vorab erschienen im link Saarecho 5/8/2006

Das Erbe der Tempelritter im Saarland (I)

Schatz der Tempelritter im Saarland verprasst

"Schlendrian der Mächtige" aus Großhumpendorf gilt als Hüter des heiligen Grals

Von Claude Michael Jung

Die Tempelritter, kurz Templer genannt, waren ein geheimnisvoller Ritterorden im Mittelalter. Die Ordensritter legten zwar ein Armuts-, Keuschheits- und Gehorsamsgelübde ab, jedoch mit der Auslegung der abgelegten Gelübde gingen die Ritter sehr kreativ um. Sagenhafte Orgien wurden ihnen nachgesagt, sie sollen die wildesten Partys in ihren Burgen gefeiert haben und dabei bis heute noch immer rätselhafte Drogen konsumiert haben.

Auch auf der Humpenburg, nahe der saarländischen Gemeinde Großhumpendorf waren solche Orgien an der Tagesordnung. In den Gewölben der Humpenburg soll nach neuesten Erkenntnissen saarländischer Archäologen auch der große Humpen, wie der heilige Gral an der Saar genannt wird, bis heute versteckt sein. Hier wurde auch der sagenhafte Schatz der Templer vom saarländischen Großmeister des Ordens, von Ritter Schlendrian dem Mächtigen, verprasst.

Als am 13. Oktober 1307, einem schwarzen Freitag, der König von Frankreich Philipp IV, genannt der Schöne, alle Templer in Frankreich verhaften ließ, begann der Untergang des Templerordens, wie viele glauben. Philipp der Schöne wollte sich in den Besitz des Ritterschatzes bringen, da er vor den Augen Gottes soviel Reichtum in den falschen Händen nicht mehr zu verantworten vermochte. Ein Teil der Ritterschaft floh nach Spanien, Portugal, England und an die Saar, wo ihnen die Humpenburg als Zufluchtsort vor den Nachstellungen Philipps diente. In der Schatzkammer der Humpenburg erhielt neben einer erbeuteten Pfälzer Fahne, einem Äppelwoibämbel vom Main und dem Flaggenmast der Arche Noah, auch der sagenumwobene Schatz der Templer wohlwollend Asyl.

Die saarländische Sektion der Tempelritter unter dem Patronat von Kreuzritter Schlendrian, der den Beinamen "der Mächtige" wegen seines mächtigen Bauchumfangs mit Stolz und Würde führte, gewährte den Ordensbrüdern aus Frankreich Kost und Logis. Diese machten sich alsbald die saarländische Lebensart zu eigen. Schon zum Frühstück gab es Ochs am Spieß; Wein und Gerstensaft flossen in Strömen, und nicht nur Ritter Schlendrians Wampe wucherte ins Unermessliche. Schluss war mit den Kreuzzügen ins Heilige Land, um die heidnischen Mauren und Sarazenen zu erleichtern. Kreuzzüge wurden zwar immer noch durchgeführt, allerdings nur in die Pfalz, an Rhein und Mosel sowie in den Hunsrück und in die Eifel. Vornehm, zurückhaltend wie es sich für saarländische Ritter gehörte, nannte man die Beutezüge ins Nachbarland auch nicht Kreuzzüge, sondern vereinfacht "Razzien". Diese Razzien im weißen Wappenrock und im schlichten weißen Umhang, auf dem ein rotes Kreuz prangte, dienten ausschließlich der Versorgung der Burg Humpen und ihrer großen Ritterschar. Gerazzt wurde alles, was brauchbar und transportabel war.

Ochsen gab es bei den Nachbarn, genau wie heute, in Hülle und Fülle; auch so manches niedliche Burgfräulein und jede Menge stolzer Dorfschönheiten wanderten bei den Razzien in die Obhut der Saar-Ritter. Das Leben auf der Humpenburg war einfach superb; so superb, dass die Knappen ständig damit beschäftigt waren die Kettenhemden der edlen Ritter zu erweitern.

Als es am 11. November 1313 die Templer auf der Humpenburg mal wieder so richtig krachen ließen, wurden Stimmen laut, die Rache am Franzosenkönig Philip le beau forderten. Der Ruf nach einem Pilgerzug mit Schwert und Lanze über Reims nach Paris wurde nach jedem geleertem Pokal lauter, so dass Ritter Schlendrian, der jede Art von Bewegung als Vergeudung seiner Kräfte ansah, einschreiten musste. Mehr als sechs Pferde wären nötig gewesen, den mächtigen Schlendrian in die Hauptstadt des Franzosenkönigs zu schleppen; er hätte an Gewicht verloren und Schlendrian dachte mit Schaudern daran, das er bei dem Feldzug sogar ins Schwitzen kommen könnte. Schlendrian konnte mit knapper Mühe und Not die Ritter seiner Tafelrunde davon überzeugen, dass List und Heimtücke vor Gewalt geht, und er versprach demjenigen den halben Schatz der Tempelritter als Belohnung, der Philip den Schönen bei seinen Landsleuten und vor allem beim Papst in Misskredit bringen würde.

