3/4/2007

Bürgermeister Edgar Lump zum «Man of the Millennium» gekürt

Dank «Bolkestein-Hammer» sind erotische Bildungskurse in Großhumpendorf bald für jedermann zugänglich

Von Claude Michael Jung

Zum «Man of the Millennium» kürte das amerikanische TIME-Magazin den Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump. Angesehene deutsche und europäische Zeitungen bezeichnen Edgar Lump als Tausendsassa, als Hans Dampf in allen Gassen Europas und «Einstein der Abzockkünstler». Fürwahr, die an der oberen Saar gelegene uralte Tempelrittergemeinde kann stolz sein, einen Bürgermeister wie Edgar Lump an ihrer Rathausspitze zu haben. Edgar Lump hat es als erster Bürgermeister Europas fertiggebracht der europäischen Kuh (EK) in Brüssel eine sechsstellige Summe für den Bau eines gemeindeeigenen Bordells aus dem Euter zu locken.

In einem, an die Brüsseler Eurokratie gerichteten, stark parfümierten Schreiben auf rosa Briefpapier kündigte Bürgermeister Lump der EU an, seine Gemeinde wollte jährlich im geplanten «maison des anges» (dt. Haus der Engel) eine internationale Buchmesse mit erotischer Literatur veranstalten. Ferner sei eine Dauerausstellung erotischer Gemälde klassischer Meister in Planung. Auch sei es der Wille seiner Kommune das Freudenhaus zu einem Tempel der erotischen Kunst im Herzen Europas zu machen und erotische Bildungskurse für jedermann anzubieten. Als Bürgermeister Edgar Lump gemeinsam mir der künftigen Direktorin des Etablissements der Freude, Beatrice Décolleté und der Roten Zora, der kämpferischen Vorsitzenden der Großhumpendorfer Frauengewerkschaft GFG in Brüssel auftauchte, ergossen sich Europas Fördermittel reichlich und in einer nie da gewesenen Dimension in die Großhumpendorfer Gemeindekasse.

Als Gegenleistung versprach Edgar Lump sämtlichen Parlamentariern, Beamten und Kommissaren des großen europäischen Zirkusunternehmens (GeZ) einen dreiprozentigen Rabatt auf alle Dienstleistungen des «maison des anges» einzuräumen. Ferner wurde ein Vertrag unterzeichnet, wonach sich die Gemeinde Großhumpendorf als Bauherr und Betreiber des europäischen Palais der erotischen Künste verpflichtet, das Bauvorhaben nach den Vergaberichtlinien der EU öffentlich auszuschreiben.

Dank des «Bolkestein-Hammers», der so genannten Bolkestein-Richtlinie zur Liberalisierung der Dienstleistungen in Europa konnte der Großhumpendorfer Heimwerkermeister Emil Bossler mit Hilfe eines mittelprächtigen Bakschischs innerhalb weniger Stunden in Rumänien die «Transsylvanische Bossler GmbH» gründen und mit einem Schnäppchenangebot sämtliche Mitbewerber ausstechen. Billige und fleißige Arbeitskräfte gab es auch gleich vor Ort und als Bauarbeiter in Großhumpendorf, der Gemeinde mit Herz und Schmackes arbeiten zu dürfen ist mehr als nur eine Ehre.

Insgesamt, so hat der Großhumpendorfer Chronist, Studienrat Ernst Nonsens ausgerechnet, entstehen bei voller Auslastung des «maison des anges» 60 neue Arbeitsplätze an der oberen Saar. Praktikantinnen und Ein EURO- Joberinnen hat die ARGE Saarbrücken auch bereits in größeren Mengen zum Dienst am Mitmenschen vorbei geschickt. Das Casting durch Bürgermeister Lump fiel allerdings auf Intervention der Roten Zora ins Wasser. Zora Klamm drohte mit einem Generalstreik der Großhumpendorfer Frauen und mit totalem Liebesentzug auf unbestimmte Zeit. Als die Rote Zora gar mit einer Schließung und Besetzung von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen drohte, mussten sich Bürgermeister Lump unter dem Gelächter von Pastor Friedensreich Selighauer und seiner geliebten Gattin «La Rabiata» geschlagen geben. Für die dreiste, von Zora Klamm als sittenwidrig bezeichneten Jobangebote der ARGE Saarbrücken, wird sich die Großhumpendorfer Frauengewerkschaft GFG Anfang kommender Woche revanchieren und eine Wagenladung Schweinemist vor dem Eingang der Saarbrücker Armutsverwaltung abkippen. «Für die stinkenden Fördermittel fordern wir keinerlei Gegenleistung» so die Rote Zora.

Au, den 3. April 2007

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