28/10/2006

Optische Telegraphenstation

Optische Telegraphenstation auf der Großhumpendorfer Kuckuckshöhe läutet das moderne Rundfunkwesen an der Saar ein

Mit der Eilmeldung aus Mainz, das dort mal wieder massenhaft gepanschter Wein im Umlauf sei, wurde bereits am 22. Mai 1813 der Rundfunkbetrieb an der Saar aufgenommen.

Von Claude Michael Jung

Jahrhunderte lang begnügte sich das Volk der Franzosen mit einem Königspaar an seiner Staatsspitze. Das Volk lies sich knechten und hungerte sogar für das Wohlergehen seiner Monarchen. Dann aber wollte Königin Marie Antoinette die Gemahlin des Ludwigs mit der Nummer sechszehn den Hunger ihrer Landsleute reformieren und empfahl ihnen, falls mal wieder kein Brot vorhanden sei, einfach Brioche (Kuchen) zu essen. Jetzt schlug's dreizehn und die große Revolution brach im Jahr 1789 aus. Die erbosten Franzosen erlaubten sich, ihrem ehemals erlauchten Königspaar die Rübe von den Schultern zu entfernen und lebten fortan lieber in einer Republik.

Jedoch mit der Republik war das so eine Sache und ohne Monarchen an der Spitze kam keine richtige Freude mehr auf, man sehnte sich von Calais bis Toulon nach einem höheren Wesen und mit Napoleon Bonaparte glaubte man den Richtigen gefunden zu haben. In der Kathedrale Notre Dame de Paris krönte sich dieser am 2. Dezember 1804 nicht mehr zum König, sonder gleich eine Nummer höher, zum Kaiser. Unter Napoleons Führung wuchs Frankreich zur Grande Nation, vermehrte seinen Reichtum und die Zahl seiner Feinde gleich mit. Im Jahre 1813 wurde Frankreich immer mehr durch eine Invasion seiner reaktionären Gegner aus London, Wien und Berlin bedroht. Napoleon und seine Marschälle mussten schnell wissen, was der Feind an ihren Grenzen trieb und so wurde zur schnellen militärischen Nachrichtenübermittlung eine optische Telegraphenlinie von Metz und Straßbourg nach Mainz eingerichtet. An der Saar wurden zu diesem Zweck Stationen auf dem Hoxberg bei Lebach sowie auf dem Litermont bei Nalbach eingerichtet. Das Hauptrelais aber, das den Verkehr zwischen Metz und Straßburg koordinierte wurde auf der Großhumpendorfer Kuckuckshöhe installiert. Als Ausgleich für Kost und Logie der französischen Fernmelder verlangten die Großhumpendorfer Bürger die Nutzung der revolutionären Technik für private Zwecke, ein Ansinnen das Napoleon auch mit seiner Unterschrift unter den Großhumpendorfer Guggfunkvertrag persönlich genehmigte.

Mit der Eilmeldung aus Mainz, das dort mal wieder massenhaft gepanschter Wein im Umlauf sei wurde bereits am 22. Mai 1813 der optische Rundfunkbetrieb an der Saar aufgenommen. Bereits eine Stunde später traf aus dem Elsaß der Vorschlag ein, die Weinpanscher in der eigenen Brühe zu ersäufen und aus Metz kam der Befehl den gesamten gepanschten Weinbestand zu konfiszieren und den Feinden zu kredenzen. Alles klappte wie am Schnürchen.

Das neue Medium, der Saarfunk begann zu boomen, alle wollten mal ein paar schöne Grüße senden und so wurde an der Saar das erste Wunschkonzert der Rundfunkgeschichte aus der Taufe gehoben. Militärisch spielte der Guggfunk in seiner Anfangsphase eine eher untergeordnete Rolle. Zwar wurde in Metz bekannt gemacht, dass der in Mainz stationierte Leutnant Jean du Kotelett aus Limoges der Krämerstochter Edeltraut aus dem Vorort Kastell bereits zum dritten strammen Jungen verholfen hat und General Jerome du Pantalon sandte aus Metz seine besten Wünsche zum freudigen Ereignis zurück.

Zu Beginn des Jahres 1815 mussten die französischen Fernmeldeeinheiten, bedingt durch den privaten Mitteilungsrausch an der Saar sogar verstärkt werden und im Juni 1815 versank die Meldung, das ein preußisches Heer unter Marschall Blücher sich der Westgrenze Frankreichs näherte fast gänzlich in der Flut der Mitteilungen von Haus zu Haus. Zwar hatte Mainz die preußischen Truppenbewegungen gemeldet, aber bereits in Bad Kreuznach war die Armee Blüchers auf Regimentstärke zusammengeschmolzen. Hoxberg und Litermont meldeten noch ein paar verirrte Preußen zu Fuß unter einem Korporal namens Blücher und in Metz wurde bekannt, das in Großhumpendorf der Bierpreis gefallen war. So stolperte Napoleon ahnungslos in die Falle von Waterloo. Die letzte Schlacht des großen Korsen begann am 18. Juni 1815, ohne das dieser ein klares Gefechtsbild besaß. Das optische Radio auf der Großhumpendorfer Kuckuckshöhe meldete an diesen Morgen ein Tiefdruckgebiet mit Regen und Sturmboen aus Belgien in Richtung auf das Rheinland und das Regionalstudio Großhumpendorf wusste in seiner Sendung "Ei gugg e mol do" zu berichten, das der Herzog von Wellington sich bei Waterloo einen Schnupfen zugezogen hat.

Au, den 28. Oktober 2006

GroßhumpendorfGeschichtenwww.saarlandbilder.net
Optische Telegraphenstationen im Saarland