5/8/2006

Quintus Optimus

Wie das optimierte römische Kussrecht in Kraft trat

Von Claude Michael Jung

In jenen Tagen, als Pontius Pilatus Statthalter des römischen Kaisers Tiberius in der Provinz Judäa war und dort, das damals noch nicht so ganz heilige Land, mehr schlecht als recht regierte, herrschte in der Saarprovinz der Präfekt (Statthalter) Quintus Optimus. Damals wie heute war Saabrigge die Capitale (Hauptstadt) der nettesten und freundlichsten aller römischen Provinzen. Vom lieblichen Westhügel Saabrigges aus, der heutigen Bellevue, regierte Quintus Optimus die Saarländer zu deren vollster Zufriedenheit. Zwar waren die Saarländer damals, wenigstens die meisten, noch richtige Heiden, und Quintus Optimus ein Diktator, aber bei seinem Saarvolk war er beliebt, beliebter jedenfalls, als die heutige Landesregierung, weil er sich mit dem Zehnten zufrieden gab und nur seine eigenen Zitronen auspresste.

Quintus Optimus war von Gestalt her eher etwas mickrig, er hatte eine zu lange Nase und Sommersprossen im Gesicht. Seine Stimme hatte nichts gebieterisches, ja man könnte sagen er hatte eine Fistelstimme. Besonders ausgeprägt waren seine Plattfüße, die ihm einen etwas schwankenden Gang bescherten, so das er bei keinem der unzähligen Dorffeste besonders auffiel. In römischer Zeit waren die Dorffeste an der Saar nicht nur der Trunksucht und der Völlerei gewidmet, sondern es wurde auch ein zünftiger Sklavenmarkt zu den Klängen der Dorfmusik abgehalten. Zur Versteigerung kamen die während des Jahres eingefangenen Beutegermanen aus der Pfalz, die sich als Sklaven der Saarländer allergrößter Beliebtheit erfreuten.

Seinen Feriensitz hatte Quintus Optimus allerdings nicht in der Capitale der Saar, oder gar an der Mosel, sondern in Großhumpendorf, dem damals schon romantischsten aller Saar-Dörfer. Bei Aufräumungsarbeiten im Bierkeller von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen wurde jetzt ein Mosaik freigelegt, das Quintus Optimus gemeinsam mit Schlendrianus Lumpus, dem Urvater der späteren Schlendriansritter und Begründer der Lumpendynastie, die heute noch Großhumpendorf als Bürgermeister regiert, beim gemeinsamen Bad im Dorfweiher zeigt. Auch zahlreiche römische Aktenordner kamen beim Entrümpeln zum Vorschein. So konnte der Großhumpendorfer Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens ein weiteres Kapitel seiner Dorfchronik zu Papier bringen.

Quintus Optimus, der genau wie der heutige Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump nach dem Wahlspruch «Lasst Euch nicht Lumpen, leert die Humpen», lebte hatte einen hohen Anspruch an das damalige römische Recht. Gemeinsam mit seinem Freund Schlendrianus Lumpus verfasste er das römische Weinrecht, das vorsah alle Weinpanscher zum Ruderdienst auf die Galeeren zu verbannen. So konnten die Weltreisenden beispielsweise auf der Schnellgaleere «Rhenania Palatina», die im Liniendienst zwischen Pompey und Alexandria verkehrte, die Rudersklaven jederzeit in diversen Pfälzer und rheinhessischen Dialekten anfeuern. Großhumpendorf, war aber nicht nur ein Zentrum der römischen Rechtswissenschaften, sondern geprägt durch Schlendrianus Lumpus und Quintus Optimus war das einzigartige Saar Dorf auch ein Zentrum der Philosophie. Beide gelten als Begründer, der in Großhumpendorf beheimateten saarländischen Sommerlochakademie und Verfasser zahlreicher Lehrbücher über Karnevalswissenschaften und Thekenphilosophie.

