein Menschenleben eingraviert werden », sagt Studienrat Ernst Nonsens, der selbst eine solche Narbe auf seiner linken Hinterbacke hat und diese auch gerne zu gesellschaftlichen Anlässen seinen Gästen zeigt.

Gleich zwei dieser Narben vom « Kowe-Service » hat der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump als Zeichen seiner Würde auf seinem Allerwertesten eingraviert. Das wissen nicht nur die Gäste von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen zu berichten, sondern auch all jene, die den regierenden Bürgermeister der Saar-Kommune schon mal dort knutschen durften. Saarfürst Peter Müller (CDU) kennt die « Kowe-Male » ebenso aus nächster Nähe wie Oskar Lafontaine aus seiner Zeit als SPD-Ministerpräsident des Saarlandes. Massenhaft ergingen die Einladungen die « Kowe-Male » auf den prächtigen Hinterbacken Edgar Lumps zu küssen, an Staatsmänner, sowie Königinnen und Könige aus aller Welt. Bürgermeister Edgar Lumps « Kowe-Male » zieren sogar den offiziellen Briefkopf der Gemeinde, den Quittungsblock der verteilten Knöllchen und die Steuerbescheide der Großgemeinde an der oberen Saar.

Jetzt war es soweit. In Galauniform weihte der Großhumpendorfer Pastor Friedensreich Selighauer am vergangenen Mittwoch das erste « Kowe-Denkmal » der Gemeinde Großhumpendorf ein. Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens hat es seiner Heimatgemeinde gestiftet. Nach wochenlangen, teilweise verbal-radikal geführter Standortdebatte, war die Entscheidung, das Denkmal vor der Grundschule der alten Tempelrittergemeinde aufzustellen, gefallen. Hier wo die streng zölibatär lebende Grundschullehrerin Fräulein Zickig dem Gemeindenachwuchs das Alphabet und das kleine Einmaleins einbläut, hängen die « Kowe » zwar den halben Tag auf dem Dach rum und stören mit ihrem Gekrächze meist den Unterricht, jedoch Fräulein Zickig ist der Auffassung. « Die « Kowe » versprühen auch ihre Weisheit über den Köpfen der Kinder ».

Nachdem Pastor Friedensreich Selighauer das « Kowe-Denkmal » ordentlich mit Weihwasser eingenässt hatte und die Glocken der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria endlich Ruhe gaben, trat Studienrat Ernst Nonsens ans Mikrophon. In seiner Rede sagte der Dorfchronist: « Lange bevor Gott Adam und seine sündige Gespielin Eva erschaffen hat, schuf er die « Kowe ». Er schuf den weisen Vogel als Hüter der oberen Saar. Als weiser Lehrer der alten Tempelritter zeigte er diesen, wie man auch ohne zu sähen eine reiche Ernte einfahren kann. Unserem verehrten Bürgermeister haben die schwarzen « Kowe » gelehrt, wie die Gießkannen der EU ihren Inhalt reichlich über unserer Gemeinde verteilen ». Lobend erwähnte Studienrat Ernst Nonsens den gelebten Internationalismus der Kowe: « Tagsüber speisen die Vögel der Weisheit bei uns. Hier befruchten sie die Eier ihrer Weibchen und begeistern uns mit ihren Flugkünsten. Die Nächte aber verbringen sie in den nahen Wäldern Ostfrankreichs, um von dort bereits mit dem Sonnenaufgang das « Savoir vivre », den hohen Lebensstil der Franzosen und die Kunst das Leben in vollen Kneipen zu genießen, in unsere Gemeinde zu bringen ». Lang anhaltenden, nicht enden wollender Applaus, erhielt Studienrat Ernst Nonsens für seinen Schlusssatz: « Von den « Kowe » lernen, heißt siegen lernen ».

In Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen wurden die Feierlichkeiten zur Einweihung des ersten « Kowe-Denkmals » an der oberen Saar noch stundenlang fortgesetzt. Die Macht und die Strahlkraft der gelehrten Humpen, inspirierte die Dorfväter und Mütter dazu ihrer Gemeinde noch zahlreiche weitere « Kowe-Denkmäler » zu spendieren. Nachdem Pastor Friedensreich Selighauer bereits frühzeitig die lange Theke in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen, wegen der letzten Ölung für einen Sozi in der Nachbargemeinde Schlemmerbach, verlasen musste, dachte Bürgermeister Lump laut über die Materialbeschaffung für ein monumentales « Kowe-Denkmal » am Ortseingang nach. Mit der Unterstützung von Brandmeister Rohrbruch und der Hilfe von Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss, dem Kommandanten des Großhumpendorfer Heimatmuseums, sollen in einer Nacht und Nebelaktion die Glocken aus den Türmen der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria entfernt werden und für den guten Zweck eines monumentalen « Kowe-Denkmals » am Ortseingang umgegossen werden. Der gesamte Gemeinderat versicherte Bürgermeister Edgar Lump seine uneingeschränkte Solidarität bei der « Operation Glockenspiel »

Au, den 11. Oktober 2007

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