Michel Conte du Aurica (Graf von Auersmacher), ein damals in der gesamten Christenheit bekannter Lyriker und Bänkelsänger, hatte die rettende und den schweren Feldzug verhindernde Idee. Er verfasste Dutzende von Schmähschriften, die den Roi de France zum Schnauben brachten. Die schärfste Waffe der saarländischen Ritterschaft erlebte eine Sternstunde nach der anderen. Schließlich glaubte nicht nur das französische Volk an den Inhalt der Schmähschriften aus der spitzen Saarfeder, sonder auch Philipp der Schöne war selbst davon überzeugt, ein Bigamist, ein Sodomist, ein Falschmünzer und gar ein der Blasphemie schuldiger Ketzer, der auf das päpstliche Wappen gespuckt habe, zu sein. So äußerte sich der scharfzüngige Conte du Aurica höchst negativ über Philip IV.: "Das ist weder ein Mensch noch ein König, das ist ein Unhold." Und noch hinzufügend: "Dieser König gleicht dem Pfau, dem prächtigsten der Vögel, der aber zu nichts nutze ist. Er tut nichts anderes als die Menschen zu belügen und zu betrügen." Endlich: Der Papst wollte den König von Frankreich schon wegen seiner Untaten exkommunizieren, ihn vor die Heilige Inquisition zitieren, ja, der Scheiterhaufen war schon hergerichtet; da ging der schöne Philip in die Falle der Saarländer. Er trommelte seine Ritter herbei und blies zum Kriegszug an die Saar.

Im Bitscher Land sammelten sich die französischen Truppen, um durch die Hintertür ins Saarland einzufallen und die Humpenburg zu belagern. Jedoch die Templer von der Saar waren bestens vorbereitet. Während das Heer der Franzosen bei Wind und Wetter mit frierenden Hintern vor dem Burggraben lag, feierten die Mannen Schlendrians eine Orgie nach der anderen. Die Franzosen mussten mit anhören, wie die Gläser klirrten, die Pokale aneinander geschlagen wurden, und der Duft der Grillfeuer liess ihnen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Meuterei lag in der Luft, als auch noch das Lied "Das Lieben bringt groß Freud" in die Ohren der Franzosen drang und wunderschöne Burgfräulein auf den Wällen und Türmen zu tanzen begannen.

Jetzt kam die Stunde von Michel, Conte du Aurica: Von zwölf Knappen und Dienern wurde Schlendrian der Mächtige stöhnend und ächzend, in Seilen hängend, von einem Flaschenzug auf den großen Burgfried gehievt. Der Graf von Auersmacher pellte den Burgherrn aus seinem Kettenhemd und die mächtige, gewaltige Wampe wabbelte über die Brüstung des Burgturms. Den Franzosen schien das letzte Stündlein geschlagen, ja das jüngste Gericht bevor zu stehen. In Panik vor der gewaltigen Wampe Schlendrians floh das Heer des schönen Philip bis weit in die Vogesen. Der Roi de France aber geriet in Gefangenschaft der Saar-Templer und musste einen Friedensvertrag mit den Rittern der saarländischen Tafelrunde unterzeichnen, der als das Humpendorfer Diktat in die Geschichte eingegangen ist. 20000 Fässer besten Burgunderweins, mehrere tausend Tonnen Brie und Camembertkäse wanderten als Kriegskostenerstattung auf die Humpenburg, und für zwanzig Jahre mussten sämtliche Rinderfilets aus dem Charolais an die Küche der Saartempler abgeliefert werden. Die größte Demütigung, die Übergabe seiner schönsten Maitressen an die Saar-Ritter, verkraftete Philip der Schöne aber nicht mehr. Nur wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Friedensdiktates von Humpendorf stürzte sich der mächtigste Mann Frankreichs vor einen wilden Eber und verstarb an den Folgen des Zusammenpralls, der Eber kam mit dem Schrecken und ein paar zerzausten Borsten davon. Die Saar-Templer, ihre Kinder, Enkel und Urenkel aber prassten weiter, bis der Schatz der Tempelritter verjubelt war. Darüber vergingen noch mehrere Jahrhunderte. Die Geschichte von Ritter Schlendrian, seinen Orgien und Festen aber wird bis in die heutige Zeit an den Grillfeuern der Saarländer erzählt.

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