14/7/2006

Vom Lusttempel mit Swingerclub und Nacktbadestrand

«Vergelt's Dir Gott»

Von Claude Michael Jung

«Es gibt Tage, an denen kann einem der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump schon leid tun», vertraut der Chronist des wunderschönen Saardorfes, Studienrat Ernst Nonsens seinem Tagebuch an. Dieser hatte ihm gerade erst von seinem doppelten Missgeschick erzählt, das ihm ein blaues Auge, nebst einem grün und blau geschlagenen Rücken und einige geprellten Rippen eingebracht hat. Die Blessuren stammen von «La Rabiata», Lumps liebender Ehefrau. Das Lump einige seiner Zähne nun in seinem Hintern Klavier spielen hört, verdankt er allerdings einem linken Aufwärtshaken von Pastor Friedensreich Selighauer: «Was hat den Dorffrieden derartig gestört, das es zu solch einem Zwischenfall, in der ansonsten friedfertigen Gemeinde gekommen ist»

Edgar Lump hatte wohl etwas verfrüht seiner lieben Gattin von dem Beschluss, des Gemeinderates, am Baggersee des Ortes, einen Lusttempel mit angeschlossenem Swingerclub und Nacktbadestrand zu errichten und das gesamte Ensemble der Freude als volkseigenen Betrieb (VEB-Freude) zu betreiben, erzählt. Das war sein erstes Missgeschick, das zweite ereilte ihn, als er die Untat seiner Gattin bei Pastor Selighauer zur Anzeige bringen wollte. «Was denn du Lump, du alter Lustmolsch, Nu...Nu...Nu..gefallene Engel in meiner Pfarrei. «Vergelt's Dir Gott» brüllte der Diener Christi und schon fehlten dem armen Bürgermeister einige Zähne. Das der geplante Lusttempel am Baggersee lediglich die Gewerbesteuereinnahmen in die Höhe schnellen lassen sollte, ließ die «Faust Gottes» nicht gelten.


Hier könnte der große Humpen verborgen sein

Trotz des bürgermeisterlichen Missgeschicks scheint die Sonne über Großhumpendorf und die Suche nach dem großen Humpen, oder dem heiligen Gral wie das gesuchte Trinkgefäss noch genannt wird, läuft auf Hochtouren. Die freiwillige Feuerwehr unter dem Kommando von Brandmeister Rohrbruch taucht zur Zeit im Burggraben der Humpenburg in die Geschichte. Hier im stillen Gewässer, das die Tempelritter schon lange vor der Zeit von «Schlendrian dem Mächtigen» vor allem Ungemach bewahrt hat, liegen nach Brandmeister Rohrbruchs Berechnungen jede Menge Schätze auf dem Grund. Fast drei Jahrtausende Geschichte – von den Phöniziern im siebten Jahrhundert vor Christus bis über die Zeit der großen Schlendriane hinaus, ins heutige Zeitalter der Lumpen. Hier in der Tiefe des Burggrabens wird auch der heilige Gral vermutet.

Die ersten Tauchgänge liefen sehr erfolgreich an. Geborgen wurden zahlreiche zerbrochene Schwerter, einige rostige Morgensterne, und aufgeplatzte Kettenhemden in Übergröße, sie stammen mit großer Wahrscheinlichkeit von Tempelritter Schlendrian dem Mächtigen. Verbeulte Helme und Kochtöpfe wurden ebenso ans Tageslicht gebracht, wie aufgebrochene Keuschheitsgürtel in größerer Stückzahl. Neben Lanzen und Speeren tauchte auch das, vor Jahren über Nacht auf geheimnisvolle Weise aus dem Spritzenhaus verschwundene Feuerwehrauto, der mit Großhumpendorf verfeindeten Nachbargemeinde Schlemmerbach, wieder auf. Damals ermittelte die Polizei in alle Richtungen, wie in solchen Fällen jedoch üblich, ohne jeden Erfolg. Ein Revolverblatt behauptete sogar, die Großhumpendorfer hätten mal wieder eine Razzia in die Umgebung gestartet. Das verlogene Kampfblatt konnte seine dreiste Behauptung jedoch nicht belegen, zumal alle Großhumpendorfer ein beglaubigtes Alibi von Pastor Selighauer hatten.

Allabendlich rollen nun die Bollerwagen und Schubkarren mit den Schätzen in das, unter der Leitung von Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss stehende Heimatmuseum. Noch vor Einbruch der herbstlichen Schlammperiode soll auch der heilige Gral zu Tage gefördert werden. Doch so reichhaltig auch die Schätze unter Wasser sind, im Grunde genommen handelt es sich lediglich um die Müllkippe der illustren Ritterschaar, die einstmals hier versammelt war, das vermutet der Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens, doch aussprechen darf er seine Vermutung nicht, sonst könnte die Motivation zur Suche nach dem großen Humpen verloren gehen.

Unterdessen hat die saarländische Landesregierung ein Gesetz zum Schutz für Unterwasserschätze erlassen. Darunter fallen zum einen die bereits bekannten archäologischen Fundzonen und zum anderen die Gebiete, wo Funde vermutet werden, somit auch der, die Humpenburg umziehende Burgraben. Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss ist bereit einige der Fundsachen an die gierige Landesregierung auszuhändigen. Darunter sind alleine elf emaillierte Nachttöpfe, ein komplettes, einsatzbereites Kreuzrittergebiss, ein altes aber noch fahrtaugliches Dreirad mit Klingel, sowie weitere Tempelritterutensilien, alleine sechs Handgranaten, sieben Pfandflaschen und acht leere Bierdosen mit mittelalterlichen Motiven und immerhin noch gut lesbaren Preisschildern von ALDI.

Au, den 14.Juli 2006

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