29/1/2007

Edgar Lump rettet Steinkohlebergbau an der Saar

Saar-Gemeinde investiert in Kohlehydrierung

Von Claude Michael Jung

«Auf allem was der Lump anpackt ruht Segen», musste der Großhumpendorfer Pastor Friedensreich Selighauer in einem Zwiegespräch mit seinem obersten Boss leicht zerknirscht eingestehen. Nach dem Parteiengerangel und Geschachere um das Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland hat Großhumpendorfs Bürgermeister Edgar Lump zu einem Paukenschlag ausgeholt, der die Fenster in den Parteizentralen von CDU und SPD nur so scheppern ließ. Beim Frühschoppen in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen verkündete Edgar Lump, seine Gemeinde werde für eine Renaisance des Steinkohlebergbaus an der Saar sorgen. Lump plant ein Kohlehydrierwerk zur Energiesicherung für das gesamte Saarland errichten zu wollen. Ein Wirtschaftlichkeitsgutachten hat er bereits in Händen, das bestätigt, dass die Kohleverflüssigung ab einem Ölpreis von ca. 55 US-$ pro Barrel profitabel ist.

Aus dem Dunstfeld Edgar Lumps wurde unterdessen gemeldet, dass die Großhumpendorfer Bergbau und Energiegesellschaft (GBEG) als volkseigener Betrieb «VEB Sprit für alle» bereits ihre Tätigkeit aufgenommen hat und bei der Standortsuche für das Petrochemische Werk fündig geworden ist. «Entweder wir sprengen das Saarbrücker Ostviertel für den Fortschritt, oder eine Brandrodung des Warndtwaldes wird erforderlich, um das Saarland flott vom Diktat der Russen und Ölscheichs unabhängig zu machen», sagte Edgar Lump unter tosendem Beifall der versammelten Thekenbesucher. Weiter verkündete Lump, das im Großhumpendorfer Jammertal ein, der Landschaft angepasster Verwaltungstower mit den benötigten unterirdischen Geldbunkern gebaut werden soll, damit die romantische Landschaft der affengeilen Spritgemeinde an der oberen Saar nicht beeinträchtigt wird. Nach Lumps Plänen sollen in den nächsten Jahren sieben neue Steinkohlezechen ihren Betrieb aufnehmen und für Vollbeschäftigung im Saarland sorgen. Großhumpendorfer Bürger erhalten ein gratis Spritdeputat von monatlich 250 Liter Benzin oder Dieselkraftstoff, ließ Bürgermeister Edgar Lump seine überglückliche Gemeinde weiter wissen.

Kaum war die Nachricht des Tages über die Ticker gelaufen herrschte an der Saar Goldgräberstimmung. Oberstleutnant a.D. Wilfried von Bockschuss, der Kommandant der Großhumpendorfer Heimatgarde will sich mit dem Gratistreibstoff einen Jugendtraum erfüllen. Der stramme Oberstleutnant gedenkt sich über den einschlägigen Militariahandel einen alten Tigerpanzer der deutschen Wehrmacht zu beschaffen, um damit sonntags zum Gottesdienst zu fahren und danach noch einige Runden ums Dorf zu drehen. Der Großhumpendorfer Arzt, Schauspieler und Bergsteiger Dr. Hubert Engerling, denkt über die Anschaffung einer spritfressenden US Limousine aus den vergangenen 50iger Jahren, für seine Patienten und Kneipenbesuche nach und Dorfchronist, Studienrat Ernst Nonsens ist wild entschlossen einen geländegängigen LKW des sowjetischen Typs «Ural», mit einem garantierten Spritverbrauch von 90 Litern auf 100 Kilometer, als Reisemobil herzurichten.

Jubel allenthalben über die frohe Botschaft aus Großhumpendorf. Noch in Pantoffeln stürmte Oskar Lafontaine die lange Theke in Ännchens Kneipe, um Edgar Lump überglücklich um den Hals zu fallen. «Kohlehydrierung macht das Saarland unabhängig vom Rest der Republik. In Zukunft diktieren wir die Spritpreise im Land nach Gutdünken» meinte Oskar de la Sarre und ließ Bürgermeister Edgar Lump nicht nur hochleben. Lafontaine sprach gar vom Großen Lump, dem Heiland der Saarländer. Gemeinsam mit dem Saar-Knappenchor traf auch der DGB-Saar Vorsitzende Eugen Roth mit Gefolge zum Spritrausch in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen ein. Roth forderte eine zweistellige Lohnerhöhung für alle Bergleute an der Saar und für sich einen Posten im Aufsichtsrat der Großhumpendorfer Bergbau und Energiegesellschaft (GBEG), was ihm auch von Edgar Lump großzügig gewährt wurde.

Der Großhumpendorfer Spritgipfel drohte im Chaos zu versinken als auch noch einige tausend Kohlekumpel zur Generalaudienz bei Bürgermeister Lump eintrafen. Schalmeien erklangen als der Spritkönig Edgar Lump auch noch verkündete im Hochwald sei ein gewaltiges Kohlevorkommen entdeckt worden, dessen Abbau sogar im Tagebau möglich sei. «Dort wo heute noch so unbedeutende menschliche Ansiedelungen, wie Losheim, Britten und Wadern existieren, werden saarländische Kumpel schon bald das schwarze Gold aus dem größten Krater Europas herausholen. Die Großhumpendorfer Investitionen sichern den Saarländer für die nächsten 500 Jahre den Bleifuß. - Vollgas für die Saar!», so Edgar Lump in seiner Rede an die versammelten Saar Bergleute. Diese riefen ihrerseits für das kommende Wochenende zu einer Jubeldemonstration für Edgar Lump auf.

Euphorie herrscht derweil auch im Himmel. Die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute ist von Bürgermeister Edgar Lump hin und her gerissen. Obwohl Petrus ihr klar zu machen versuchte, Edgar Lump sei ein Kommunist, oder gar ein Anarchist, für den Blasphemie kein Fremdwort sei, findet die heilige Barbara Edgar Lump einfach zum knutschen. Gar nicht zum knutschen finden der saarländische Ministerpräsident Peter Müller und sein Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi den roten Großhumpendorfer Spritbaron Edgar Lump. Müller und Georgie, die beide den Bergbau an der Saar abmurksen wollten, stehen mal wieder vor den Scherben ihrer Politik. Zwar sollen Müller und Georgi ebenfalls Pläne zur Kohleverflüssigung verfolgt haben, allerdings nicht um den saarländischen Autofahrern eine Freude zu machen, sondern um Steinkohle in Schnaps zu verwandeln und als Betäubungsmittel für die Saarländer einzusetzen, damit diese nicht erkennen können, wohin der Weg dieser Landesregierung führt. Wie Isolde Kungel-Kleister, die Hofberichterstatterin des Ministerpräsidenten mitteilt, ist die saarländische Landesregierung in Erkenntnis, das alles was sie anpackt promt daneben geht, in eine tiefe Depression gefallen.

Au, den 29. Januar 2007

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