vorab erschienen in der link Linkszeitung 22/12/2006

Stille Nacht in Großhumpendorf

«Notre Dame de la Sarre» und die Jungfrau Maria

Von Claude Michael Jung


Winter in Großhumpendorf. – Foto: © C.M. Jung

Alle Jahre wieder steht plötzlich wieder Weihnachten vor der Tür. Leise rieselt der Schnee bereits eine Woche vor dem Fest der Liebe und des Friedens auf die Großhumpendorfer Gemeinde hernieder. 65 moderne Schneekanonen hat Bürgermeister Edgar Lump rund um seine herrliche Gemeinde in Stellung bringen lassen um dem Dekret von Tempelritter Schlendrian dem Nixnutz, wonach zur Weihnacht rund um die Humpenburg gefälligst Schnee zu liegen hat, folge zu leisten. Der edle Saar-Templer hatte im Mittelalter den Schneefall zur Weihnacht befohlen, um über die Feiertage mit seiner buckligen Verwandtschaft kräftig Schlitten fahren zu können. Aus seinem Nachlass stammt auch das Libretto zur Operette «Die Humpenburger Weihnacht», die alljährlich im Saal von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen mit Enthusiasmus von den Bewohnern der tollen Tempel und Humpenrittergemeinde an der oberen Saar aufgeführt wird.

Leise rieselt nicht nur der Schnee, sondern auch der Kalk rieselt leise aus dem Kopf des Großhumpendorfer Pastors Friedensreich Selighauer. Der Gemeindehirte arbeitet bereits seit einer Woche mit stark rauchendem Kopf an seiner Predigt, die er zur Christmette seinen Schafen und Böcken entgegen schmettern wird. Die Weihnachtspredigt wird bei Pastor Selighauer traditionell zu einer Generalabrechnung mit seiner Herde und deren Sünden genützt. Den ganzen Lügen und Schweinkram, den der Vertreter Gottes an der langen Theke der Wahrheit in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen über das Jahr mit anhören musste, wird der Gottesmann von der Kanzel herunter zur Sprache bringen. Danach folgt die Absolution für seine guten Christen und der feierliche Fluch über die mit Großhumpendorf seit Jahrhunderten verfeindeten Nachbargemeinde Schlemmerbach, sowie über die SPD in Bund und Land.

«Die Humpenburger Weihnacht» das Krippenspiel mit Gesang, das einst Tempelritter Schlendrian der Nixnutz zusammengedichtet hat, kommt im Anschluss an die Christmette im großen Saal von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen zur Aufführung. Die moderne Bearbeitung hat der Großhumpendorfer Chronist Studienrat Ernst Nonsens übernommen. Sehr eindrucksvoll stellt Fräulein Zickig, die streng zölibatär lebende Grundschullehtrerin der Saargemeinde, die Jungfrau Maria und deren Jungfrauengeburt dar. Der heilige Josef wird wie jedes Jahr von Brandmeister Rohrbruch in Szene gesetzt. Der heilige Zimmermann, bei dem die Nerven vor Erwartung blank liegen, betrinkt sich mit anderen Handwerkern und dem heiligen Geist und verpasst dadurch das Wunder der hochheiligen Nacht. Ochs und Esel keilen sich um einen Ballen Heu und die Hirten prügeln sich mit römischen Soldaten um die Plätze in der ersten Reihe, während der kleine Jesus mit dem Fläschchen in der Hand herzhaft gähnt und danach fest einschläft.

Aufgeweckt wird «little Christ» dann vom gleißenden Halogenlicht des Kometen Schlendrian, der die Ankunft der heiligen drei Tempelritter zusammen mit Che Guevara, Elvis Pressluft und Bürgermeister Edgar Lump ankündigt. Auch die Grußbotschaft von Pontius Pilatus wird verlesen. Das Finale wird eingeleitet vom Blasorchester «Volles Rohr Großhumpendort, das unter der Leitung seines Dirigenten, des Großhumpendorfer Arztes, Schauspielers und Bergsteigers Dr. Hubert Engerling, den Weihnachtsmarsch von Johann Sebastian Fettfleck aus allen Rohren heraus bläst.

Wenn pünktlich zur Mitternacht der 2006ten heiligen Nacht der Vorhang hochgeht, werden auch zahlreiche Ehrengäste, welche die weiße Weihnacht in Großhumpendorf im Original miterleben wollen, erwartet. «Oh Heiland reiß den Himmel auf, der Peter kommt im Dauerlauf» werden die Hirten singen, wenn Saar Ministerpräsident Peter Müller zum Event der Saarkultur eintrifft. Auch Oskar Lafontaine und seine Gattin Christa Müller werden von ihrem Hügel herabsteigen, um dem Großhumpendorfer Krippenspiel beizuwohnen. Christa Müller, von den Humpenbürgern etwas ironisch «Notre Dame de la Sarre» genannt, wird selbst aktiv in die Handlungen der heiligen Familie eingreifen. Die Jungfrau Maria wird von ihr in Sachen Windeln wechseln und Kindererziehung aufgeklärt. Während er dem Osterhasen das Fell grault, schreibt Studienrat Ernst Nonsens in sein Tagebuch: " In Sachen Kindererziehung hätte «Notre Dame de la Sarre» die Jungfrau besser schon vor 2006 Jahren aufgeklärt. Dann währe Jesus nicht unrasiert und mit langen Haaren wie ein Tippelbrüder durch Palästina gegammelt und die Weltgeschichte währe wohl anders verlaufen. "

Au, den 22 Dezember 2006

GroßhumpendorfGeschichtenwww.saarlandbilder.net