29/9/2006

Sauberes Großhumpendorf

"In Saabrigge gäbt's nur Wutze"

Von Claude Michael Jung

Von Großhumpendorf lernen, heißt siegen lernen", ist in Stein gemeißelt über dem Eingangsportal des Großhumpendorfer Rathauses zu lesen. Gerade erst wurde die vorbildliche Saargemeinde mit dem europäischen Dorferneuerungspreis 2006 ausgezeichnet. Besondere Ehre wurde dabei Bürgermeister Edgar Lump zuteil. Ihm sprach die Jury eine "lobende Anerkennung für besondere Leistungen" aus. Das hat die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung jetzt offiziell mitgeteilt. Insgesamt hatten sich in diesem Jahr 30 Länder bzw. Regionen mit einem eigenen Projekt für den europäischen Dorferneuerungspreis gemeldet den Grand Prix für das beste rundum erneuerte Dorf räumten aber die Großhumpendorfer wie erwartet ab.

Die internationale Bewertungsjury hatte Großhumpendorf im Mai bereist und sich vor Ort über die Aktivitäten und Projekte im Rahmen der Interkommunalen Dorfentwicklung der lieblichen Saarkommune informiert. "Meinen Dank und meine große Anerkennung gelten allen Bürgerinnen und Bürgern Großhumpendorfs, die sich mit viel Engagement für die Teilnahme am Dorferneuerungspreis eingesetzt haben. Allen voran danke ich Herrn Bürgermeister Edgar Lump" goutierte Saar-Umweltminister Stefan Mörsdorf voller Stolz.

Und in der Tat, die Großhumpendorfer haben es unter der Führung von Bürgermeister Lump geschafft, der internationale Bewertungsjury ein an Pracht und Herrlichkeit nicht mehr zu überbietendes potemkinsches Dorf aus alten Kulissen der Großhumpendorfer Kreuzritterfestspiele vorzuführen. In der Preisbegründung der Jury für die Bewertung Großhumpendorfs heißt es: "Besonders anzuerkennen sind die breite Bürgerbeteiligung und das Engagement, mit dem das Projekt gestartet wurde. Interessant und gelungen sind die mit viel Eigeninitiative entstanden Gemeinschaftshäuser, wie die neue öffentliche Bedürfnisanstalt mit TV-Empfang und Internetanschluss auf dem Großhumpendorfer Rätschplatz, sowie der Bau zahlreicher Schutzhütten mit Gastronomieservice." Der Europäische Dorferneuerungspreis stand in diesem Jahr unter dem Motto "Wandel als Chance". Ziel des Europäischen Dorferneuerungspreises war es, unter Berücksichtigung des ökonomischen und kulturellen Kontextes, besonders herausragende Aktivitäten und Initiativen zu prämieren.

Eine weitere besondere Anerkennung fand die, von Bürgermeister Lump initiierte flexibilisierte Flatrate für die Biergärten der Gemeinde. Hier gibt es das Jahresticket, ein Monats und sogar ein Wochenendticket. Die Jury war weiterhin der Ansicht das Großhumpendorf noch in diesem Jahr zur saubersten Gemeinde Europas gekürt werden wird. Sämtliche Straßen waren am Besichtigungstermin gekehrt, die Altglas und Papiercontainer verschwanden hinter einer blühenden Hecke aus Kunstblumen und Sperrmüll, sowie Elektronikschrott wurde vorsorglich auf der Gemarkung, der mit Großhumpendorf seit Jahrhunderten verfeindeten Gemeinde Schlemmerbach zwischengelagert, selbstverständlich gegen deren Willen und Wissen.

Während die armselige saarländische Metropole Saabrigge wie so oft schon im Dreck zu ersticken droht, ist Großhumpendorf ein Ort der porentiefen Reinheit. Hier werden Abfälle nicht arglos auf die Straße geworfen, hier gilt das Gebot "Wer Dreck macht, schafft ihn auch wieder weg" Die Großhumpendorfer Anti-Dreck-Verordnung wurde auf Initiative von "La Rabiata", der Frau von Bürgermeister Lump ins Leben gerufen. Elfriede Lump erhielt den Beinamen "La Rabiata" weil sie sich, manchmal auch etwas zu rabiat, wie Bürgermeister Lump meint, für Ordnung und Sauberkeit im Ort einsetzt. Lump bekam dies auch des öfteren schon am eigenen Leib zu spüren, wie er freimütig bekennt.

Herumlungern auf öffentlichen Plätzen und aggressives betteln gibt es in Großhumpendorf nicht. Zwar hat man sich in Großhumpendorf der deutschen Kultur, wonach Obdachlose und Bettler einfach zum Straßenbild gehören angeschlossen, jedoch auf eigene Art und Weise. Ferdi und Knut die beiden "Bettler" sind Angestellte der Gemeinde und werden für ihre schwere Tätigkeit sogar übertariflich entlohnt. Sie haben die 35stunden Woche, nebst Weihnachts und Urlaubsgeld. Offiziell sind sie als Dorfmusikanten geführt und sind auf allen Festen der Gemeinde zu finden. Die Tageseinnahmen fließen in die Gemeindekasse und zum Jahresabschluss meldet Gemeindekämmerer Pfennigfuchser per Saldo stets ein beachtenswertes Plus auf dem Gemeindekonto.

Dass die saarländische Landeshauptstadt im Abfall versinkt und der Stadtrat zu Gegenmaßnahmen nicht in der Lage zu sein scheint, meldete schon vor Jahren ein Raumschiff, das zu nächtlicher Stunde in Saarbrücken zwischengelandet war. Der verzweifelte Funkspruch der Besatzung an den Heimatplaneten wurde von einem Großhumpendorfer Amateurfunker aufgezeichnet: "SOS-SOS- Hier Raumschiff Venus IV - Verlassen Landeplatz sofort wieder, die Stadt ist von Ferkeln besiedelt", so die Audio-Dokumentation des in Großhumpendorf aufgefangenen Funkspruch des interstellaren Ufos.

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