vorab erschienen im link Saarecho 9/8/2006

Das Erbe der Tempelritter im Saarland (II)

Hat Oskar Lafontaine den Heiligen Gral?

Heerscharen von ehrenamtlichen Archäologen pflügen das Land um die Humpenburg um / Peter Müllers schlechte Erfahrungen mit Trollo

Von Claude Michael Jung

Nach der Fußballweltmeisterschaft beherrscht die Suche nach dem heiligen Gral die Gemüter der Saarländer. Rund um die Humpenburg, jener mittelalterlichen Kreuzritterfestung nahe der Saar-Gemeinde Großhumpendorf, befindet sich derzeit die größte archäologische Ausgrabungsstätte des lieblichen Saarlands. Im Umfeld der Trutzburg, von der aus im Mittelalter "Schlendrian der Mächtige", ein echter saarländischer Tempelritter von Format, die Geschicke der Saar-Region dirigierte, wird nach gesicherten Überlieferungen der Heilige Gral, die Saarländer nennen die Reliquie den großen Humpen, vermutet.

Mächtig viel Staub wird aufgewühlt, wenn zahllose ehrenamtliche Schatzgräber - unterstützt durch ein Heer von 1-Euro-Jobbern - rund um die Humpenburg in der Erde wühlen. Gefunden wurden bisher allerdings nur leere Bierdosen, die jedoch in großer Stückzahl, sowie andere Hinterlassenschaften der Neuzeit. Auch einige achtlos nach Gebrauch weggeworfene Kondome gab das Erdreich wieder frei.

Selbst der saarländische Ministerpräsident Peter Müller, der sich als legitimer Nachfolger von Tempelritter Schlendrian dem Mächtigen betrachtet und es wohl auch ist, legt sich bei der Volksbuddelei eigenhändig ins Zeug. Dem Landesvater, wurde sein Fund jedoch zum Verhängnis. Der Saarpeter hatte in ca. 15 Zentimeter Tiefe einen geheimnisvollen Knochen freigelegt und sich dabei die Aufmerksamkeit von Trollo zugezogen, dem etwas zu groß geratenen Mischlingshund des Großhumpendorfer Pastors Friedensreich Selighauer. Trollo, der im Schatten eines Nussbaums in der Nähe der Ausgrabungsstelle friedlich döste, erhob Anspruch auf den dort vergrabenen Suppenknochen.

Der ansonsten lammfromme Trollo hob zuerst langsam seinen Kopf, runzelte die Stirn, und nur einen Sekundenbruchteil später musste der Saarpeter, Zeter und Mordio schreiend, mit erheblichen Verletzungen an seinem Hinterteil aus dem Gralsturnier ausscheiden. An welcher Stelle Trollo seinen vor dem Zugriff des Saar-Ministerpräsidenten geretteten Suppenknochen wieder der Erde anvertraute, hat der gute Hund bisher niemanden zugebellt. Pastor Selighauer warnt jedoch sämtliche Glücksritter davor, sich der Stelle zu nähern und legt Wert auf die Feststellung, dass das Buddeln dort nur auf eigene Gefahr, respektive nur mit dem Segen Trollos gestattet sei.

Wer ist der legitime Nachfolger Parzifals, Schlendrians und der anderen Gralsritter? Wo wird der heilige Humpen, sollte er gefunden werden, künftig aufbewahrt werden? Darüber ist weit über Großhumpendorf hinaus ein heftiger Streit entbrannt. Der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump beansprucht das Gefäß für seine Kellerbar, und Pastor Selighauer will den Humpen in seiner Sakristei deponieren und sonntags seinen Schoppen vor dem Hochamt daraus trinken. Auch Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss, der Kommandant des Großhumpendorfer Heimatmuseums, erhebt Anspruch auf die größte Reliquie der Christenheit. "Der Gral gehört ins Heimatmuseum und somit unter meinen Schutz", sagte er schneidig in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen. Worte, die keinen Widerspruch duldeten.

Übereinstimmung herrscht allerdings in Großhumpendorf darüber, dass die saarländische Landesregierung keinesfalls in den Besitz des großen Humpen gelangen darf. Befürchtungen, die Landesregierung könne den goldenen Humpen ebenso wie in der Vergangenheit das Tafelsilber der Saarländer einfach verscherbeln, wurden laut, und diese Sorge einigte die ansonsten zerstrittenen Honoratioren der Saar-Gemeinde.

Wie schwere Gewitterwolken überlagert derzeit ein Gerücht die Ausgrabungsarbeiten rund um die Humpenburg. Laut Gerüchteküche soll Oskar Lafontaine schon in seiner Zeit als Juso-Chef im Land den Gral in aller Stille geborgen haben und seither so manchen guten Tropfen aus dem goldenen Humpen durch seine Kehle gekippt haben. Wie Fräulein Zickig, die pensionierte, streng zölibatär lebende Lehrerin des romantischen Saardorfes allen erzählt, will sie den Lümmel Oskar dabei gesehen haben, wie dieser nachts heimlich mit einem Spaten bewaffnet um die Humpenburg herum geschlichen sei und dabei gurrende Laute, unverständliche Verse und Formeln von sich gegeben haben soll. Dementiert hat Oskar de la Sarre das Gerücht bisher nicht, und so sind schreckliche Dinge zu befürchten. Nach Fräulein Zickigs Meinung hat der Saar-Oskar den Gral geschändet, ihn bei seinen Gelagen mit den Genossen geteilt, ja ihn sogar seinem roten Bruder Gregor Gysi mehrmals gereicht haben.

In der "Angelegenheit Lafontaine" will Pastor Friedensreich Selighauer sich jedenfalls Klarheit verschaffen. Er hat Oskar Lafontaine zum Verhör am kommenden Samstag in seinen Beichtstuhl vorgeladen. Dort muss Oskar sich einem peinlichen Verhör durch den streitbaren Gottesmann unterziehen und seine Untat bekennen. Absolution für den Frevel wird es keinesfalls geben, darüber ist man sich in Großhumpendorf sicher. Wie Pastor Friedensreich Selighauer am Hochaltar, wie er den langen Tresen in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen nennt, verkündete, verlangt er von Oskar brutalst mögliche Aufklärung über den Verbleib des heiligen Humpens.

Anderen Gerüchten, wonach der Heilige Gral sich in Berlin befindet und dort als Spendenbüchse der WASG für den Berliner Wahlkampf dienen soll, wird in Großhumpendorf keinerlei Glauben geschenkt. Die Saarländer sind schließlich Realisten.

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