10/8/2006

Das Rätsel um das unbekannte Wesen , «Lemmes» endlich gelöst

Erstmals im Saarland «Lemmes Report» vorgelegt

Von Claude Michael Jung

Seit Jahrhunderten schon sorgt das im Saarland überall bekannte Sprichwort. «Ich glaab, du bischd vum Lemmes gepickt», bei der Denkerelite des Landes für erhebliches Kopfzerbrechen und für Streit unter den Philosophen. Niemand war jemals in der Lage herauszufinden, wer der geheimnisvolle Lemmes eigentlich war, ein Fabelwesen, ein Hirngespinst, oder gar eine Gottheit aus keltischer Vergangenheit... Auch ist es bis gestern ein Geheimnis gewesen warum der Lemmes nur im Saarland vorkommt und keineswegs ein Verwandter des im Erzgebirge herumlungernden Rübezahls ist. Was niemand mehr erwartet hat, wovon niemand mehr gewagt hat zu träumen, das ist jetzt, dank der akribische Arbeit des Großhumpendorfer Dorfchronisten, Studienrat Ernst Nonsens zu Tage gefördert worden.

In seinem jetzt, in Ännchens Kneipe am Großhumpendorfer Dorfbrunnen bekannt gewordenen «Lemmes Report» beschreibt Ernst Nonsens, den Lemmes als den ersten Facharbeiter im Dienstleistungssektor der Saarwirtschaft. Bekannt wurde der damals beliebte Beruf bereits während der Völkerwanderung, als hierzulande die guten Feen, die der Saar Ritterschaft ansonsten das Leben versüßten und die edlen Rittern von den Sorgen des grauen Alltags befreiten, auf völlig unerklärliche Weise immer weniger wurden. Zu den Aufgaben eines geprüften und oftmals auch diplomierten Lemmes gehörte es, seinen Herrn zu unterhalten, ihm den neuesten Klatsch zu unterbreiten und vor allem musste er der perfekter Mundschenk sein, der schon lange bevor der Herr Durst verspürte, das richtige Getränk zur Löschung desselben vorbereitet hatte. Der Lemmes war also kein Barmixer, oder Kellner nach heutigem Verständnis und er war auch kein gewöhnlicher Hofnarr.

Während die alten Germanen ziel und planlos quer durch Europa stolperten, wurden auf der Humpenburg an der Saar, die Trutzburg war damals schon das führende kulturelle Zentrum nördlich der Alpen, die ersten Lemmese in einem der Humpenburg angeschlossenen Klosterinternat ausgebildet. Das Rittergeschlecht der Schlendriane, das der Humpenkultur sein gesamtes Leben geweiht hatte, bildete hier den Nachwuchs für die gehobene Gastronomie aus. Sieben Jahre dauerte die Ausbildung inklusive aller Praktikas. Ein Lemmes musste die Dichtkunst beherrschen, ebenso die Schauspielkunst und er musste sich mit sechs gefüllten Humpen von Deckenleuchter zu Deckenleuchter schwingen können, ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten. Wie Studienrat Ernst Nonsens in seinem «Lemmes Report» dokumentiert, gehörte zu den strengen Regeln der Humpenkultur, damals wie heute, der eherne Grundsatz, lieber einen Ehebruch zu begehen als einen Tropfen kühles Blondes vom Fass zu verschütten. Deswegen wurde auf die akrobatische Ausbildung des angehenden Lemmes am Deckenleuchter auch besonders großen Wert gelegt.

Die Ausbildung endete nach sieben Jahren mit dem «Baccalauréat-Lemmes», dem «Lemmes-Abitur». Bereits bei der Abifeier standen die vornehmsten Damen und Herren Schlange um sich einen Lemmes zu ergattern. Aber noch lange nicht jeder konnte sich ein solches Exemplar leisten, denn ein fertig ausgebildeter Lemmes wurde mit Gold aufgewogen und Kredit oder Ratenkauf war mit den Schlendrianen der Humpenburg nicht zu machen. Hin und wieder waren die Schlendriane auch mal bereit einen Lemmes gegen Naturalien einzutauchen. So tauschte der Emir von Saragossa beispielsweise im Verhältnis Drei zu Eins, drei wunderschöne Frauen gegen einen Lemmes von der Saar ein und befand gegenüber seinem Wesir, ein wirklich gutes Schnäppchen gemacht zu haben. Normalerweise wurden die Lemmese aber nicht exportiert, sonder verblieben ein Leben lang im Kulturbereich der Saar.

Hier sind sie noch immer anzutreffen, aber auch einige wenige Exemplare des original Lemmes kann der Besucher heute in der französischen Hauptstadt Paris antreffen. Dort auf dem «Boulevard Schlendrian», der Prachtstraße welche die «Avenue Humpenbourg» kreuzt, befindet sich das Restaurant «Au bon Lemmes». Dort ruft man nicht wie gewöhnlich «Hallo serveur» oder «Hallo garcon», sondern der einfache Anruf, «He Lemmes, schaff dich e mol bei» genügt, falls der so Angerufene kein Saarländisch versteht. Verlässt man das Restaurant dann wieder froh gelaunt, aufgekratzt und ein wenig betütelt, so kann es durchaus vorkommen, das man selbst in Paris von Passanten freundlich mit den Worten «Ich glaab, du bischd vum Lemmes gepickt» angesprochen wird.

Au, den 10. August 2006

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