5/3/2007

Großhumpendorf zum europäischen Kulturdorf 2007 gekürt

«So änna wie da Pit hat uns grad noch gefählt, das halt ma jo im Kopp nit aus.»

Von Claude Michael Jung

Das Saarland ist stolz auf Großhumpendorf und wenn es nicht gerade regnet bescheint die Großhumpendorfer Sonne auch großzügig die Häupter aller anderen Saarländer. Zwar streiten sich die Gelehrten immer noch darüber ob das Ei oder das Huhn zuerst auf dem Globus war, aber für den Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump steht fest: «Zuerst war das Dorf, dann kam lange nichts und erst dann folgte die Stadt». Der Wahl voraus gegangen war ein dreitägiger, teilweise verbal radikal geführter Abstimmungsmarathon im Straßburger Europaparlament über die Vergabe des begehrten Titels. Schottische und Baskische Abgeordnete stritten sich mit Letten, Griechen, Sizilianern, Banausen und Friesen über die Frage, welchem Dorf Europas im Jahr 2007 die hohe Ehre zuteil werden sollte. Erst als in Parlamentarierkreisen die Nachricht durchsickerte, der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump werde jedem einen ausgeben der für seine Gemeinde stimmen werde, legte sich der Disput und es kam zu dem einstimmigen Beschluss, «Die Ehre gebührt Großhumpendorf».

Mit Kulturgütern ist die wunderschöne Saargemeinde auch reich gesegnet. Es ist nicht nur die Humpenburg, der Rätschplatz, oder Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen, die für die Jahrtausende alte Kultur dieser wahrlich gesegneten Gemeinde stehen. Da ist zum Beispiel auch die Kuckukshöhe mit der längsten zusammenhängenden Brombeerhecke der Welt, hinter der das Dornröschenschloß steht. «Das Schloßdach ist mittlerweile nicht mehr so ganz dicht, aber das Sofa auf dem das Dornröschen hundert Jahre lang geschlafen hat ist noch in einem recht guten Zustand», sagt der Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens. Zu Dorfkultur Großhumpendorfs gehört auch der hohe Misthaufen vor der Haustür von Bauer Güllerich, der sich rühmt, als einziger Landwirt Europas noch seinen Mist vor der eigenen Haustür zu lagern. Und imposant ist dieser Misthaufen wirklich, monumental jedoch wirkt er erst, wenn der «Alte Fritz» Bauer Güllerichs prachtvoller ,bunter Gockel, von dem seine Hennen nicht nur gutes zu berichten haben; dort in duftender Höhe scharrt und kräht. Europäische Fördermittel sind es auch, die Bauer Güllerich schon vor Jahren dazu veranlasst haben, seine Streuobstwiesen am Nordhang der Kuckuckshöhe umzupflügen und dort Olivenbäume anzupflanzen. Alleine an Investitionsfördermittel erhielt er ein beträchtliches Sümmchen und die jährlichen Subventionen und Beihilfen für die, leider immer noch klimabedingten Ernteausfälle lassen seinen Bargeldbestand bei der Sparkasse jubilieren.

Der europäische Gedanke ist in Großhumpendorf tatsächlich auf fruchtbaren Boden gefallen. Hier wurden die Fördergelder der EU sinnvoll angelegt. Die «Camps-Europa», der Feldweg zum Baggersee hinaus wurde mit Fördermittel der EU zu einer prächtigen Apfelbaumallee umgestaltet. Die hier herangereiften Äpfel sind Grundstoff für den einzigartigen Viez, jenen stark säurehaltigen Apfelwein, der wie kein anderer die Verdauung anregt und als Biomedizin seinen Weg in den Welthandel findet. Da wäre das «Maison Toilette», die öffentliche Bedürfnisanstalt auf dem Rätschplatz, auf deren Dach die Europafahne weht und der Benutzer bei der Betätigung der Wasserspülung in den stereophonen Genuss der Europahymne kommt. Auch über «Karls Gourmetpoint», der einzigartigen Frittenbude nördlich der Alpen weht die Europafahne in deren Mitte ein großer Humpen die Sterne Europas miteinander verbindet.

Musikalisch ist Großhumpendorf ebenfalls dem europäischen Gedanken verpflichtet. «Meister Gottfried» der Organist der Großhumpendorfer Pfarrkirche Sankt Donner und Doria, hat Europa gar eine fünfstündige Sinfonie für 32 Trommeln, sieben Schifferklaviere und einem halben Dutzend Saxophone, gewidmet und dafür bereits vor drei Jahren den hoch dotierten «prix européen pour la musique des chats» den europäischen Preis für Katzenmusik erhalten. Auch das «Baldrianeum», die Großhumpendorfer Grundschule hat ihren gesamten Lehrplan europäisch ausgerichtet. Im Mathematikunterricht erlernen die Schülerinnen und Schüler die Richtlinien zur Vergabe der europäischen Fördermittel. «Wer das intus hat macht garantiert Karriere», sagt Fräulein Zickig, die in strengstem Zölibat lebende Grundschullehrerin, mit überzeugtem Ton in der Brust.

Auf Großhumpendorf, das europäische Kulturdorf 2007 ist sogar der saarländische Landesvater Peter Müller mächtig stolz. Vor seinem versammelten Kabinett hat der Saarpeter angekündigt, für den Fall, dass seine Landeskinder ihn bei der Landtagswahl 2009 aufs politische Altenteil schicken, sich in Großhumpendorf niederzulassen. Studienrat Ernst Nonsens vermerk dazu in seinem Tagebuch: «So änna wie de Pit hat uns grad noch gefählt, dänne halt ma jo im Kopp nit aus».

Au, den 5. März 2007

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