20/10/2006

«Rausch der Völker» in Großhumpendorf

Humpenbräu und nichts als Humpenbräu

Von Claude Michael Jung

Die Großhumpendorfer Brauerei hält erneut ihren Marktanteil an der oberen Saar konstant bei 100% aller durch die Kehlen gekippten Gerstensäfte. Fremdbiere, Übelerzeugnisse auswärtiger Gerstensaftproduzenten sind in Großhumpendorf so gut wie unverkäuflich. Erst vor wenigen Wochen wurde ein unerfahrener Tourist, der ein Markenpils aus der Eifel in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen orderte, als Ketzer der heiligen Großhumpendorfer Braulehre an die Gemeindegrenze abgeschoben und gilt von nun an als "Persona non grata", als unerwünschte Person. Auf ihn wartet jetzt ein Bußgeldbescheid wegen Beleidigung des Großhumpendorfer Ansehens im Universum.

"Humpenbräu und nichts als Humpenbräu", das ist das Credo von Bürgermeister Edgar Lump, der als uneingeschränkter Herr, der bereits seit Jahrhunderten im Gemeindebesitz befindlichen Brauerei, das Unternehmen zum größten Arbeitgeber seiner liebreizenden Gemeinde geführt hat. Im Ranking der Großverbraucher der kommunalen Brauerei liegt Bürgermeister Edgar Lump schon seit einigen Jahren unangefochten an der Spitze, immer dicht gefolgt und bedrängt von Pastor Friedensreich Selighauer und dem Dorfchronisten Studienrat Ernst Nonsens. Das "Promille-Trio" hat sich weit über die Großhumpendorfer Region hinaus als Werbeträger des weltbekannten Humpenbräu von der oberen Saar einen Namen gemacht. Hier wird unter Beweis gestellt, dass die Bierwerbung völlig ohne, aus engen Dirndeln hervorquellenden, drallen Busen auskommt.

Selbst der Goßhumpendorfer Arzt, Schauspieler und Bergsteiger Dr. Hubert Engerling konnte sich nach jahrelangen Selbstversuchen attestieren, dass das kühle Humpenbräu nicht zu einem Bierbauch führt und ein, durch die Großhumpendorfer Krawallbrause bedingter Vollrausch, keinesfalls ein unkontrolliertes Torkeln verursacht. Aus Doktor Engerlings Expertise erfahren wir: "Der Vollrausch, bedingt durch den Genuss der Großhumpendorfer Krawallbrause hat mich in meiner jahrzehntelangen Praxis niemals unkontrolliert torkeln lassen. Es kam lediglich zu einem leichten Linksdrall auf der Straße und den Gehwegen, in wenigen überschaubaren Einzelfällen zu kleineren Stürzen, die jedoch immer glimpflich verliefen". Nach Aussagen seiner Assistenten ist Dr. Hubert Engerling bei seinen Stürzen stets sanft mit dem Kopf voraus gekippt und hat dabei in fast allen Fällen in einer Pfütze sein Bewusstsein rasch wiedererlangt.

Verlautbarungen aus Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen zufolge, will die Großhumpendorfer Brauerei im kommenden Jahr stark expandieren. So konnte bereits ein Vertrag mit der " Brasserie municipale de Sarreguemines", der einzigen kommunalen Großgaststätte in Ostfrankreich abgeschlossen werden. Aber auch Nordkorea ist in den Focus des Großhumpendorfer Brauereimanagements geraten. Eine erste Probelieferung, ein dreißig Liter Fässchen "Atombrause", wurde vom dortigen Machthaber Kim Jong Il auf einen Rutsch verputzt und mit einem zufriedenen Rülpser für phantastisch befunden. Für die bevorstehenden Großhumpendorfer Bockbiertage wollen, wie der Kremel in Moskau und der Buckinghampalast in London, unabhängig voneinander bestätigten, Russlands Präsident Wladimir Putin und die englische Königin Elisabeth II. samt Familien zum "Rausch der Völker" in die tolle Saargemeinde reisen und sich im sportlichen Wettstreit miteinander messen.

Optimistisch schauen die Großhumpendorfer Braumeister in die Zukunft. Man wachse pro Jahr um 15 Prozent, während die Biergiganten Europas in der Gunst der Konsumenten immer weiter ins Hintertreffen geraten. "Die internationalen Bierriesen panschen immer mehr hochprozentige Säfte und bierfremde Zutaten in ihr Gebräu hinein, die Konsumenten dagegen leiden oft tagelang unter Kopfschmerzen und Übelkeit nach einer Sause mit dem Gesöff des Teufels", so der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump im Grußwort der neuesten Ausgabe des "Humpenreport", des auflagenstärksten Biertrinkermagazins im deutschsprachigen Raum. Dort heißt es auch: "Lasst Euch nicht lumpen, leert die Humpen -Prost".

Au, den 20. Oktober 2006

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