19/1/2007

Orkan Kyrill scheitert kläglich an den Wällen der Humpenburg

Kaum gelbe Säcke vom Winde verweht

Bürgermeister Lump bringt wildem Keiler ein größeres Brandopfer dar

Von Claude Michael Jung

Schwere, teilweise dramatische Schäden hat der Orkan Kyrill in Deutschland angerichtet. In Bayern blies er Ministerpräsident Edmund Stoiber glatt von seinem Sockel und in Berlin riss er tonnenschwere Stahlträger aus dem nagelneuen Hauptbahnhof. Experten vermuten, das die Konstruktion des Prunkbahnhofs der Berliner bereits an Altersschwäche leidet, oder durch Terroristen mit Stahlwürmern verseucht wurde. Wie ein lauer Pups im Frühling musste Kyrill allerdings in der saarländischen Gemeinde Großhumpendorf an der oberen Saar von dannen ziehen. Schaden konnte er hier nicht anrichten.

«Die Schäden sind kaum messbar, im Gegenteil das restliche Herbstlaub ist jetzt vollständig aus den Grünanlagen verschwunden und sämtliche Straßen sind ordentlich gekehrt», sagte Bürgermeister Edgar Lump bereits am frühen Vormittag an der langen Theke in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen. Hier wurde auch vorsorglich das Amt zur Erfassung der Orkanschäden eingerichtet. Es blieb jedoch ruhig, lediglich Pastor Friedensreich Selighauer vermisste seinen Hut. Die vermisste Kopfbedeckung des Gemeindehirten wurde jedoch bereits kurze Zeit später von Trollo, dem etwas zu groß geratenen Michlingshund des streitbaren Gottesmannes am Ufer des Humpenbachs entdeckt. Nachdem Trollo ein klein wenig mit dem Schattenspender seines Herrchens herumgetollt hatte, lieferte er das leicht lädierte Fundstück brav in der Erfassungsstelle für Orkanschäden ab. Gleich fünf Frikadellen gab es als Finderlohn für den guten Hund.

Gegen 9.30 Uhr erschien Fräulein Zickig, die streng zölibatär lebende Grundschullehrerin der uralten Tempelrittergemeinde und berichtete aufgeregt, aber glaubhaft von herum spuckenden Orkangeistern und Winddämonen, welche die zur Abfuhr bereit gestellten gelben Säcke zum Teil umgeworfen oder bis zu einem halben Meter hin und her geschoben hätten. Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens meldete gegen 10.00 Uhr seinen Orkanschaden. Ernst Nonsens, der vor seinem Küchenfenster ein gut gehendes Vogelrestaurant betreibt, beklagt den Verlust sämtlicher ausgelegter Sonnenblumenkerne und berichtet von einer unangemeldeten Hungerdemonstration zahlreicher Amseln, Spatzen und Meisen vor seinem Küchenfenster. Bürgermeister Lump versprach wie immer in solchen Fällen rasche und unbürokratische Hilfe und kündigte an, die wilde Vogeldemonstration von Dorfkater Baldrian, sobald dieser aufgewacht sei, noch im Laufe des Tages auflösen zu lassen.

Meldungen wonach auch einige dürre Äste und Zweige von Bäumen und Sträuchern abgebrochen seien und der alte Wegweiser hinauf zur Humpenburg um glatte zwei Zentimeter verschoben sei, wurden nicht als Orkanschäden anerkannt. Hierfür seien die Jusos aus der, mit Großhumpendorf seit Jahrhunderten verfeindeten Nachbargemeinde Schlemmerbach verantwortlich zu machen, betonte Bürgermeister Edgar Lump.

Das der Orkan Kyrill so kläglich an den Wällen der Humpenburg, samt der Gemeinde Großhumpendorf gescheitert ist, geht letztendlich auch auf das Konto des dicken Adalbert, des Schutzpatrons der schrecklich netten Saargemeinde, zurück. Schon seit dem Mittelalter ist Adalbert, ein sagenhafter, gewaltiger Keiler der Beschützer des Ortes und seiner Bewohner. Bürgermeister Lump, bereits kurz nach Mittag von einem inneren Brand geplagt, hielt die Zeit für gekommen, den Gemeinderat zusammen zu rufen, damit dem dicken Adalbert ein gemeinsames Brandopfer für seine Dienste dargebracht werden könne. Vollständig versammelte sich der hohe Rat im Heimatmuseum vor dem ausgestopften Borstenvieh und opferte bis in den Abend hinein Humpen um Humpen.

Die Opferzeremonie wurde gegen 22.00 Uhr jedoch von einem weiteren urplötzlich aufgezogenem Orkantief abgebrochen. La Rabiata, Edgar Lumps persönliches Tiefdruckgebiet, seine geliebte Ehefrau Elfriede, bekleidet in ihrer Lieblingskittelschürze, ordnete bei Sturmstärke Zwölf das sofortige Ende der ausufernden Opferfeier an. La Rabiata drohte lautstark mit einem heimischen Wintergewitter. Gegen 22.15 Uhr wurde der Orkan Kyrill dann in Großhumpendorf offiziell als laues Lüftchen eingestuft und Bürgermeister Edgar Lump löschte als letzter das Licht im Heimatmuseum. Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens notierte in seinem Tagebuch. «Der nächste Orkan wird in Großhumpendorf wohl nicht mehr in Meter pro Sekunde gemessen, sonder gleich in Promille berechnet werden».

Au, den 20. Januar 2007

GroßhumpendorfGeschichtenwww.saarlandbilder.net