20/1/2007

Großhumpendorf sehen und sterben

Sechspfünder sind hier die Regel

Von Claude Michael Jung

Großhumpendorf sehen und sterben, sagt der Tourist wenn er etwas derart Einzigartiges wie das Kleinod der oberen Saar mit eigenen Augen erlebt hat. Großhumpendorf, die einzigartige Tempelrittergemeinde im Saarland, das ist Idylle, Romantik und Erlebnispark zugleich. Hier am Oberlauf der wildromantischen Saar hat man die Parteien-Demokratie längst überwunden. Parteien sind verboten, denn schon seit Jahrhunderten ist hier ein Lump Bürgermeister. Mit Edgar Lump, der nunmehr ein viertel Jahrhundert hier zur Zufriedenheit seiner Bürger herrscht, hat Großhumpendorf den erfolgreichsten Bürgermeister Europas. Tagt der Gemeinderat, dann versammelt sich das ganze Dorf im großen Saal von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen, um dem zu lauschen, was Bürgermeister Lump zusammen mit den Honoratioren der tollen Gemeinde in die Wege geleitet hat.

Bis auf den letzten Stehplatz war am gestrigen Abend der große Saal von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen gefüllt als Bürgermeister Edgar Lump bekannt gab, dass die Landesregierung jetzt für die Sanierung der Quellen des «Entenpuddels» (Neuhochdeutsch Ententeich) in der Großhumpendorfer Venusfurche rund 200.000 EURO bereitgestellt hat. Weitere 220 000 EURO flossen bereits aus EU Töpfen, dank der Gemeinschaftsinitiative von Pastor Friedensreich Selighauer und Bürgermeister Lump, zur Fortsetzung der Suche nach dem heiligen Gral, der nach einer alten Legende hier an der oberen Saar vermutet wird.

Kernpunkt der Sitzung des Gemeinderates war aber die Sanierung der Sanitäranlagen in den öffentlichen Gebäuden der Saarkommune. Zwar waren erst vor wenigen Jahren überall moderne Flachspüler nach EU Norm installiert worden, doch deren Durchflussquerschnitt hat sich als viel zu eng bemessen und damit für die Großhumpendorfer Ablage als ungeeignet herausgestellt. Im Gemeindeauftrag hat die saarländische Gesellschaft für Fäkalanalyse (SGF) ein Gutachten erstellt und nach eingehenden Verwiegungen und in Augenscheinnahmen attestiert, das ein Durchnittshaufen in Großhumpendorf stolze drei Kilo auf die Waage bringt. Ein Weltrekord wie das Gutachten nebenbei bescheinigt. Bei den Morgensitzungen brachte es Pastor Selighauer meist sogar auf sagenhafte 3 125 Gramm, dicht gefolgt vom Gemeindechronisten Studienrat Ernst Nonsens mit 3 100 Gramm.

Die für die EU Lokus-Norm zuständigen Brüsseler Bürokraten wurde zu einem eigens in Großhumpendorf durchgeführten «Kolloquium der großen Haufen» herbeizitiert, jedoch was bei den Gemeinschaftssitzungen aus dem Endstück der Bürokraten herauskam, konnte einer original Großhumpendorfer Ablage nicht das Wasser reichen. Nun sucht der Großhumpendorfer Gemeinderat nach geeigneten Tief und Flachspülern mit einer Durchflussöffnung, die Staus und Überflutungen verhindert. «Bis der Brüsseler Bürokratius die Durchflussnorm erhöht hat vergehen noch Jahrzehnte und wir müssen selbst für Abhilfe sorgen» so Bürgermeister Lump, der über ausreichend eigene negative Erfahrungen mit zu knapp bemessenen Abflussrohren verfügt und sich aus diesem Grund im Rathausgarten schon vor Jahren ein idyllisches Klohäuschen, mit Herzchen in der Tür und mit einem thronähnlichem Plumsklo aus deutscher Eiche, erbauen ließ. Die gesamten Baukosten wurden damals vom saarländischen Umweltministerium übernommen, da Bürgermeister Lump dem Umweltminister glaubhaft versichert hat, das es sich bei der Entsorgungseinrichtung um ein zukunftsweisendes und nachhaltiges Pilotprojekt handele.

Auch Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss, der Hüter des Großhumpendorfer Heimatmuseums hat sich an diesem denkwürdigen Abend zu Wort gemeldet und über selbst erlebte unheimliche Vorkommnisse während seiner oft stundenlangen Sitzungen auf seinem EU genormten Flachspüler berichtet. Oberstleutnant a.D. von Bockschuss, der mit großem Stolz detailgenau über die massive Konsistenz seiner gewaltigen Haufen berichtete und sich äußerst unzufrieden über die so genannte bauartgeprüfte Spülleistung moderner Lokusanlagen zeigte, berichtete den Anwesenden sogar von dramatischen Vorkommnissen der fünften Dimension. So kommt es, laut Bockschuss regelmäßig vor, wenn der leidgeprüfte Oberstleutnant a.D. die Spülung in Gang setzt, dass die Wassermassen unkontrolliert auf den überdimensionalen Haufen treffen und der alte Krieger samt Galauniform von der schäumenden Gischt arg in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch Oberstleutnant a.D. von Bockschuss forderte von Brüssel den «Normschiss» dringend zu überprüfen und auf Großhumpendorfer Norm zu erhöhen.

Mit einigen technischen Ratschlägen zur gefahrlosen Durchführung erleichternden Großsitzungen wandte sich Brandmeister Rohrbruch dann an die versammelte Dorfgemeinschaft. Rohrbruch empfahl, nur noch bei geschlossenem Deckel die Wassermassen auf die abgelegten Haufen stürzen zu lassen und um die Gefahr ständiger Überschwemmungen zu verhindern, die Brillen der hinterhältigen und untauglichen Flachspüler mit Deckeln aus Verbundglas zu versehen. Rohrbruch empfahl seiner Gemeinde weiter, die schweren Sechspfünder nur noch in bewährte Plumsklos hinein zu schwitzen.

Mit dem Beschluss des Großhumpendorfer Gemeinderats, der auf die Empfehlung Bürgermeister Lumps zurückging, werden ab sofort in der Saargemeinde sämtliche Haufen ab einem Nettogewicht von 2 800 Gramm gesammelt und zu 90 Prozent nach Brüssel zur Normenkontrolle verfrachtet. Die restlichen zehn Prozent werden an das saarländische Umweltministerium zur Ansicht überwiesen.

Au, den 19. Januar 2007

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