5/4/2007

Bürgermeister Edgar Lumps Sündenfall

29 Jahre lang den Hochzeitstag glatt «vergessen»

Von Claude Michael Jung

Das der Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump den traurigen Rekord eigens aufgestellt hat, um ins Guinness-Buch der Rekorde zu gelangen, unterstellt ihm seine liebende Ehefrau La Rabiata keineswegs. Das der Lump aber 29 Jahre in Folge den gemeinsamen Hochzeitstag einfach vergessen hat, kann er nicht bestreiten. Jetzt hat seine treu sorgende Gattin den Frevel bei Pastor Friedensreich Selighauer zur Anzeige gebracht und hofft im Stillen dass die negative Bestleistung ihres Gatten doch noch ein gutes Ende findet. Pastor Friedensreich Selighauer war über so viel Ignoranz am heiligen Sakrament der Ehe dermaßen bestürzt, das ihm der Humpen aus der Hand glitt und der köstliche Inhalt sich über seine Sonntagspredigt ergoss.

«Bring mir den Lump auf der Stelle her» befahl der erboste Gottesmann seinem neuen Lehrling, Kaplan Watzmann, der die ganze Geschichte des Großhumpendorfer Weltrekords etwas konsterniert mit anhören musste. Obwohl Kaplan Watzmann erst einige Tage in der saarländischen Gemeinde weilt, weis er jedoch schon wo er Bürgermeister Edgar Lump um diese Tageszeit findet. Am Kabinettstisch in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen, wurde Kaplan Watzmann herzlich begrüßt und zu einem Humpen Krawallbrause auf das Wohl des Bürgermeisters eingeladen, der sich allerdings, als er von dem Befehl aus dem Pfarrhaus hörte, schon beim nächsten Schluck kräftig verschluckte. Jetzt musste das gesamte Repertoire der guten Ausreden her, um dem Schuldspruch des Standgerichts von Pastor Selighauer, zumindest wegen mangels an Beweisen, zu entgehen.

«Du schäbiger Lump, vor 30 Jahren hast du im Angesicht des Herrn geschworen, Deine Dir angetraute Frau zu lieben und zu ehren und seit nunmehr 29 Jahren hast Du ihr nicht mal einen Blumenstrauß zum Ehrentag geschenkt. An 29 Vatertagen, die Du stets wie kein anderer gefeiert hast, hat Deine Dich liebende Ehefrau nach der Humpenverehrung zu Bett gebracht, damit Du Deinen Rausch ausschlafen konntest. Was hast Du zu Deiner Verteidigung zu sagen?» Mit dieser Einleitung war die Verhandlung vor dem höchsten Großhumpendorfer Familiengericht eröffnet. Auf eine Beweisaufnahme die alle 29 Fälle brutals möglich ans Tageslicht bringen sollte, verzichtete Pastor Selighauer, da der Angeklagte Lump ein umfassendes Geständnis ablegte.

Gleich zweimal schwor Bürgermeister Edgar Lump, das er La Rabiata immer noch so liebe wie am ersten Tag, einen Eid davon leistete er jedoch vorsichtshalber mit gekreuzten Fingern auf dem Rücken. Ein erster Einwand des Angeklagten, dass der in Vergessenheit geratene Hochzeitstag immer auf den Großhumpendorfer Adalbertsmarkt falle und es in den Zuständigkeitsbereich von Edgar Lump falle, den dicken Adalbert, jenen sagenhaften Keiler der im Mittelalter den französischen König Philip IV. um die Ecke gebracht hatte, für das große Fest herauszuputzen, fand keine Gnade vor den Augen des Herrn. «Ja am Adalbertsmarkt hast Du schon seit je her die Sau rausgelassen», befand Pastor Selighauer und ließ das Argument nicht als Entlastung Lumps gelten.

Das Urteil fiel, wohl wegen der alten Humpenfreundschaft zwischen Bürgermeister Lump und Pastor Selighauer recht milde aus. Edgar Lump muss nachzahlen. 29 Rosensträuße a 30 roter Rosen sind fällig. Wie Edgar Lump am Stammtisch in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen, zur vorgerückter Stunde erzählte, will er die Schuld von insgesamt 870 Blumen der Liebe im nächsten Jahr tilgen, wenn in Pastor Selighauers Garten wieder die Rosen blühen.

Au, den 5. April 2007

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