vorab erschienen im link Saarecho 30/9/2006

Das Erbe der Tempelritter im Saarland (XII)

Edgar Lump und Jacques Chirac in ernster Fehde

Großhumpendorf fordert unverzügliche Auslieferung der Mona Lisa / Wahrscheinlich muß Angela Merkel schlichten

Von Claude Michael Jung

Dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac blieb seine Frühstücksstulle fast im Hals stecken, als er den eingeschriebenen Brief des Großhumpendorfer Bürgermeisters Edgar Lump öffnete und feststellen mußte, dass Lump darin die sofortige Auslieferung der Mona Lisa an die Saar, Gemeinde Großhumpendorf, fordert. In seinem Ultimatum drohte Bürgermeister Lump, im Falle dass Frankreich der berechtigten Forderung Großhumpendorfs nicht nachkomme, mit erheblichem Huddel (neuhochdeutsch: Ärger).

Weiter heißt es in dem eingeschriebenen Brief: "Im goldenen Buch der Gemeinde Großhumpendorf, Band 7 Seite 96, hat sich Anno 1503 der italienische Maler Leonardo da Vinci, der zu einer Badekur im Dorfbrunnen hier weilte, eingetragen und darin die Großhumpendorfer Bürgerin Lisbeth Wirsing mit einer eigenen Widmung bedacht. Seine Lisbeth bezeichnet da Vinci in der Widmung als Mona Lisa und hat seine Mona Lisbeth auch vor dem wildromantischen Hintergrund des mittelalterlichen Großhumpendorf auf einem Stück dünnem Pappelholz, wie es nur am hiesigen Humpenbach vorkommt, gemalt".

Schützenhilfe für ihre Forderung nach Auslieferung, der im Pariser Louvre ausgestellten Mona Lisa erhält die Saargemeinde durch den 76. "Earl of Schlendrian", einem schottischen Adeligen, dessen Stammbaum in direkter Linie zu den einst an der Saar lebenden Schlendriansrittern zurückgeht. Wie "Donald McSchlendrian LXXVI." mitteilt, sei er im Besitz einer weiteren Mona Lisbeth, und der weltberühmte Silberblick der Saar-Schönheit lasse keinen Zweifel an der Identität der damals in Kavalierskreisen als leicht frivol bekannten Großhumpendorfer Gesellschaftsdame aufkommen. Donald McSchlendrian LXXVI. teilt weiter mit, er sei ebenfalls im Besitz kompromittierender Tagebücher der Mona Lisbeth, die Leonardo da Vinci als schamlosen und egoistischen Zeitgenossen bezeichnen. So habe er verlangt, dass sich die blutjunge Lisbeth nackt, trotz herbstlich kühler Temperaturen von ihm in freier Natur malen lassen sollte. Erst die so heraufbeschworene Dauergänsehaut der schönen Lisbeth hat da Vinci dazu gebracht von seinem Vorhaben abzulassen.

Leonardo da Vinci verkaufte das Bild kurz vor seinem Tod achtlos an König Franz I., der es im Schloss Amboise aufbewahrte. In der darauf folgenden Odysse kam die Mona Lisbeth nach Fontainebleau, Paris, Versailles und anschließend in die Sammlung von Sonnenkönig Ludwig XIV.. Nach der französischen Revolution bekam das Bild eine neue Heimat an einer Wand im Louvre. Napoleon Bonaparte, der sich in den Silberblick der schönen Maid von der Saar kopfüber verknallte, nahm es von dort mit und hängte sie samt Rahmen an einen exponierten Platz in seinem Schlafzimmer. Nach der Verbannung Napoleons kam die Mona Lisa dann leider wieder zurück in den Louvre und nicht wo sie eigentlich hingehört, in den Festsaal des Großhumpendorfer Rathauses.

Bereits am 21. August 1911 wurde von Großhumpendorf aus, ein erster Versuch, die Mona Lisbeth nach Hause zu holen, von dem Anstreicher Johann Dirmel gestartet. Johann Dirmel war nachts heimlich in den Louvre gestiegen und hatte das weltberühmte Gemälde mitgehen lassen. Erst zwei Jahre später, am 12. Dezember 1913, tauchte die Mona Lisbeth in einer Vitrine eines Champagnerbarons wieder auf, dem Johann Dirmel das kostbare Gemälde vorübergehend anvertraut hatte. Weil er keinerlei verbrecherische Absichten bei seiner Tat hatte, verurteilte ihn ein Pariser Gericht zu einer Ehrenhaft von sieben Monaten, die Johann Dirmel in einem Bistro nahe der Pariser Großmarkthallen absitzen musste. Als Held gefeiert kehrte er nach seiner Haft nach Großhumpendorf zurück.

Für die kommende Woche erwartet der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump ein Rudel französischer Emissaire, um abzuklären, auf welchem Weg die Mona Lisbeth den Weg in die Saarheimat finden soll. Eigentlich wollte Staatspräsident Jacques Chirac anstatt der Emissaire die "Garde Republicain" samt der "Legion Étranger" (Fremdenlegion) an die Saar schicken, jedoch der französische Generalstab hegte schwere Zweifel am Gelingen eines solchen militärischen Unternehmens. Chiracs militärischer Berater, General Âne wies Frankreichs Staatspräsidenten auf die schwere Niederlage eines seiner Vorgänger im Mittelalter hin. Hier war der französische König Philipp IV, genannt der Schöne, bei der Belagerung der Humpenburg in Gefangenschaft geraten und später vom dicken Adalbert, einem riesigen Keiler über den Haufen gerannt worden. General Âne gab zu bedenken, dass der dicke Adalbert heute der Großhumpendorfer Schutzpatron sei und "Monsieur le Praesedent" das gleiche Schicksal wie einst dem schönen Philipp drohe.

Jacques Chirac will im Angesicht des dicken Adalbert nachgeben und die Mona Lisbeth, wenn auch widerwillig an die Gemeinde Großhumpendorf herausrücken. Auf eine Beschwerde bei Bundeskanzlerin Angela Merkel über Bürgermeister Edgar Lump wegen dessen unkonventioneller Verhandlungsmethoden, will der französische Staatspräsident jedoch nicht verzichten. Derzeit wird der Festsaal des Großhumpendorfer Rathauses für das bevorstehende Ereignis renoviert. Bürgermeister Lump hat von der UNESCO bereits Mittel für 32 Rollen einer himmelblauen Tapete kassiert, um der Mona Lisbeth ein neues, würdiges und endgültiges Heim zu bieten.

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