Der Römer Quintus Optimus und Schlendrianus Lumpus waren die ersten, die aus dem Recht eine Wissenschaft machten. Diese römische Rechtswissenschaft erlebte ihre Blütezeit in Großhumpendorf schon in den beiden ersten Jahrhunderten nach Christus. So wurde in der guten Stube auf dem Humpenkastell, der bescheidenen Hütte von Schlendrianus Lumpus unter anderem festgelegt, das ein gestohlener Balken, der bereits wieder verbaut ist, nicht eigenmächtig von seinem ehemaligen Besitzer entfernt werden darf. Zur Strafe für einen begangenen Rückklau war ebenfalls ein mehrjähriger Paddeldienst auf einer Saar-Galeere vorgesehen. Für das römische Balkenrecht gab es auch einen gewichtigen Grund. Quintus Optimus hatte auf der Suche nach geeignetem Bauholz für seine Großhumpendorfer Datscha rund ein Dutzend schwerer Eichenbalken in der Ortschaft Schlemmerbach, einem damals wie heute unbedeutenden Nest in der Nähe, mitgehen lassen. Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens, hat festgestellt, das diese Balken heute noch existieren und obwohl sie den Unterbau für den großen Tresen in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen bilden, sich keineswegs verbogen haben. Studienrat Ernst Nonsens wertet dies als ein Zeichen, das in Großhumpendorf am «Tresen der Wahrheit» von der Antike bis heute niemals gelogen wurde.

Das optimierte römische Kussrecht, ebenfalls von Quintus Optimus und Schlendrianus Lumpus verfasst verhalf beiden bei Kaiser Tiberius zu hohem Ansehen. Tiberius probierte sämtliche Paragraphen persönlich aus und war begeistert von dem, was in seiner Saarprovinz entstanden war. Getreu dem Motto, am siebten Tag soll der Mensch ruhen war das küssen an Sonntagen im gesamten römischen Imperium verboten. Wer unrasiert eine Frau küsste musste 30 Silberlinge an die Staatskasse berappen und wer die gesetzlich vorgeschrieben Kussdauer von mindestens fünf Minuten nicht einhielt, musste für 30 Tage einen Nachschulungskursus in Sachen Kuss absolvieren. Eine Kusspflicht für Männer, die mit ihren Bräuten die Nacht verbrachten sah vor, diese bei Sonnenaufgang wach zu küssen. Die Kusspflicht endete erst mit der Hochzeit des Brautpaares und galt dann als sogenanntes «Kann- Gesetz», das dann jedoch aus humanitären Gründen keinerlei Strafe mehr vorsah. Auch wurde es gesetzlich untersagt, sich vor einem Tempel zu küssen, wenn dieser der Göttin Venus geweiht war.

Kaiser Tiberius berief das große Duo der Rechtswissenschaften an seinen Thron, damit im römischen Reich ein dringend notwendiges Sex und Flirtgesetz in Kraft treten konnte. So wurde das fluchen beim Sex unter Strafe gestellt, die Zähne musste vorher geputzt werden und wer seine Frau mit einem Liebhaber im Bett erwischte, hatte im Imperium Romanum bei der Bestrafung die Qual der Wahl. Entweder konnte er den Liebhaber eigenhändig, samt untreuer Ehefrau umbringen oder seiner Frau die Nase abschneiden und den Liebhaber kastrieren. Das Optimus-Schlendrianus-Gesetz erlaubte beides.

Quintus Optimus und Schlendrianus Lumpus starben gemeinsam in einer Taverne an der Via Appia antica. Ein Deckenbalken stürzte herab und begrub die großen Rechtswissenschaftler unter sich, gerade als beide an einem Regularium zur Optimierung der damals gebräuchlichsten politischen Lügen arbeiteten. Schlendrianus Lumpus wurde einbalsamiert und in einem Fass in seine große Saar-Heimat verbracht. Begraben ist er im großen Ahnenkeller der Humpenburg.

Au, den 5. August 2006

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