1/7/2006

Das Leuchtturmprojekt

Derzeit werden in Großhumpendorf dicke Bretter gebohrt

Von Claude Michael Jung

Überquert man die Saar und biegt danach zweimal scharf nach links ab, so erreicht man das romantische Großhumpendorf. Den Reisenden erwartet ein Ort der Idylle, dessen Ursprünge bis tief hinein in die Steinzeit reichen. Für die Gaumenfreuden ist Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen zuständig. Untergewichtige Mitmenschen können sich bei Ännchen innerhalb weniger Tage um das ein oder andere Kilo Ballast aufstocken lassen. Eine dreiwöchige Kur mit original saarländischen Gerichten reicht aus um gleich mehrere Stufen in der Konfektionsgrößenscala aufzusteigen. Durch das über zwei Jahrzehnte lange, segensreiche Wirken von Bürgermeister Edgar Lump ist Großhumpendorf zu einem wahren Schlaraffenland aufgestiegen.

Das Einwohnerregister verzeichnet die größte Dichte an prominenten Bürgern im ganzen Saarland. Auch ist das Dorf Standort der saarländischen Sommerlochakademie, in der unter anderem Karnevalswissenschaften gänzlich ohne Studiengebühren vermittelt werden. Doch nicht jeder ist willkommen. So wurde einem bekannten Linkspolitiker von der Saar der Bau eines Lustschlosses in Ortsrandlage verweigert. Auch als das saarländische Kabinett einmal unter der Leitung seines Dirigenten Peter Müller in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen tagen wollte, setzten die Großhumpendorfer dem politischen Zirkus ein jähes Ende. Brandmeister Rohrbruch ließ die Sirene auf dem Dach des Spritzenhauses heulen und blies zur Jahreshauptübung der freiwilligen Feuerwehr. Mit blank geputztem Helm und einem C-Rohr in der Hand rückten die Feuerwehrmänner den saarländischen Politclowns auf den Pelz. Die Sitzung fand ein jähes Ende, der Ministerpräsident und seine Gesellen machten sich pudelnass, dafür aber in Windeseile vom Acker, natürlich ohne die Zeche zu zahlen.

Derzeit werden in Großhumpendorf dicke Bretter gebohrt. Von der Fußgängerolympiade, dem 107. Deutschen Wandertag, der vom 2. bis 6. August 2007 im Saarland mit dem Schwerpunkt in Großhumpendorf durchgeführt wird, erwartet Bürgermeister Lump ein nicht unerhebliches Sümmchen für die Gemeindekasse. Einen Antrag auf Fördermittel zur Begrünung der Schlaglöcher auf den Dorfstraßen hat er schon beim Umweltminister gestellt. Auch Mittel für den kreuzungsfreien Ausbau der Großhumpendorfer Jakobswege will er abkassieren. Zaster aus der EU-Kasse wird ebenfalls kräftig sprudeln, denn die Großhumpendorfer wollen für den Großwandertag sogar einen Leuchturm, der den Wanderern den Weg in Ännchens Kneipe weisen soll errichten. «Das Leuchtturmprojekt ist europaweit einzigartig. Noch nie wurde ein Leuchturm im Saarland gebaut, das ist ein besonderes Highlight, davon wird Großhumpendorf gewaltig profitieren» sagte Lump.

Die Humpenburg, im Mittelalter der Stammsitz der Schlendriane, die sich große Verdienste als Tempel- und später zeitweilig auch als Raubritter erworben haben, soll samt der dort lebenden Gespenster renoviert werden und als Herberge für die müden Wanderer hergerichtet werden. Auch Bauer Güllerich will seine Scheune und den Schweinestall als rustikale Herberge für den großen Wandertag herausputzen. Elsbeth, die Sau darf besichtigt werden und Alarisch, der Wallach des Landwirts, soll Fußkranken das Wanderevent erleichtern. Für das geplante Kamel- und Eseltrekking sucht Bauer Güllerich derzeit noch einige kräftige Tiere.

Extra für das Groß-Event wird die Großhumpendorfer Brauerei ein besonderes Dünnbier brauen. Das Lumpenbräu wird überall an den Wanderwegen ausgeschenkt. Selbstverständlich mit einem SOLI für die Dorfverschönerung. Studienrat Ernst Nonsens, der Dorfchronist, hat schon mal ausgerechnet, dass der Geldsegen ausreichen wird den zentralen Kommunikationspunkt des Ortes, den Rätschplatz, auf dem im Sommer auch die heftigen Debatten des Gemeinderats stattfinden, mit italienischem Marmor zu pflastern.

Zu den zahlreichen Prominenten, die in Großhumpendorf leben und wirken zählt auch Oberstleutnant von Bockschuss, der Allerletzte aus dem Geschlecht der Bockschüsse. Er produziert nicht nur Treibhausgase, sondern er ist auch verantwortlich für das Heimatmuseum, an dessen Eingang der «Dicke Adalbert» zu bewundern ist. Adalbert, ein gewaltiger Keiler, war es im Mittelalter, der den französischen König Philip den Schönen nach der erfolglosen Belagerung der Humpenburg über den Haufen gerannt hat, so dass dieser sein ruchloses Leben aushauchen musste und in die Grube fuhr. Zum Dank für die Großtat wurde Adalbert von den Großhumpendorfer bis an sein Lebensende gemästet. Er platzte im hohen Alter und steht seither ausgestopft im Heimatmuseum. Adalbert der Dicke ist neben der Humpenburg das Wahrzeichen der Saar-Gemeinde und zu Adalberts Ehren findet alljährlich der Adalbertmarkt statt, ein dreitägiges Dorffest mit einem weit über die Region bekanntem Fußballturnier. Ein besonderes Ereignis dabei ist die, im Anschluss an das Endspiel stattfindende Massenkeilerei zwischen den Matadoren des FC Dynamo Großhumpendorf und den Ballartisten der mit Großhumpendorf seit Jahrhunderten verfeindeten Gemeinde Schlemmerbach. Der Adalbertmarkt findet wie immer am letzten Augustwochenende statt und wie in jedem Jahr werden auch diesmal wieder Tausende Schaulustige zur bekanntesten Keilerei im Saarland erwartet.

Au, den 1. Juli 2006

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