4/3/2007

Erneuter Vorstoß von Edgar Lump in Sachen
«VEB Puff & Freude»

Kommt die «Casa Lupanare» am Großhumpendorfer Baggersee?

Von Claude Michael Jung

Als der Vesuv sich erlaubte am 24. August des Jahres 79 n.Chr. die Stadt Pompeji komplett unter seiner Asche zu begraben, verschwand leider auch das aufregendste Bordell der Welt von der Bildfläche. 1800 Jahre später finden Archäologen das zweigeschossige Gebäude wieder, haben es restauriert und ab sofort ist der altrömische Puff wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Wer dem Großhumpendorfer Bürgermeister Edgar Lump, dem Gemeindearzt, Schauspieler und Bergsteiger Dr. Hubert Engerling und dem Chronisten der liebreizenden Saargemeinde, Studienrat Ernst Nonsens die Einladungskarten zur feierlichen Neueröffnung des Freudenhauses zugesteckt hat, darüber schweigt sich das Trio hartnäckig aus.

Seine fundierten Bordellkenntnisse stellte Bürgermeister Edgar Lump allerdings gestern Abend am Tresen in Ännchens Kneipe unter Beweis. Dort verkündete er «In Pompeji behielten die Freier beim Sex, Schuhe und Strümpfe respektive die Sandalen an und das war auch gut so, es ging schließlich die Damen nichts an, ob die Socken gestopft waren, oder die Füße nach Käse rochen». Dr. Hubert Engerling bezweifelt die Angaben der Archäologen das es sich bei wiederentdeckten Freudentempel um das ältestes Bordell der Welt handelt. Bei seiner Weltreise mit dem Blasorchester «Volles Rohr Großhumpendorf» will er in der Nähe von Babylon einen noch viel älteren Puff aufgesucht haben und sehr Zufrieden mit der Behandlung gewesen sein. Studienrat Ernst Nonsens behauptete in der angeregt geführten Thekendebatte, das älteste Bordell der Welt, zumindest was die Bediensteten dort anbelangt befinde sich in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Dort dürfen Frauen erst nach mindestens 40 Jahren Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei ihre Dienste in einer Pagode der Lust feilbieten. «Davon habe ich mich selbst überzeugt», versicherte Studienrat Nonsens glaubhaft.

Einigkeit herrscht unter den Großhumpendorfer Bordellexperten, dass die «Casa Lupanare» (Haus der Wölfin), wie der antike Lusttempel in Pompeji von den Römern genannt wurde, wohl der erotischste und attraktivste Ort der käuflichen Liebe ist, den sich die Großhumpendorfer Männerwelt vorstellen kann. Das bestätigt auch die Hochglanzbroschüre, die das Interieur des Bordells im Farbdruck wiedergibt und die der Einladung zur flotten Eröffnungsnummer beigefügt war. Gestern Abend musste der Erotikprospekt zahlreiche Runden am langen Tresen in Ännchens Kneipe drehen. Besonders hoch erfreut war Bürgermeister Edgar Lump darüber, das zur feierlichen Einweihung des altrömischen Freudenhauses die zur damaligen Zeit recht sozialen Tarife wieder zur Anwendung kommen. So musste man damals für eine Nummer bei einer Schönheit aus Griechenland oder dem Orient gerade mal den Gegenwert von zwei Laiben Brot oder eines halben Liter Weins berappen. «Man kann quasi die Lust einatmen» bemerkte Dr. Hubert Engerling, den die gewagten erotischen Wandzeichnungen ins Schwärmen brachten. Dr. Engerling war kaum in der Lage die Hochglanzbroschüre mit den Bildern aus dem römischen Liebeskatalog aus seinen zitternden Händen zu legen und bedauerte zutiefst, dass das antike Lasternest nur 10 Zimmer zur Körperertüchtigung bereithielt. «Entweder die Liebesdienerinnen lagen damals dicht gedrängt nebeneinander, oder die armen Männer mussten in langen Schlangen vor der Tür warten», fachsimpelte Bürgermeister Edgar Lump gerade und dachte laut darüber nach: «Wenn im Frühsommer im Gemeinderat die Hormone wieder wild ins uferlose steigen werden, überzeuge ich den ganzen Verein, am Großhumpendorfer Baggersee eine Replik der «Casa Lupanare» zu bauen und als VEB Puff & Freude mit mir als Direktor in Gemeinderegie zu betreiben».

Das war das letzte was von Bürgermeister Edgar Lump an diesem Abend zu hören war. Der gewaltige Schatten von Pastor Friedensreich Selighauer schob sich unheilschwanger über den Tresen in Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen. Jäh verstummte die Unterhaltung. «So, So ihr Pornographen, ihr wollt also die Engel der Sünde in Pompeji besuchen. Dabei habt ihr nicht einmal bemerkt, das euch die Fleischeslust die Sinne getrübt hat. Beim Heiligen Strohsack, es ist immer dasselbe, wenn das Blut statt ins Gehirn in tiefere Gefilde des Körpers strömt. Eure «Casa Lupanare» wird nicht als das, wovon ihr Lustmolche träumt, wieder eröffnet, sondern als Museum. Sex gibt's hier nur noch als obszöne Graffiti an den Wänden. Ab Marsch zur Beichte».

Au, den 4. März 2007

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