6/7/2006

Das Schlendriansdekret

Sogar Napoleon Bonaparte räkelte sich vor der Schlacht von Austerlitz im Wunderwasser der Saargemeinde

Von Claude Michael Jung

Touristen, die das Saarland besuchen, sollten es keinesfalls versäumen auch die Gemeinde Großhumpendorf zu besuchen. Vom Burgfried der Humpenburg aus geniest man einen wunderschönen Überblick über das Tal der Saar und an klaren Tagen ist das leuchten und glühen der Vogesengipfel ein unvergesslicher Anblick. Großhumpendorf ist bekannt für seinen Gesundbrunnen. Schon Kaiser Karl V. nahm ein Bad im einzigartigen Mineralwasser des Großhumpener Dorfbrunnens, um sich bevor er die Weiterreise zum Reichstag in Worms 1521 antrat, hier von seinem Zippelein zu erholen. Später räkelte sich Napoleon Bonaparte vor der Schlacht von Austerlitz im Wunderwasser der Saargemeinde. Der große Franzosenkaiser kurierte hier seinen zu Schanden gerittenen Hintern im kühlen Nass.

Der sich im Gemeindebesitz befindliche Brunnen ist auch ein Labsal der Gemeindekasse und hat Großhumpendorf zur reichsten Gemeinde des Landes gemacht. Großhumpendorfer Wasser findet seinen Weg als Weihwasser in die Bistümer Trier, Mainz und Speyer. In Asien wird es als Potenzoptimierer gehandelt und der Erfolg der Kliensmänner bei der WM 2006 ist ebenfalls auf das saarländische Mineralwasser zurückzuführen. Seine linksdrehenden Kohlesäurekulturen machen es einzigartig in der Welt und so ist das begehrte Wasser auch Grundstoff für das belebende Pils, das in der Dorfbrauerei heranwächst. Alle Versuche ausländischer Heuschrecken, den Großhumpener Dorfbrunnen samt Brauerei aufzukaufen sind bisher gescheitert. Zu Verdanken ist dies dem Schlendriansdekret, einem mittelalterlichen aber bis heute immer noch gültigem Erlass. Darin hatte der Tempelritter Schlendrian der Mächtige, nachdem ihm das Großhumpener Pils von seinem Sodbrennen befreit hatte verfügt, das jedem Großhumpener Einwohner im trinkfesten Alter wöchentlich zehn Liter Freibier zustehen und Brunnen und Brauerei niemals privatisiert werden dürfen.

Großhumpendorf bietet mit seiner intakten Landschaft ausgezeichnete Voraussetzungen für die Entwicklung von Angeboten im Bereich des Gesundheitstourismus. Bürgermeister Edgar Lump will aus diesen Gründen und vor allem zum Wohl der Gemeindekasse auf die Realisierung eines Sole-Thermal-Wunderbades in absehbarer Zeit dringen.

Derzeit bestaunt die Gemeinde die neue Luxuslimousine mit Bordbar, die Bürgermeister Lump als Wohltat von einer Wohltätigkeitsorganisation aus dem Saarland erhalten hat. Zwar ist es ein Rätsel wie Lump zu der Wohltat kam, er ist schließlich kein CDU-Kommunalpolitiker, sondern parteilos und hat noch niemals sein Blut gespendet. «Der Lump hat eben überall Gönner», meint dazu der Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonens. Bauer Güllerich sagte gestern in den späten Abendstunden zu seinem Wallach Alarisch: «Ja der Lump nimmt was er kriegt und wenn er dadurch die Gemeindekasse schont ist das schon in Ordnung so».

Ein weiteres Gesprächsthema im Dorf ist derzeit die Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an den Organisten der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria, Gottfried Hoschbes. Saar Kultusminister Jürgen Schreier, der zu diesem Anlass den Gemeindeboden mit einer Sondergenehmigung des Bürgermeisters betreten durfte, würdigte Gottfried Hoschbes als eine Persönlichkeit, die sich durch ihr Jahrzehnte langes Engagement große Verdienste im Bereich der Musik erworben habe. Gottfried Hoschbes erhielt die hohe Auszeichnung aus der Flosse des Saarministers für seine Heldenoper, die er eigens zur Fußballweltmeisterschaft komponiert hatte und die mit ihren Schlachtengesängen die ganze Nation zu berauschten Teilzeitpatrioten gemacht hatte. Minister Schreier erschien zur feierlichen Ordensverleihung im Trikot der Deutschen Nationalkicker und begoss den Abend in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen, wo er mit den Großhumpener Bürgern ausschließlich über Fußball diskutierte. Spät in der Nacht musste der Saarminister, liegend von seinem Fahrer nach Hause gebracht werden, nachdem er noch vorgeschlagen hatte, ein eigenes Bundesministerium für Fußball in Berlin, oder besser noch in der Saarmetropole einzurichten. Zum Abschied, das bekam der Minister allerdings nicht mehr voll mit, überreichte ihm Bürgermeister Edgar Lump noch den großen Karnevalsorden der Großhumpendorfer Narrengilde.

Au, den 6. Juli 2006

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